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23.01.13
Finanzabteilung

Goodwill-Paragraph: ESMA fordert neue Kriterien für IAS36

Die marktgerechte Bewertung von nicht-materiellen Unternehmenswerten (Goodwill) aus den Megaübernahmen der Jahre 2005-2007 ist ein ewiges Diskussionsthema. Eine Studie der ESMA besagt nun, dass viele CFOs noch immer zu optimistisch bilanzieren und signifikante Goodwill-Abschreibungen durch unternehmensunspezifische Angaben bei Bilanzen umgehen. Die ESMA fordert daher detailliertere Angaben um realistischere Finanzentscheidungen treffen zu können.

Eine aktuelle Studie des European Securities and Markets Authority (ESMA) ergab, dass die wenigsten, der gemäß IAS36 von Konzernen verlangten Anhangsangaben von Bilanzen zu Firmen- und Geschäftswerten detailliert genug seien. ESMA testete für das Geschäftsjahr 2011 235 europäische Unternehmen aus 23 Ländern, die insgesamt einen Goodwill von 800 Milliarden Euro hatten. Von diesem Goodwill  wurden jedoch nur 5 Prozent als Wertminderung abgeschrieben, viel zu wenig wie die ESMA insinuiert. Signifikante Wertminderungen seien daher selten und größtenteils nur  im Finanz- und Telekommunikationssektor üblich. Auch die Stahlbranche dürfte betroffen sein, wie Thyssen-CFO Guido Kerkhoff aus dem Finanzdesaster in Amerika zu berichten weiß. Da die meisten Bilanzanhänge nicht unternehmensspezifisch genug seien, fordert die ESMA deshalb, dass Annahmen für Wertminderungstests zu erläutern und Sensivitätsanalysen zu verwenden seien. Ferner fordert die ESMA Unternehmen auf  spezifische Abzinsungssätze bekanntzugeben, sowie realistische Schätzungen von Wachstumsraten zu nutzen, die mit Wirtschaftsprognosen korrespondieren.

CFOs gehen Goodwill-Impairments zu spät an

Wie ESMA-Vorstand Steven Maijoor formuliert, seien Goodwill und Wertabschreibungen Schlüsselkomponente für eine realistische Bewertung von Unternehmen. Die Studie ebne daher den Weg für eine einheitliche Darstellung von Goodwill innerhalb der EU, so Maijoor. Unternehmen  und Wirtschaftsprüfer sind daher angehalten, sich an der Studie zu orientieren. Die marktgerechte Bewertung von nicht-materiellen Unternehmenswerten  in den Bilanzen sowie die Durchführung von Impairmenttests ist jedoch ein ewiges Streitthema. CFOs neigen erfahrungsgemäß dazu, zu optimistisch zu bilanzieren, notwendige Wertberichtigungen hinauszuzögern bzw. diese erst im Krisenfall vorzunehmen: Immerhin verhageln diese das Ergebnis und andere Kennzahlen etwa wie den Return on Equity (RoE), wie zuletzt Telekom-CFO Tim Höttges bei Abschreibungen auf das USA-Geschäft eingestehen musste.


Wird der laut Büchern bilanzierte Unternehmenswert nicht angepasst, so entspricht er gegebenenfalls nicht mehr dem Marktwert. Doch der Nachweis ist für außenstehende WPs kaum möglich. Der Wissensvorsprung ist auf Seiten der CFOs, die zudem mögliche die Bewertungsgrundlage auf Basis zahlungsmittelgenerierender Einheiten selbt bestimmen. Problembereiche lassen sich so in performenden Einheiten verstecken.  


Angepasste Unternehmenswerte können allerdings weitreichende Folgen haben, in etwa auf den Return on Equity. FINANCE berichtete 2012 zudem von der Houlihan Lokey (HL) Studie, die besagte, dass  sich das Markt-zu-Buchwert-Verhältnis trotz erhöhter Goodwill-Abschreibungen signifikant verschlechtert hätte. Demnach müsse die Wertberichtigung auch andere materielle und immaterielle Assets beinhalten. Allein in Dax-Bilanzen schlummerten demnach rund 200 Milliarden an Abschreibungsbedarf, sagt der Chef der deutschen Bilanzpolizei DPR, Edgar Ernst. Die Kommission unter Vorsitz des früheren Post-CFO Edgar Ernst hat das Problem erkannt und zu einem Schwerpunktthema der Prüfungen für 2013 gemacht.


jennifer.gabler[at]finance-magazin.de