ESG ist ein Thema, um das künftig kein Unternehmen mehr herumkommen wird. Nach und nach treten neue Gesetze zum ESG-Reporting in Kraft. Dazu zählen die EU-Taxonomie sowie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der Europäischen Union. Letztere verpflichtet insbesondere größere Konzerne ab dem 1. Januar 2024 zu einer breiteren ESG-Berichterstattung als bisher. Das Reporting über Nachhaltigkeit wird also künftig für Konzerne genauso wichtig wie die Finanzberichterstattung.
Das betrifft dann vor allem auch CFOs und ihre Finanzabteilung. Doch bereits jetzt fürchtet rund jeder vierte Finanzchef, die gesetzlichen Anforderungen für Nachhaltigkeit in seinem Unternehmen für 2023 nicht erfüllen zu können. Das zeigt eine Studie der Managementberatung Horváth, an der 80 CFOs teilgenommen haben. Ein weiteres Viertel sieht sich nicht einmal imstande, Nachhaltigkeit überhaupt in die Unternehmenssteuerung zu integrieren.
ESG-Manager: Jobprofil nicht klar definiert
Was fehlt, ist das nötige Personal, um die ESG-Anforderungen und -Richtlinien zu realisieren – sogenannte ESG-Manager. Unternehmen suchen händeringend nach diesen Experten. Ihr Jobprofil ist dabei sehr vielfältig und teilweise noch nicht klar definiert. Im Finanzbereich gäbe es aber bereits erste Tendenzen, welche Skills die Experten mitbringen sollten, beschreibt Gerald Fahnenbruck, Finanzspezialist bei der Personalberatung Hays.

„Wir sehen oft, dass es vor allem ein Querschnittsthema ist. Die Experten sollten stark in ihrer Kommunikation sein und Erfahrungen bei Projektleitungen haben“, so Fahnenbruck. Zudem sollten ESG-Manager Reporting-Erfahrungen mitbringen, denn darauf wird ihr Hauptschwerpunkt liegen. „Hilfreich ist es außerdem, wenn erste Berührungspunkte mit der EU-Taxonomie bestehen. Darüber hinaus sollten die Experten natürlich auch eine gewisse Affinität zu Finanzkennzahlen mitbringen.“
Unternehmen müssen ab 2025 berichten
Dass die Nachfrage nach ESG-Fachkräften aktuell so hoch ist, wundert den Personalexperten nicht. „Solche Recruiting-Muster haben wir auch bei anderen regulatorischen Änderungen, das ist keine Überraschung. Das erste Berichtsjahr für Unternehmen ist 2025. Ich gehe davon aus, dass Anfang 2024 die Nachfrage nach ESG-Experten nochmal rapide ansteigen wird“, vermutet Fahnenbruck.
Denn die Unternehmen sind in einer Bringschuld. „Besonders große Unternehmen stehen sowohl unter politischem als auch gesellschaftlichem Druck. ESG in den Fokus zu rücken ist zudem ein Pluspunkt, um weiterhin attraktiv für Bewerber in allen Bereichen zu bleiben“, beobachtet Fahnenbruck.
Gute Gehaltsaussichten für ESG-Manager
Mit dem Anstieg der Nachfrage nach dem Jobprofil steigern sich auch die Gehaltsaussichten für die ESG-Manager. Wie der aktuelle Gehaltsreport 2023 zeigt, den FINANCE gemeinsam mit Hays veröffentlicht hat, können bereits Berufseinsteiger mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung mit einer Vergütung zwischen 50.000 und 67.000 Euro rechnen. Erfahrenere Kollegen mit bis zu fünf Jahren Expertise werden sogar mit einem Gehalt zwischen 65.000 und 96.000 Euro vergütet.
Auf der Senior-Ebene liegt das Höchstgehalt sogar bei bis zu 180.000 Euro pro Jahr – wobei Fahnendruck zufolge bisher weniger Führungskräfte gesucht werden. Ein hohes Gehalt, wenn man bedenkt, dass das Berufsbild bis vor einigen Jahren noch nicht existierte.
Und die Rallye ist noch nicht vorbei: „Wir gehen davon aus, dass die Gehälter künftig weiter stark steigen werden,“ sagt der Hays-Manager. „Doch ein hohes Gehalt ist keine Garantie, dass man das Personal auch bekommt.“ Bei ESG komme es viel mehr darauf an, dass die Unternehmen Authentizität ausstrahlen und das Nachhaltigkeitsthema ernst nehmen. „ESG-Manager suchen ein Umfeld, das ESG lebt und auch in der Unternehmenskultur widerspiegelt“, sagt Fahnenbruck.
CFOs müssen ESG-Strategie klar definieren
Dem Experten zufolge können CFOs im Unternehmen aber gezielt etwas gegen den Mangel an ESG-Managern tun: Sie sollten die Nachhaltigkeitsziele klar definieren und die ESG-Strategie dem Bewerber transparent kommunizieren, empfiehlt Fahnendruck. Dabei seien noch nicht alle Unternehmen so weit, eine ESG-Strategie präsentieren zu können. Das Thema liegt oftmals nicht nur beim CFO allein. Dieser sollte mit anderen Bereichen wie der Geschäftsführung intensiv zusammenarbeiten.
Wenn Stellenausschreibungen so präzise wie möglich gemacht wurden, geht es ans Recruiting. Auch dafür hat Headhunter Fahnenbruck einen Tipp: „Da sich das Berufsbild erst entwickelt, gibt es noch wenige dedizierte ESG-Manager. Unternehmen sollten daher Raum für Soft-Skills lassen und auch Quereinsteiger in Betracht ziehen.“
Potential für ESG-Manager oftmals bereits vorhanden
Es muss aber auch nicht immer ein externer ESG-Manager rekrutiert werden. „Konzerne vernachlässigen diesen Aspekt im Alltag oft. Deswegen mein Appell an die Unternehmen: Schaut in den eigenen Reihen, welche Potentiale es bereits im Unternehmen gibt – und welche Mitarbeiter sich für das Thema ESG interessieren“, sagt Fahnenbruck. Die Mitarbeiter können sich mit Fortbildungen weiterbilden und somit den Personalmangel im ESG-Bereich auffangen.
Klar ist: Der Markt für ESG-Manager ist hart umkämpft. Und das Recruiting dürfte eher noch schwieriger werden. „Wir vermuten, dass die Manager, die sich für ESG verantwortlich sehen, jetzt in ihrem jeweiligen Unternehmen die nötige Expertise aufbauen. Danach wird vermutlich das große Wechselkarussell losgehen.“
Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Gehalt und Personal. Zudem ist sie Moderatorin bei FINANCE TV. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.
