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Nach Razzia: Knaus Tabbert entlässt zwei Vorstände 

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Der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert schlittert immer tiefer in eine Krise. Foto: Björn Wylezich - stock.adobe.com
Der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert schlittert immer tiefer in eine Krise. Foto: Björn Wylezich - stock.adobe.com

Knaus Tabbert kommt nicht zur Ruhe. Am gestrigen Mittwoch teilte der Wohnmobilhersteller zunächst mit, dass es eine Durchsuchung der Geschäftsräume „aufgrund eines staatlichen Ermittlungsverfahrens gegen einzelne Mitglieder des Managements“ gab. Drei Tatverdächtige kamen zunächst in Haft.

Heute nun die zweite Hiobsbotschaft: Der Aufsichtsrat des niederbayerischen Unternehmens hat die Vorstände Werner Vaterl, COO, und Gerd Adamietzki, Chief Sales Officer, aufgrund strafrechtlicher Vorwürfe mit sofortiger Wirkung entlassen. Die operativen Aufgaben übernehmen vorübergehend die direkten Mitarbeiter in diesen Bereichen. 

Knaus Tabbert sieht sich als Geschädigter 

In den strafrechtlichen Ermittlungen sieht sich Knaus Tabbert als Geschädigter und betont, dass „dem Unternehmen selbst derzeit kein Fehlverhalten vorgeworfen wird“. Das Ausmaß dieses Schadens werde derzeit noch geprüft. Eine interne Untersuchung sei eingeleitet. Deren Ziel sei es, „die Ursachen zu klären, die zu dieser Situation beigetragen haben könnten“. Mit den Behörden kooperiert das Unternehmen nach eigenen Angaben im Rahmen der Ermittlungen in vollem Umfang. 

Erst Anfang der Woche war Wim de Pundert als CEO und CFO ins Management von Knaus Tabbert eingezogen. Das Unternehmen selbst bezeichnete das als „Kurswechsel“ in seiner Entwicklung. Denn Punderts Beteiligungsgesellschaft HTP hält rund 41 Prozent der Anteile an dem börsennotierten Unternehmen.  

Knaus Tabbert kämpft mit Managementwechseln

In den vergangenen Monaten hatte Knaus Tabbert mehrfach mit Wechseln im Management zu kämpfen. Seit Frühjahr 2024 war die Position des Finanzvorstands unbesetzt, seit Oktober agierte das Unternehmen zudem ohne CEO. Vorstandsvorsitzender Wolfgang Speck, der das Unternehmen im Oktober verließ, hatte im April das Finanzressort zusätzlich übernommen, nachdem CFO Carolin Schürmann nach nur eineinhalb Jahren in der Position ausgeschieden war.   

Auch die finanzielle Lage des Konzerns ist nicht gerade rosig: Vor rund zwei Wochen teilte der Konzern überraschend mit, dass die Produktion bis Jahresende stillgelegt sei. Der Umsatz brach von Juni bis September um 38 Prozent ein, der Verlust lag bei 33 Millionen Euro. Dabei galt der Wohnmobilhersteller vor Kurzem noch als Post-Corona-Gewinner.   

Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.

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