Dr. Ralf P. Thomas

Siemens AG

Name:
Dr. Ralf P. Thomas
Unternehmen:
Siemens AG
Ressort:
Finanzen (Accounting, Controlling, Taxes, Treasury, Financial Audit), Siemens Financial Services, Corporate Services
Position:
CFO seit September 2013
Ausbildung:
Ausbildung als Industriekaufmann, Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Promotion auf dem Gebiet des Bilanzsteuerrechts (1994)
Geburtstag:
07.03.1961
Familie:
Verheiratet, drei Kinder
Ehrenamt:
Mitglied und Vorsitzender des Verwaltungsrats des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee e.V. (DRSC), Lehrauftrag an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Schatzmeister der Max-Planck-Gesellschaft
Hobbies:
Reisen, Skifahren, Tauchen

Karriere

Annähernd seine gesamte Berufslaufbahn und sogar seine Berufsausbildung verbringt Ralf P. Thomas bei Siemens – mit einer Ausnahme: studiumbegleitend und während der anschließenden Promotion zu einem steuerrechtlichen Thema betätigt er sich – in den Jahren nach dem Mauerfall – in der Beratung mittelständischer Unternehmen: „Das war eine Nische, die die großen Berater offen gelassen hatten“, erinnert sich Thomas.

Nach seiner Promotion im Jahr 1995 erstellt er für Siemens ein externes Gutachten, das ihn zurück in den Industriekonzern führt. Thomas arbeitet zunächst in der Konzernzentrale und ist maßgeblich an der Verankerung des Shareholder-Value-Gedankens bei Siemens beteiligt. 1999 wechselt Thomas in die südafrikanische Tochtergesellschaft, wo er für Bilanzierung, Steuern, Treasury und Controlling zuständig ist.

2001 kehrt Thomas zurück nach Deutschland und wird Performance-Controller in der Healthcare-Sparte. Währenddessen wechselt der Röntgenbereich der Sparte vom Restrukturierungs- in den Wachstumsmodus. Nach 12 Monaten wird er CFO des Röntgenbereichs, bevor er Ende 2004 die Leitung der zentralen Abteilung Reporting and Controlling bei Siemens in München übernimmt.

Nach der Compliance-Affäre, bei derer Aufarbeitung er unter anderem eng mit Joe Kaeser zusammenearbeitet, wird Thomas im Jahr 2008 CFO des Industry-Sektors von Siemens. Im September 2013 wird er schließlich CFO der Siemens AG und damit Nachfolger von Kaeser, der zum CEO aufsteigt. Im September 2017 wird sein Vertrag bis 2023 verlängert.

Karriere-Highlights:

1)    Erstellung des ersten Shareholder Value-Konzepts (Geschäftswertbeitrag) für Siemens mit dem Titel Economic Value Add (1996-1998)

2)    Entwicklung eines PDI-Kapitalbeteiligungsmodells in Südafrika (Previously Disadvantaged Individual) im Rahmen des Black Empowerment Ende der 90er Jahre

3)    Performance Controller und kaufmännische Leitung des Röntgengeschäfts (2001-2004)

4)    Corporate Controller der Siemens AG (2004 bis 2008)

5) M&A-Deals: Kauf von Dresser Rand für 5,8 Milliarden Dollar, Verkauf von BSH-Anteil an Bosch für 3 Milliarden Euro plus Vorab-Dividende von 250 Millionen Euro (2014).

MEHR zur Person

Siemens-CFO Ralf P. Thomas: Der Navigator

Bis auf wenige Jahre nach dem Studium hat Siemens-CFO Ralf P. Thomas sein gesamtes Berufsleben bei der Industrieikone verbracht. Dort wurde er zu einem Verfechter glasklarer Prozesse, insbesondere während der Aufarbeitung der Compliance-Affäre.

Eigentlich ist es ein Zufall, der Ralf P. Thomas an den Wittelsbacherplatz führt: „Mit meinen Studienschwerpunkten Steuer und Rechnungslegung war ich eher ein Wirtschaftsprüfungs-Kandidat“, erinnert sich Thomas. Dennoch war er nie in der Wirtschaftsprüfung tätig. Studienbegleitend arbeitet er – es ist die Zeit kurz nach dem Mauerfall und der Studienort Nürnberg/Erlangen grenznah gelegen – als Mittelstandsberater für kleine Betriebe.

Er sammelt Erfahrungen im Kleinhandwerk, rechnet buchhalterische Szenarien durch. Zu dem Zeitpunkt geht er wohl nicht davon aus, wieder zu Siemens zurückzukehren, wo er seine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert hat. Doch es kommt anders: Ein steuerrechtliches Gutachten, das er für die Siemens-Finanzzentrale erstellt und das später in der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs berücksichtigt wird, führt ihn wieder zu Siemens.

