Secop stellt Kompressoren für Kühlschränke her.

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06.09.16
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Verkauf von Secop durch Aurelius stockt

Im Frühjahr hat der Turnaround-Investor Aurelius den Verkauf seiner größten Beteiligung Secop angeschoben. Doch die Suche nach einem Käufer für den Flensburger Elektro-Zulieferer läuft FINANCE-Informationen zufolge zäh.

Aurelius kommt mit dem geplanten Verkauf des Flensburger Kompressorenherstellers Secop nicht wie geplant voran. Anfang des Jahres hatte der börsennotierte deutsche Turnaround-Investor die Citigroup mandatiert, um sein größtes Portfoliounternehmen auf den Markt zu bringen. Im April verschickte die Investmentbank die ersten Informationspakete, um das Asset anzupreisen.

Doch der Verkauf ist ins Stocken geraten. Das sagten zwei mit der Sache vertraute Personen unabhängig voneinander zu FINANCE. Den Insidern zufolge ist kein finanzkräftiger strategischer Käufer interessiert, die Firma zum geforderten Preis zu kaufen – und Aurelius nicht zu Zugeständnissen bereit.

Aurelius beziffert den aktuellen Wert von Secop im aktuellen Halbjahresbericht mit knapp 256 Millionen Euro, die Grundlage ist eine Berechnung nach dem Discounted-Cashflow-Modell. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) lag 2015 bei 28 Millionen Euro, bei einem Umsatz von 375 Millionen Euro, wie aus einer Investor-Relations-Präsentation von Aurelius hervorgeht, die FINANCE vorliegt. Damit ist Secop die mit Abstand wichtigste der zwanzig Beteiligungen des Münchener Investors.

Secop ist dem Aurelius-Portfolio entwachsen

Die Strategie von Aurelius-Gründer Dirk Markus ist es, Mittelständler in Schieflage billig zu kaufen, zu sanieren und dann für ein Vielfaches des Kaufpreises wieder loszuwerden. Die Sanierung hat Aurelius bei Secop längst bewerkstelligt.

Wie viel der Investor 2010 für den damaligen Teil des dänischen Kühlschrankherstellers Danfoss bezahlt hat, ist nicht öffentlich. Doch es dürfte nicht viel mehr als ein einstelliger Millionenbetrag gewesen sein, war die Firma damals doch in der Krise.

2011 musste Aurelius noch schmerzliche Wertminderungen auf die Beteiligung hinnehmen. Durch die Restrukturierungskosten fraß die voll konsolidierte Secop in diesem Jahr einen Großteil des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von Aurelius auf. 2013 verzeichnete Aurelius dann schon eine deutliche Verbesserung des Betriebsergebnisses bei der Firma. Zum Ende des ersten Halbjahrs 2014 gab der Investor erstmals den Net Asset Value seiner Portfoliounternehmen an – auf Basis zukünftiger Cashflows führte Secop mit einem Wert von gut 244 Millionen Euro die Liste an. 

Aurelius kann Secop nicht billig verkaufen

Jetzt liegt der Wert mit 256 Millionen Euro etwas höher. Der geringe Anstieg suggeriert, dass Secop die rasanteste Phase der Wertsteigerung hinter sich hat und damit nicht mehr gut ins Portfolio von Aurelius passt, sondern eher zu einem klassischen Midmarket-Investor.

Dass Secop noch immer keinen neuen Besitzer hat, liegt wohl vor allem an der Verhandlungsstrategie von Aurelius. Einen Verkauf von Secop zu einem niedrigen Preis dürften die Aktionäre nicht goutieren, denn der aufgeführte Wert beträgt fast ein Sechstel der Marktkapitalisierung von Aurelius (gut 1,6 Milliarden Euro).

Diese Tatsache legt nahe, dass nur Käufer mit strategischem Interesse in Frage kommen, um den Aufpreis zu bezahlen, den Aurelius als Voraussetzung für einen Verkauf begreift – nicht aber Finanzinvestoren.

Verkaufsprozess von Secop läuft noch

Als strategische Käufer kommen konkurrierende Kompressorenhersteller wie auch Kühlschrankproduzenten in Frage. Die großen und liquiditätsstarken Firmen der ersten Gruppe haben aber aus kartellrechtlichen Gründen schlechte Chancen, Secop zu kaufen.

Was die Kühlschrankhersteller angeht, sind die natürlichen Interessenten für Secop asiatische Firmen wie Samsung und LG aus Korea oder Midea aus China, sagen die informierten Personen. Für diese wären die energieeffizienten Kompressoren, die Secop herstellt, ein technologischer Fortschritt. Doch bei den Fernost-Konzernen scheint das Interesse, sich ein deutsches Unternehmen einzuverleiben, begrenzt zu sein, denn sie haben eigene Kompressorenwerke auf dem Heimatkontinent. „Die Top-Manager dieser Konzerne verstehen nicht, warum sie in diesem Bereich teuer zukaufen sollten“, erklärt eine der eingeweihten Personen.

Abgebrochen ist die Transaktion allerdings noch nicht, betonen die beiden Insider. Das zähe Fortkommen auf der Zeitschiene könnte der Tatsache geschuldet sein, dass asiatische Konzerne sich in M&A-Prozessen langsamer bewegen als ihre Wettbewerber aus Europa und den USA. Es sei immer noch möglich, dass ein strategischer Interessent in den nächsten Wochen oder Monaten den geforderten Preis bezahlt.

Aurelius auf der anderen Seite hat keinen unmittelbaren Verkaufsdruck. Der Investor kauft Firmen nicht aus Fonds heraus, sondern unmittelbar aus der Bilanz. Und dort lagen zuletzt (Ende Juni) liquide Mittel in Höhe von 415 Millionen Euro – ein geradezu astronomischer Wert angesichts der Tatsache, dass Aurelius Firmen oft für einstellige Millionenbeträge kauft. Dirk Markus kann also warten.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de