Dr. Lorenz Zwingmann

Knorr-Bremse AG

Name:
Dr. Lorenz Zwingmann
Unternehmen:
Knorr-Bremse AG
Ressort:
Finanzen (Bilanzen, Controlling, Steuern), Corporate IT, Immobilienmanagement, Einkauf
Position:
CFO von Dezember 2008 bis Dezember 2017
Ausbildung:
Studium der Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten Braunschweig und Göttingen, Promotion an der Universität Göttingen
Geburtstag:
16.09.1964
Familie:
Verheiratet, zwei Töchter
Ehrenamt:
Mitglied im Wirtschaftsbeirat der BayernLB
Hobbies:
Familie, Reisen, Lesen, Golf, Skifahren, Eintracht Braunschweig

Karriere

Zwingmann promoviert an der Uni auf einer vollen Stelle am Lehrstuhl. Zunächst will er Wirtschaftsprüfer werden, entscheidet sich dann aber für eine Unternehmenskarriere. Von 1994 bis 2003 arbeitet Zwingmann in verschiedenen Managementfunktionen bei Philips Electronics, zuletzt als kaufmännischer Geschäftsführer für die deutschsprachigen Länder in Hamburg.

Von 2003 bis 2008 ist er kaufmännischer Geschäftsführer der früheren Linde-Tochter Still, einem der führenden Hersteller von Flurförderzeugen, und bereitet den Verkauf an die PE-Investoren Goldman Sachs und KKR mit vor. Danach übernimmt er das CFO-Mandat beim Weltmarktführer Knorr-Bremse.

Im April 2017 gibt Zwingmann bekannt, dass er seinen Vertrag nicht verlängert und somit bis zum Ende des Jahres bei Knorr-Bremse ausscheiden wird. Im Januar 2018 wird er in den Vorstand des Energie-Logistikers Marquard & Bahls eintreten und dort nach einer Übergangsphase den CFO-Posten übernehmen.

Karriere-Highlights:

1)    Mitwirkung am Carve-out und Verkauf der Gabelstapleraktivitäten der Linde AG an die PE-Investoren KKR und Goldman Sachs.

2)    Erfolgreiche dauerhafte Working-Capital-Optimierung mit Sparpotenzialen im dreistelligen Millionen-Bereich.

3)    Durchführung und Integration von mehreren M&A-Transaktionen

4)    Bandbreite an Finanzierungstätigkeit und Sicherung einer sehr starken Bilanz mit über 500 Millionen Euro liquiden Mitteln

MEHR zur Person

Lorenz Zwingmann, Knorr Bremse: Der Nachhaltige

Lorenz Zwingmann ist CFO aus Überzeugung. Dass er nach rund anderthalb Jahren als Interims-CEO von Knorr Bremse auf die Finanzfunktion zurückkehrt, verursacht ihm keine größeren Schmerzen: „Ich habe sehr viel Erfahrung als CFO, stehe aber nicht gern in der ersten Reihe“, bekennt Zwingmann.

Seit zwanzig Jahren schon, seit seiner ersten Karrierestation in der internen Revision bei Philips, lebt Lorenz Zwingmann in Hamburg. Seitdem hat er immerhin zweimal die Firma gewechselt, der Wahlheimat ist der gebürtige Braunschweiger und eingefleischte Eintracht-Fan aber treu geblieben. Die dafür notwendigen Dauerreisen am Freitagabend und Montagmorgen nimmt er gelassen in Kauf: „Das ist wohl bei vielen Top-Managern so.“ Gewechselt ist Zwingmann zweimal extern, immer dann, wenn es für ihn nicht wie gewünscht weiterging – wie bei Philips, als er als kaufmännischer Geschäftsführer für die deutschsprachigen Länder für den nächsten Karriereschritt dauerhaft hätte ins Ausland gehen müssen, eine Aussicht, die dem damals 38-jährigen jungen Familienvater nicht sonderlich behagte.

Ein Headhunter bringt ihn 2003 als kaufmännischen Geschäftsführer zur Still-Gruppe nach Hamburg, wo er unter bei dem streng vertraulich gehüteten „Projekt Q“ ein bisschen James Bond-Atmosphäre schnuppert: er bereitet den Verkauf von Kion an die Private Equity-Häuser Goldman Sachs und KKR mit vor. Als einer der wenigen Manager übersteht Zwingmann auch das Assessment-Center der PE-Fonds und darf bleiben. Doch bereits nach kurzer Zeit merkt Zwingmann, dass „PE nicht meine Wellenlänge ist“. Der bisweilen hektische Aktionismus der Fonds sei nicht „sein Ding“ gewesen.

Das Münchner Familienunternehmen Knorr-Bremse bietet das erwünschte Kontrastprogramm. Hier kann Zwingmann endlich wieder langfristig gestalten. Viel lieber, als sich von kurzfristigen Monatszielen treiben zu lassen, bringt Zwingmann langfristigere Projekte voran: So gilt der dauerhaften Optimierung des Working Capitals sein besonderes Augenmerk: „Wir haben kontinuierlich die Umschlaghäufigkeit der Vorräte verbessert – und zwar fast ohne externe Hilfe“, erzählt Zwingmann, der den Konzern als „weitgehend beratungsresistent“ beschreibt. Das gilt für die Produktion, die an Erstausrüstungskunden im Schienen- und Nutzfahrzeugbereich liefert, und für das Nachmarktgeschäft, wo die Umschlaghäufigkeit deutlich erhöht werden soll.

Die Finanzlage ist entsprechend positiv. Moody’s ratet Knorr Bremse, das über eine sehr hohe Liquiditätsausstattung von rund einer halben Milliarde Euro Cash verfügt, mit A-, S&P mit A3. Auch die IT beschäftigt ihn. Die Ausgliederung der IT in eine GmbH, in dessen Aufsichtsrat Zwingmann sitzt, spart 20 Millionen Euro ein. Bis 2015 wird er eine Product-Lifecycle-Software einführen, über die ein Großteil des Konzernumsatzes allokiert wird.

Ungewöhnlich für ein produzierendes Unternehmen ist, dass Zwingmann auch für den Einkauf zuständig ist. Wenn CFOs einmal den Kostenhebel im Einkauf gezogen haben, geben sie den nicht mehr so leicht aus der Hand. Dies gilt umso mehr, seitdem Zwingmann sich durch die Benennung von Michael Buscher zum Vorstandsvorsitzenden von Knorr Bremse als Herr der Zahlen wieder voll auf sein Lieblingsterrain konzentrieren kann. Der Braunschweiger Wahl-Hamburger in München fühlt sich im Finanzbereich einfach pudelwohl.


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