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IR: Privatanleger werden für Indexkonzerne wichtiger

Kleinanleger werden für Indexkonzerne wichtiger
Thinkstock / Getty Images

Die Zahlen der Cometis-Studie zeichnen ein ungleiches Bild: 16 Prozent der indexgelisteten Unternehmen schätzen den Anteil von Privatanlegern im Aktionärskreis auf mehr als 40 Prozent; dem stehen bei indexfernen Unternehmen 28 Prozent gegenüber. Dennoch scheinen die nicht-gelisteten Konzerne Kleinanlegern deutlich geringere Relevanz zuzuschreiben. Cometis-Consultant Rolf Becker sieht darin einen „herausragenden Trend“. Lediglich 12 Prozent der IR-Manager von nicht indexgelisteten Unternehmen schätzen ihr Unternehmen als „besonders interessant“ für Privatanleger ein; oftmals sind die nicht indexorientierten Organisationen den Privatinvestoren mangels Öffentlichkeit gar kein Begriff. Was eine Aufnahme in einen Index bewirken kann, zeigt etwa das Beispiel des Hannoveraner Technologiekonzern LPKF. LPKF-CFO Kai Bentz liebäugelte in einem Interview mit FINANCE-TV bereits im Juli 2012 mit dem TecDAX. Seit Bekanntgabe des Eintritts in den Index im September 2012 legte der Aktienkurs prompt um rund 30 Prozent zu.

Durch die Bank gaben die IR-Manager dieser Unternehmen an, keine eigens auf Privatanleger spezialisierten IR-Mitarbeiter zu beschäftigen. Die Zurückhaltung hat beinahe immer Ressourcengründe. Knapp 90 Prozent der IR-Manager machen die geringe Größe des eigenen Teams verantwortlich.  Eine hohe Effizienz hat bei kleinen IR-Abteilungen einen noch höheren Stellenwert. „Es deutet alles darauf hin, dass IR-Manager von Nebenwerten weiterhin verstärkt auf institutionelle Investoren setzen werden“, sagt  Becker . Eine schlichte Frage der Masse: „Bei kleinen Unternehmen liegt die Investorenkommunikation in einer Hand – nicht selten in der des CFOs.“

Indexunternehmen legen Wert auf Kleinanleger

Anders verläuft die Entwicklung bei indexnotierten Unternehmen. Dort bestehen die IR-Teams aus durchschnittlich 13 Mitarbeitern in der Dax-Liga und zwischen 2 und 3 Mitarbeitern bei MDAX- und SDAX-Unternehmen; inkludiert man die Unternehmenskommunikation, steigt diese Zahl nochmals deutlich an. „Die Dax-Unternehmen beschäftigen unseren Erhebungen zufolge bis zu 18 IR-Angestellte und beinahe jedes Dax-Unternehmen hat Beschäftigte, die ausschließlich für Privatanlegergeschäfte  zuständig sind“, skizziert Becker.  Dieser Trend werde sich auch in absehbarer Zeit nicht umkehren. Im Gegenteil: „Dax- und weitere  Index-Unternehmen wollen ihre Bemühungen im Kleinanlegergeschäft zusätzlich verstärken.“

Privatanleger-IR bleibt nationales Geschäft

Da sich Privatanleger bei der Aktienauswahl weitgehend auf ihr Heimatland konzentrieren, gilt dies auch für die hiesige Investorenkommunikation bei Privatkunden. 95 Prozent der IR-Manager gaben an, nicht regelmäßig mit ausländischen Privatanlegern Kontakt zu haben. Bestrebungen, die Aktivitäten im Hinblick auf ausländische Privatinvestoren künftig aufzustocken, sind ebenso nicht erkennbar. Nur zwei Prozent der Befragten wollen ihr Bemühen in diese Richtung verstärken. Einigkeit herrscht unter den teilnehmenden IR-Managern darin, dass ihre solide Arbeit einen positiven Effekt auf die deutsche Aktienkultur haben kann. „Bei 4,7 Billionen Euro an Geldvermögen in Deutschland würde eine um fünf Prozentpunkte auf zehn Prozent gesteigerte Aktienquote dem Markt 235 Milliarden Euro zuführen.“, so Henryk Deter, Vorstand von cometis.

 

josef.saller[at]finance-magazin.de

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