Peter Lorenz Nest

Ensys AG

Name:
Peter Lorenz Nest
Unternehmen:
Ensys AG
Ressort:
Rechnungswesen, Controlling, Risikomanagement, Treasury, Steuern, IT, Billing, Netz- und Energiedatenmanagement, Administration und Recht
Position:
CFO von Januar 2009 bis März 2015
Ausbildung:
Studium der Physik an der Universität des Saarlandes, Studium Master of Business Administration an der University of Texas in Arlington (USA)
Geburtstag:
11.02.1967
Familie:
Verheiratet, zwei Kinder
Ehrenamt:
Nest ist Mitglied im Lions Club Eschborn und hat dort seit 2009 diverse Vorstandspositionen inne.
Hobbies:
Musik, Theater, Sport und Western Riding

Karriere

Nachdem Peter Lorenz Nest seinen Master in Business Administration in den Vereinigten Staaten erwirbt, beginnt er 1994 seine Karriere im Mobilfunk bei der GfD, einer Beteiligungsgesellschaft von RWE, Mannesmann, Deutsche Bank, Thyssen, Bell South und Vodafone. Zunächst ist er als Assistent der Geschäftsführung im Bereich Technik tätig, 1996 steigt er zum Projektmanager auf.

1997 wechselt er zu Arcor (heute Vodafone) und baut unter anderem als Gruppenleiter im Investitionscontrolling das Investitions- und Projektcontrolling auf. Ein Jahr später wird er Abteilungsleiter im Bereich Umsatzcontrolling und verantwortet neben anderen Projekten die Produkt- und Kundenprojektkalkulationen, das Erstellen von Business Cases für neue Geschäftsfelder und die Ermittlung der Kosten- und Umsatzabgrenzung zum Monatsabschluss.

2005 wechselt Peter Lorenz Nest zu Premiere (heute Sky) und ist dort als Leiter im Bereich Controlling (Vice President) tätig. 2009 schließlich wird er Finanzvorstand bei Ensys, einem konzernunabhängigen bundesweiten Stromversorger, der sich auf Filial-, Immobilien-, Gewerbe-, Geschäfts- und Industriekunden konzentriert.

Als solcher verantwortet er dort die Ressorts Rechnungswesen, Controlling, Risikomanagement, Treasury, Steuern, IT, Billing, Netz- und Energiedatenmanagement, Admininistration und Recht. Ende März 2015 verlässt Nest das Unternehmen und wird anschließend CEO bei AAVI Advanced Added Value International.

Karriere-Highlights:

1) Nest begleitet die Restrukturierung von Ensys, dazu gehört auch die Einführung neuer Beschaffungswege für Strom, Hedgestrategien und Risikomanagement.

2) Im Rahmen eines EU-Fusionskontrollverfahrens verantwortet er bei Ensys eine Kapitalerhöhung.

3) Nest ist verantwortlich für den Ausbau der IT-Systeme zur effizienten Abwicklung von Großkunden mit mehr als 20.000 Stromverbrauchsstellen.

Peter Lorenz Nest: Der Physiker

Eine Weile fühlt sich Peter Lorenz Nest in den Naturwissenschaften heimisch, bis er die Welt der Finanzen für sich entdeckt. Etwas von Mathematik und Naturwissenschaften zu verstehen, hat dem CFO des Energieversorgers Ensys aber auch nicht geschadet: Seine methodische Vorgehensweise hat ihn schon so manche harte Nuss knacken lassen.

„Ich wollte wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält“ – das treibt Peter Lorenz Nest an, als er beschließt, nach dem Abitur Physik zu studieren. Doch dann stellt er fest, dass das Innenleben von Unternehmen auch ziemlich spannend ist und sattelt ein MBA-Studium drauf.  Seine analytische Denk- und Herangehensweise hat er aber immer beibehalten. Denn er liebt das methodische Arbeiten: „Komplexe Strukturen erfassen, Dinge auseinandernehmen und wieder sinnvoll zusammensetzen, Hypothesen erstellen, Modelle testen und schauen, was da geht – das lernt man im Physikstudium, und das hat mir immer Spaß gemacht”, sagt Nest. Diese Problemlösungskompetenz wird ihm in seiner Karriere noch oft ein wertvoller Begleiter sein.

