Dr. Werner Brandt

SAP AG

Name:
Dr. Werner Brandt
Unternehmen:
SAP AG
Ressort:
Finanzen und Administration, Personalwesen, Arbeitsdirektor
Position:
CFO vom Februar 2001 bis Juli 2014
Ausbildung:
Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg, sowie Promotion zum Dr. rer. pol. an der TU Darmstadt
Geburtstag:
03.01.1954
Familie:
Verheiratet, zwei Kinder
Ehrenamt:
Brandt ist Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung. Darüber hinaus ist er Vorstandsmitglied des Vereins „Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar“, Mitglied des Vorstands der Schmalenbach Gesellschaft, Mitglied des Vorstands des Deutschen Aktieninstituts und Vorsitzender der Stiftung Historischer Kurpark Bad Homburg. Bis 2011 war er zudem Mitglied des Vorstands des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee e.V.
Hobbies:
Familie

Karriere

Brandt startet seine Karriere bei Price Waterhouse (heute PwC). Von 1992 bis 1999 ist er Mitglied der Geschäftsführung und Vizepräsident der European Operations bei Baxter Deutschland. Zunächst ist er als Finanzchef für Deutschland, Österreich und die Schweiz zuständig und verantwortete am Ende die Finanzaktivitäten in Europa. 1999 bis 2001 ist Brandt Vorstandsmitglied, Finanzvorstand und Arbeitsdirektor der Fresenius Medical Care.

Seit Februar 2001 ist er Finanzvorstand von SAP. Sein Verantwortungsbereich umfasst sämtliche Finanz- und Rechtsaktivitäten, darunter auch Intellectual Property, Datenschutz und Investor Relations, sowie die Verwaltung, darunter Einkauf und Gebäudemanagement. Im Juli 2013 übernimmt Brandt zusätzlich die Verantwortung für das Personalwesen und ist Arbeitsdirektor. Brandt scheidet altersbedingt Ende Juni 2014 aus dem Vorstand aus. 

Karriere-Highlights:

1) M&A und Integration: Vier große Akquisitionen im Gesamtumfang von rund 20 Milliarden US-Dollar: Übernahme zweier führender Cloud-Anbieter, Ariba und SuccessFactors (2012); Ausbau des Unternehmensportfolios im Bereich mobiler Anwendungen durch den Kauf von Sybase (2010), Ergänzung im Bereich analytische Anwendungen durch Akquisition und schnelle Integration von Business Objects (2008)

2) Kapitalmarkt: Refinanzierung der Ariba-Akquisition über insgesamt 2,4 Milliarden Euro via Eurobonds und US-Privatplatzierung, Aufstieg in den EuroStoxx50 (2004), Umwandlung von Vorzugsaktien in Stammaktien (2002)

3) Unterstützung des Wachstums in Schwellenländern: Investitionen in die Wachstumsmärkte Brasilien und die Region Mena: Aufbau des Entwicklungsstandort Sao Leopoldo sowie des Schulungs- und Entwicklungszentrums in Dubai Silicon Oasis. Unterstützung des China Growth Plan: Bis zum Jahr 2015 investiert SAP in China rund zwei Milliarden US-Dollar.

4) Globalisierung der Finanzfunktion: Anpassen des Verwaltungsbereichs der SAP an das rasante Wachstum des Unternehmens bei gleichzeitiger deutlicher Effizienzverbesserung in den Finanzprozessen durch Standardisierung, Zentralisierung. Brandt setzt auch das Shared-Service-Center-Konzept um. 

Deals

M&A-Akquisition
Datum:
05/2012
Dealvolumen der M&A-Akquisition:
2,5 - 4,99 Milliarden Euro
Kaufendes
Unternehmen :
SAP
Zielunternehmen:
Ariba
Land:
Deutschland
Land:
Vereinigte Staaten von Amerika
Umsatz des Unternehmens:
keine Angaben
Umsatz des Unternehmens:
250 – 999 Millionen EUR
Datum:
12/2011
Dealvolumen der M&A-Akquisition:
2,5 - 4,99 Milliarden Euro
Kaufendes
Unternehmen :
SAP
Zielunternehmen:
Success Factors
Land:
Deutschland
Land:
Vereinigte Staaten von Amerika
Umsatz des Unternehmens:
keine Angaben
Umsatz des Unternehmens:
50 – 250 Millionen EUR
Datum:
05/2010
Dealvolumen der M&A-Akquisition:
2,5 - 4,99 Milliarden Euro
Kaufendes
Unternehmen :
SAP
Zielunternehmen:
Sybase
Land:
Deutschland
Land:
Vereinigte Staaten von Amerika
Umsatz des Unternehmens:
keine Angaben
Umsatz des Unternehmens:
1 - 5 Mrd EUR
Datum:
01/2008
Dealvolumen der M&A-Akquisition:
2,5 - 4,99 Milliarden Euro
Kaufendes
Unternehmen :
SAP
Zielunternehmen:
Business Objects
Land:
Deutschland
Land:
Frankreich
Umsatz des Unternehmens:
keine Angaben
Umsatz des Unternehmens:
keine Angaben

MEHR zur Person

Der Erfolgsgarant

Wenn Werner Brandt Ende Juni 2014 nach fast 15 Jahren als CFO in Dax-Unternehmen aus dem Vorstand ausscheiden wird, kann er auf ein erfülltes Berufsleben als CFO zurückblicken. Viel mehr positive Nachrichten passen kaum in ein Profil.

