R.Stahl

04.07.14
Deals

Weidmüller: Übernahmeversuch klar gescheitert

Die Übernahmeschlacht zwischen dem Elektronikspezialisten Weidmüller und R.Stahl ist geschlagen. Weidmüllers Niederlage fällt deutlicher aus als erwartet. Nun will es das Familienunternehmen aus eigener Kraft wissen.

Schlappe für den Elektronikspezialist Weidmüller aus Detmold: Heute morgen räumt das Familienunternehmen ein, dass es mit seinem feindlichen Übernahmeversuch für R. Stahl gescheitert ist. Nachdem in den vergangenen Tagen nach dem Angebotsende die angedienten Aktien ausgezählt wurden, steht nun fest, dass Weidmüller an seinem erklärten Ziel der Mehrheitsübernahme von über 50 Prozent nicht nur knapp, sondern deutlich gescheitert ist: Nur 17,1 Prozent der Anteile waren zum Verkauf angeboten worden, damit konnte Weidmüller nicht einmal den Freefloat von rund 39 Prozent der R. Stahl-Aktien gewinnen. 51 Prozent der Aktien liegen im Familienbesitz, rund 10 Prozent der eigenen Aktien hält die Gesellschaft.

Bis zuletzt hatte sich Weidmüller optimistisch gegeben, die R. Stahl-Aktionäre von seinem Angebot doch noch überzeugen zu können. Weidmüller hatte zunächst 47,50 Euro je Aktie, später 50 Euro je Titel geboten. Analysten hatten das Angebot zuletzt schon für zu niedrig befunden.

Deutliche Abfuhr für Weidmüller

Auch aufgrund des massiven Widerstands aufseiten der Eigentümer und des Managements von R.Stahl ist die heftige Abfuhr für die Detmolder keine Überraschung. So hatten die R.Stahl-Eigner klar gesagt, dass der Familienbetrieb nur vererbt, nicht verkauft werden könne. Vor allem aber hatten sie die von Weidmüller behauptete industrielle Logik des M&A-Deals bestritten. Für die kleinere R.Stahl sei der Deal nicht notwendig, für Weidmüller hingegen schon, ätzte das Verteidigerlager.

Weidmüller zieht sich enttäuscht zurück und bläst die Übernahmepläne ab. Der Konzern gab sich zugleich optimistisch, seine Wachstumsziele auch auf Stand-Alone-Basis erreichen zu können. 2020 will das Unternehmen den Umsatz von zuletzt 640 Millionen Euro auf rund 1 Milliarde Euro steigern und auf diesem Weg viel in die Innovationskraft und die Technologie investieren, wie auch in den Ausbau des globalen Vertriebsnetzes. Dieses soll in Nordosteuropa, Südamerika, Südostasien, Indien und Afrika ausgebaut werden, was mit erheblichen Investitionen verbunden sein dürfte. Zuletzt will sich Weidmüller zum integrierten Lösungsanbieter weiterentwickeln.

R.Stahl hingegen begrüßte das Scheitern: „Heute ist ein guter Tag für unsere Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden“, sagte R.Stahl-CEO Martin Schomaker. „Dieser Übernahmeversuch hat Arbeitnehmervertreter, Belegschaft, Führungskräfte und Vorstand noch einmal enger zusammenrücken lassen. Wir haben eindrucksvoll gezeigt, dass R.Stahl ein Unternehmen mit einer Kultur ist, in der man sich aufeinander verlassen kann“, sagte Schomaker.
Der Kurs der R.Stahl-Aktie, der bereits im Zuge der sich abzeichnenden Niederlage für Weidmüller gesunken war, verlor heute knapp 3 Prozent auf rund 40,80 Euro.


marc-christian.ollrog(*)finance-magazin(.)de

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