Nach dem Studium ist für ihn klar: Er will in eine aufstrebende Branche, wo noch alles offen ist und die Weichen erst gestellt werden müssen. Was könnte da Mitte der Neunzigerjahre besser passen als die Mobilfunkbranche, die gerade liberalisiert wird? Und so steigt er in den Mannesmann-Konzern ein, wird schon bald zum Projektmanager befördert und leitet den Auf- und Ausbau des Datenfunknetzes.

Doch bald darauf sehnt Nest sich wieder danach, ins kalte Wasser zu springen und Neues aufzubauen. Diese Gelegenheit bekommt er 1997 bei Arcor: Das frisch gegründete Unternehmen investiert jährlich eine Milliarde Mark in Wachstum und bietet das Gestaltungspotential, das Nest so liebt. Hier kann er endlich „auseinandernehmen und zusammensetzen“ und darf sein Talent gleich von Beginn an unter Beweis stellen. Als er einsteigt, treibt SAP bereits seit acht Wochen sein Unwesen im jungen Unternehmen. Nest soll eine Struktur in das Projekt bringen und das gesamte Investitions- und Projektcontrolling hochziehen.

„Das war nicht einfach!“, schmunzelt er heute, wenn er daran zurückdenkt, wie er als Neuling das Controlling eines Unternehmens umkrempeln musste. „Die Lösung, die ich dann dem Finanzvorstand präsentiert habe, war ein harter Schlag: Totaler Stopp des jetzigen Systems, Umbau nach meinen Vorgaben. Danach waren erstmal 5.000 Mitarbeiter damit beschäftigt, 300.000 früher angelegte Projekte neu anzulegen”. Doch der Umbau hat sich gelohnt – das System heute noch im Einsatz – und ein Jahr später steigt Nest zum Abteilungsleiter Umsatzcontrolling auf.  

Mit dem Verkauf von Arcor an Vodafone sieht sich Nest aber mit einer ihm ungeliebten Situation konfrontiert: Vodafone sieht keine Zukunft im Festnetz – im Gegensatz zu Nest, dem damals Fernsehen über Kupferkabel vorschwebte – und kappt die Gestaltungsräume. Da packt es ihn wieder: Nest will die Ärmel hochkrempeln, Modelle erstellen, Probleme lösen – der Physiker in ihm kommt durch.

Ein Branchenwechsel steht an, diesmal Pay-TV: 2005 wird er Vice President bei Premiere und leitet das gesamte Controlling des Konzerns. Und – ganz nach seinem Geschmack – erwartet ihn hier eine schwere Aufgabe: Er soll die Rechte für die Bundesliga bewerten. Diese Bewertung ist letztendlich die Grundlage, auf der sich Premiere entscheidet, die Übertragungsrechte an den Spielen der Bundesliga erfolgreich zu sich zurückzuholen.

Gut drei Jahre später sehnt sich Nest wieder nach einer beruflichen Veränderung. Grund dafür sind diesmal aber nicht die fehlenden Gestaltungsspielräume, sondern die Familie: Er will nicht mehr zwischen Frankfurt und München pendeln, sondern mehr Zeit für die Familie und die kleinen Kinder haben. Da kommt ein Angebot aus Frankfurt gerade Recht: 2009 wird Nest zum Finanzvorstand des Energieversorgers Ensys bestellt und hat mit Umorganisationen, Restrukturierungen und Kapitalerhöhungen wieder alle Hände voll zu tun.

Auch diesmal ist sein Unternehmen in einem sich rasch verändernden Markt tätig, der Energieversorgung. Und dass ein Finanzinvestor einer der großen Gesellschafter ist, macht die Aufgabe noch interessanter. Dass er damit wieder einmal mit ganz neuen Themen klar kommen muss, stört ihn aber nicht. Ein Physiker kann sich schließlich in alles einarbeiten, lacht Nest.

julia.becker[at]finance-magazin.de