 

Werner Brandts Karriere als CFO ist gespickt mit Dingen, die sich CFOs nur wünschen können. Dazu gehören Großübernahmen, deren Finanzierung und Integration sowie die ständige Weiterentwicklung des Unternehmens. Da sich Brandt für die stabile Gesundheits- und die wachsende IT-Branche entschieden hat, spielte sich sein Berufsleben als CFO weitgehend auf der Sonnenseite der Wirtschaft ab. Gerade in seiner Zeit bei SAP ist die Aufgabenstellung auf das „Ermöglichen und Unterstützen des Wachstumspfades des Unternehmens“ ausgerichtet, wie der aus dem Ruhrgebiet stammende Brandt sagt: „Die Industrie hat eine ganz besondere Dynamik.“

 

Gleichwohl muss auch Brandt in der Finanz- und Wirtschaftskrise die Effizienz des SAP-Konzerns steigern, um das Wachstum des Unternehmens weiter sicherzustellen. Beeindruckend ist die Konzernentwicklung seit seinem Antritt bei SAP: Von 2001 bis 2012 stieg der Konzernumsatz der SAP um rund 260 Prozent, das Konzernergebnis sogar um mehr als 500 Prozent.

 

Zwischen diesen Polen liegen zwölf Jahre harter Arbeit, vier milliardenschwere M&A-Transaktionen und Post Merger-Integrationen, große Refinanzierungen über die internationalen Kapitalmärkte. Die Weiterentwicklung und zunehmende Globalisierung erforderten auch die Internationalisierung der internen Strukturen und vor allem des Finanzbereichs.

 

Seine erste Station nach dem BWL-Studium führt Brandt in die Wirtschaftsprüfung zu Price Waterhouse nach Frankfurt und später Stuttgart. Zehn Jahre lang betreut er Großkunden und ist in einer Vielzahl von Sonderprojekten, etwa in der Due Diligence, aktiv. Parallel arbeitet er über Jahre neben der vollen Berufstätigkeit an seiner Promotion zu einem finanzwissenschaftlichen Thema. 1991 schließt er die Arbeit mit dem Titel „Steuerrechtliche Erfordernisse im Rahmen der Harmonisierung gesetzlicher Alterssicherungssysteme“ ab.

Anschließend reift in Brandt der Wunsch, in die Linie zu wechseln. „Ich wollte stärker gestalterisch tätig werden“, sagt Brandt. Über eine Zeitungsanzeige kommt Brandt als Finanzchef für Deutschland, Österreich und die Schweiz zum Healthcare-Konzern Baxter. 1997 wird er zum Europa-CFO des Konzerns. Die Aufstiegsmöglichkeiten an die Spitze der US-Mutter waren jedoch begrenzt. Ein Headhunter vermittelt 1999 den Kontakt zu Fresenius, und Brandt wird 1999 CFO des damaligen MDax-Konzern Fresenius Medical Care, der Baxter kurz zuvor im Übernahmekampf um den Dialyseanbieter National Medical Care ausgestochen hatte. Dass er den Konzern als CFO in den Dax führen kann, zählt Brandt zu den Highlights seiner Bad Homburger Zeit. Sein Nachfolger wird der heutige Fresenius-Chef Ulf Schneider.

Brandt dagegen trat die große Herausforderung bei SAP an. Sein Verständnis der CFO-Rolle ist zweigeteilt: einerseits unterstützt er  als „Business Partner“ die operativen Bereiche, andererseits ist die „Stewardship“-Funktion Kernaufgabe. „Ein CFO ermöglicht dem Unternehmen profitabel zu wachsen“, sagt Brandt. Dies ist jedoch nur eine Seite. Daneben ist der CFO  „das betriebswirtschaftliche Gewissen des Unternehmens. Er muss Sorge tragen, dass die Regeln eingehalten werden“, sagt Brandt.  

 

M&A, Refinanzierungen, Kapitalerhöhungen, Anpassung der internen Strukturen an sich ändernde Parameter, den Dialog mit Investoren führen, Wachstum und Innovation ermöglichen: Viel Zeit für Hobbies lässt ihm seine fordernde Rolle als CFO und Arbeitsdirektor nicht. „Ich habe immer sehr viel gearbeitet und war sehr viel unterwegs“, blickt Brandt zurück. Seine Ehefrau und die beiden Kinder sehen ihn selten vor neun oder halb zehn am Abend.

 

Wenn Brandt Ende Juni mit dann 60 Jahren aus dem Vorstand der SAP ausscheidet, freut er sich „auf mehr Zeit mit der Familie und für mich selbst“. Das Feld hat er bestellt, seinen Nachfolger Luka Mucic, ein SAP-Eigengewächs, hat er mit ausgesucht. Langweilig wird ihm in seinem neuen Leben nicht werden. So wird er der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) und dem DAI verbunden bleiben, ebenso der Schmalenbach-Gesellschaft. Schließlich wird er seine Mandate im Aufsichtsrat von Qiagen, der Lufthansa und von RWE behalten. Dort ist er mitunter mit einem Thema befasst, das ihm in seiner erfolgreichen und mehrfach preisgekrönten CFO-Laufbahn weitgehend erspart geblieben ist: Restrukturierung. Und was bleibt von Werner Brandt nach seiner aktiven Zeit bei SAP? An was soll man sich dann erinnern? Brandt: „Man soll sagen: Es war eine gute Zeit.“

 

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de