Peter Sielmann

Neumann Kaffee Gruppe GmbH

Name:
Peter Sielmann
Unternehmen:
Neumann Kaffee Gruppe GmbH
Ressort:
Finanzen, Risikomanagement, Bilanzierung, Controlling, Treasury, IT
Position:
CFO seit 1990
Ausbildung:
Studium der Betriebswirtschaftslehre (Diplom-Kaufmann) und der Rechte in Würzburg (1974 bis 1978)
Geburtstag:
07.08.1953
Familie:
Verheiratet, eine Tochter, ein Sohn
Ehrenamt:
Regionaler Beirat der Deutschen Bank
Hobbies:
Tennis, Skifahren

Karriere

Nach seinem Betriebswirtschaftsstudium startet Sielmann als Banker bei der Citibank und arbeitet zehn Jahre lang in Frankfurt, London und Hamburg – Tisch an Tisch mit Jürgen Fitschen und Werner Steinmüller, heute CEO und Head of Global Transaction Banking bei der Deutschen Bank, die damals auch als Trainee bei der Citibank beginnen. Zuletzt berät der Diplom-Kaufmann Unternehmen der Rohstoffbranche in Finanzierungsfragen.

1987 tritt Sielmann als Mitglied der Geschäftsführung in die Bernhard Rothfos AG ein. Nach der Übernahme des Unternehmens durch Hanns R. Neumann im Jahr 1988 wird er Finanzchef der neu-gegründeten Neumann Kaffee Gruppe.

Karriere-Highlights:

1) Für sein vorbildliches und stringentes Banken- und Risikomanagement wird Peter Sielmann von FINANCE als CFO des Jahres 2012 ausgezeichnet.

2) Behutsam und konsequent hat er das Unternehmen Richtung Kapitalmarkt geöffnet und dabei die  Finanzierung konsolidiert und zentralisiert sowie die Bilanzierung auf IFRS umgestellt, was zur langfristigen Stabilisierung des Unternehmens führte.

3) Er organisiert und managt den Neubau des Firmenhauptsitzes in der Hamburger HafenCity.

4) Sielmann arrangiert einen syndizierten Kredit auf Borrowing-Base-Grundlage und platziert im Jahr 2012 einen ausschließlich in US-Dollar denominierten Schuldschein.

Peter Sielmann, Neumann Kaffee: Der Selbermacher

Zwei Arbeitgeber in 35 Jahren Berufstätigkeit: Das schaffen die meisten Angestellten heutzutage nicht mehr, auf der höchsten Führungsebene schon gar nicht, wo viele Chefs stets auf dem Sprung sind. Für seine tiefe Kenntnis in Finanzierungsfragen und Bankbeziehungen verlieh FINANCE Peter Sielmann 2012 den Titel „CFO des Jahres“.

Peter Sielmann ist ein Mann, der die Beständigkeit liebt. Risiken geht er ganz bewusst ein: selten. Der Wechsel vom Bank- ins Handelsgeschäft, von der Citi zu Bernhard Rothfos, war für Sielmann so ein Sprung ins Risiko – anno 1987. „Man wusste nicht, wie das endet.“ Gereizt hat ihn die unternehmerische Verantwortung, das Produkt Rohkaffee, die Gestaltungsspielräume, nicht das Geld. In dieser Hinsicht hat er sich verschlechtert.

Es ist auch die Aufgabe, die ihn seit je her bei der Sache hält. „Man motiviert sich Tag für Tag über die Aufgabenstellung, die man hat“, findet Sielmann. Im Subtext hört man die Fülle der Aufgaben, die Freiheit zu handeln und die Verantwortung mit klingen. Man muss sich Peter Sielmann wohl als Arbeitstier vorstellen. Er formuliert das anders: „Es liegt schon viel auf dem Beruf.“ Work-Life-Balance sei das nicht, räumt er mit Blick auf seine langen Arbeitstage ein. „Das muss man durchhalten können“, sagt er sachlich.

Sielmann sieht sich als „operativen Finanzvorstand“. Als jemanden, der selbst Hand anlegt und Dinge erledigt, anstatt sie weiterzureichen. So arrangiert er den SynLoan auf Borrrowing-Base-Grundlage gleich selbst, ebenso ein Schuldscheindarlehen auf Dollar-Basis. Wenn er das Wort CFO in den Mund nimmt, dann spricht er es konsequent deutsch aus: Ce-Eff-Oh. Das klingt etwas altmodisch, wenig glamourös – einfach nach Arbeit. Auftritte nach außen überlässt der zurückhaltende Hanseate lieber anderen. Als FINANCE ihn Ende 2012 über seine Wahl zum CFO des Jahres informiert, fragt er nur: „Warum?“ Und doch verbirgt sich hinter dieser bei Menschen seiner Herkunft häufig anzutreffenden Mischung aus Bodenständigkeit, Bescheidenheit und Selbstgewissheit, die man gemeinhin Understatement nennt, ein starkes Selbstbewusstsein, das bei Sielmann jedoch nicht zu Übermut führt. Der erfahrene Manager schätzt große Gestaltungsspielräume in vertrauter Umgebung, so zum Beispiel beim Neubau der Firmenzentrale in der Hamburger HafenCity.

Sielmann ist ein Experte auf dem Gebiet des Risikomanagements: In drei Datenströmen, die er auf Basis der Risikoneigung seiner Gesellschafter definiert hat, liest Sielmann ein „komplettes Röntgenbild der Entwicklung und des Risikos unserer Unternehmensgruppe“. Es sind diekonsolidierten Risikopositionen, die aktuelle Verschuldung und die letzten Monatsergebnisse auf Fair-Value-Basis.“

Für seine Banken ist der Ex-Banker mit all seinem Wissen kein einfacher Geschäftspartner: „Er ist schwierig für uns, aber er ist gut“, bestätigt einer seiner Banker. Warum? Sielmann weiß schon vorher, welche Fragen sie ihm stellen werden und ist vorbereitet. In der Regel beantwortet er auch gleich solche, die noch gar nicht gestellt wurden. Indem er meist einen Schritt voraus ist, behauptet Sielmann die Unabhängigkeit für sein Unternehmen. „Das ist wichtig, wenn man ein permanenter Kreditnehmer von Banken ist so wie wir.“ Doch dabei bleibt er immer fair, seine Geschäftspartner schätzen vor allem Sielmanns Berechenbarkeit.

Auch für seine Gesellschafter war Sielmann schon manchmal anstrengend. Als er die Konsolidierung der Gruppe auf IFRS-Standard frühzeitig und (zumindest anfangs) gegen den Willen der Familie vorantrieb, hätte es für ihn persönlich eng werden können. Er hat es trotzdem durchgesetzt, weil er von der Richtigkeit überzeugt war. So ist er, der Hanseate.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de