Seine erste Station bei Siemens beginnt der begeisterte Sportler in der Konzernzentrale. Dort arbeitet er in einem kleinen Projektteam zur Einführung des „Economic Value Add“-Konzepts, das maßgeblich zur Verankerung des Shareholder-Value-Gedankens bei Siemens beigetragen hat. Im Rahmen der Implementierung der damit verbundenen Projekte lernt er rund 70 Landesgesellschaften und die damaligen geschäftsführenden Bereiche des Siemens-Konzerns kennen.

So kommt der damals 37-jährige junge Mann nach Südafrika, kurz nach dem Ende der Apartheid. Thomas, damals für Bilanzen, Steuern, Treasury und Controlling der Landesgesellschaft zuständig, erinnert sich an die Probleme der Devisenregulierung, das Arbeiten ohne Cashpools und eine ganz besondere Aufgabe: Im Rahmen der Black-Empowerment-Gesetzgebung muss ein Modell für die Kapitalbeteiligung der zuvor benachteiligten Bevölkerungsgruppen am Teilkonzern in Südafrika erarbeitet werden. An der Umsetzung der ersten Tranche des „Black Shareholding“ ist Thomas beteiligt, bis ihn die Zentrale nach Deutschland zurückruft.

Die Jahre 2001 bis 2004 verbringt Thomas in der Medizintechniksparte. Zunächst ist er dort ein Jahr langals Performance-Controller im Einsatz. Während dieser Zeit hat sich der Röntgenbereich der Sparte von einem Restrukturierungs- zu einem Wachstumsgeschäft entwickelt. Im Jahr 2002 wird Thomas CFO des Röntgengeschäfts mit 2 Milliarden Euro Umsatz.

Diese Station hat Thomas geprägt und seinen Sinn für die Bedeutung stabiler Arbeitsabläufe geschärft: „Wenn Sie etwas einmal machen können, ist es ein Projekt, wenn Sie es immer besser wiederholen können, ein Prozess“, sagt er. Den Wert der Kontinuität und Prozessstabilität betrieblicher Abläufe dem Nachwuchs zu vermitteln, ist ihm ein zentrales Anliegen, das er gerne weitergibt, sei es intern oder in englischsprachigen Vorlesungen zur Managementpraxis an seiner Alma Mater, der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen.

Ende 2004 wechselt er wieder von der Teilbereichs- in die Konzernperspektive. Die Leitung der Abteilung Reporting and Controlling erweist sich als ein weiterer prägender Schritt. Bald schon ist Thomas intensiv in die aktive Aufarbeitung der Compliance-Affäre eingebunden. In dieser Zeit  trifft er auf Joe Kaeser, der Nachfolger von Heinz-Joachim Neubürger als CFO wird. Es entsteht eine Arbeitspartnerschaft, die bis heute trägt. „Die Intensität der Zusammenarbeit, auch mit anderen Abteilungen, hat notwendigerweise einen Höhepunkt erreicht, und ich bin stolz auf das, was wir in dieser Zeit gemeinsam erreicht haben“, blickt Thomas auf diese an Herausforderungen nicht arme Zeit zurück.

Dass der Konzernabschluss nach der Compliance-Affäre ohne Restatement geblieben ist, erfüllt ihn noch immer mit Stolz. Auf die Frage, ob er damals oder danach jemals schlecht geschlafen habe, antwortet Thomas: „Wenn man seine Prozesse im Griff hat, schläft man auch gut“ – ein Leitspruch, der über vielen Erfahrungen aus Thomas‘ Berufslaufbahn stehen könnte.

2008 erklimmt Thomas die nächste Stufe der Karriereleiter und wird CFO des Sektors Industry, der unmittelbar danach vom Strudel der Wirtschafts- und Finanzkrise erfasst wird. Gemeinsam mit dem damaligen Spartenchef Heinrich Hiesinger – heute Chef Thyssen Krupp –  manövriert Thomas den seinerzeit größten Siemens-Bereich erfolgreich durch die Rezession.

Als Joe Kaeser im September 2013 Vorstandschef von Siemens wird, folgt ihm Thomas auf den CFO-Posten. Und auch die Grundeinstellungen der beiden neuen Siemens-Lenker ähneln sich. Die Überzeugung des dreifachen Familienvaters Thomas: „Man kann Menschen nicht nur über Zahlen steuern, man muss ein Unternehmen auch als soziales Gefüge verstehen.“ Daraus ergibt sich auch sein Verständnis von Führung: „Das kann nicht nur bedeuten, vorneweg laufen zu können. Man muss auch sehen, dass die Kolleginnen und Kollegen motiviert mitkommen.“ Ähnliches hört man auch von Joe Kaeser.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de