Die harte Konkurrenz am deutschen Private-Equity-Markt hat den Erfolgskurs der Hannover Finanz eingebremst. Aber in diesem Jahr soll es wieder besser werden, verspricht Vorstandschef Andreas Schober.

Hannover Finanz

12.05.15
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Hannover Finanz fällt von Rekordniveau zurück

Die harte Konkurrenz am deutschen Private-Equity-Markt hat den Erfolgskurs der Hannover Finanz eingebremst. Aber in diesem Jahr soll es wieder besser werden, verspricht Vorstandschef Andreas Schober. Dafür setzt er so stark wie nie zuvor auf Österreich.

Das Beteiligungshaus Hannover Finanz hat die Dynamik der Vorjahre 2014 nicht halten können und führt dies  auch auf den Ansturm internationaler Private-Equity-Investoren auf deutsche Unternehmen zurück. „Ausländische Investoren sind stark am deutschen Mittelstand interessiert, und das sehen wir negativ“, sagte Andreas Schober, Vorstandssprecher des Private-Equity-Hauses bei der Vorstellung der Jahreszahlen am Montag in Frankfurt.

Dabei bezog Schober sich auf eine Statistik des Private-Equity-Verbands BVK, nach der der Anteil ausländischer Investoren an den PE-Investitionen in Deutschland auf 66 Prozent gestiegen sei. Zwar seien viele der internationalen Geldgeber auf größere Beteiligungen und Unternehmen konzentriert als Hannover Finanz, die in kleinere und mittelgroße Firmen investiert. „Aber der Markt wird enger“, findet Schober. Mit der österreichischen Knoth Automation hat das kleinste Unternehmen, an dem die Hannover Finanz 2014 eine Mehrheit übernahm, hat einen Umsatz von 14 Millionen Euro. Das Größte ist mit 65 Millionen Euro die Koller-Gruppe. 

Wenig erfolgreiches Jahr für Hannover Finanz

Ein weiterer Trend, den der Mittelstandsinvestor kritisch sieht, ist der wachsende Anteil von Verkäufen von Private-Equity-Investor zu Private-Equity-Investor – so genannte Secondaries. „Sie machen mittlerweile 50 Prozent der Exits aus, und das sehen wir nicht positiv“, führte Schober aus. „Wir sind ein Haus, das auf den direkten Kontakt zu Unternehmerfamilien setzt.“

Da dies in einer Zeit deutlich steigender Unternehmensbewertungen  und Verschuldungshebel schwieriger wird, verlief das Jahr 2014 für den Investor insgesamt nicht so erfolgreich wie die Vorjahre: 20,4 Millionen Euro konnte Hannover Finanz an seine Investoren ausschütten, weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts. Die Portfolio-Erträge, die sich aus Zinsen und Dividenden zusammensetzen, lagen bei 23,2 Millionen Euro – nach 30,2 Millionen Euro im Vorjahr. Bei den Exits war der Rückgang noch stärker: 9,2 Millionen Euro hat Hannover Finanz im abgelaufenen Jahr durch Unternehmensverkäufe eingespielt, im Vorjahr waren es noch 25,7 Millionen Euro gewesen.

Hannover-Finanz-Chef Andreas Schober macht Hoffnung für 2015

Für das laufende Jahr dagegen macht das Unternehmen Mut: Schon vier Firmen habe Hannover Finanz 2015 verkauft – und dabei von dem beklagten hoghen Investoreninteresse profitiert. Die Veräußerung der österreichischen Schrack Technik sei mit einem IRR von über 30 Prozent einer der erfolgreichsten Deals in der Geschichte des Finanzinvestors gewesen, erklärte Schober. Das Private-Equity-Haus hielt Schrack seit 2005 und verkaufte den Elektro-Großhändler im März an das Management das Unternehmens, das sich als Minderheitseigentümer die österreichische Industrieholding Ilag ins Boot holte.

2014 sei das Portfolio mit sechs Zukäufen gestärkt worden, die Hälfte davon allerdings in Österreich. In diesem Jahr sei mit Deurotech, das Anlagen und Material für die Holzbearbeitung herstellt erst vor wenigen Tagen eine neue Beteiligung dazugekommen. „2015 wird besser als 2014 und besser als 2013“, kündigte Schober an. 2013 hatte Schober 42 Millionen Euro an die Investoren überwiesen

Auf zwei Trends möchte Hannover Finanz ausdrücklich nicht aufspringen: Erstens sind das unkonventionelle Finanzierungsmodelle wie etwa Unitranches. „Wir finanzieren mit Eigenkapital, Gesellschafterdarlehen und einem Teil Akquisitionsfinanzierung – aber nicht hoch geleveraged“, berichtet Schober. Und zweitens dem Thema Venture Capital: „Wir sind gut darin, Familienunternehmen zu Wachstum zu führen. Mit Wagniskapital haben wir in der New Economy unsere Erfahrungen gemacht – und sind reumütig zu unserem alten Geschäftsmodell zurückgekehrt“.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de