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IR-Studie: Unternehmen unzufrieden mit Brokern

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Nicht immer lohnt sich der Aufwand für herkömmliche Roadshows.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Immer mehr Investoren interessieren sich für Beteiligungen an deutschen Unternehmen. CFOs jagen deshalb von einer Roadshow und Konferenz zur nächsten, die Arbeitsbelastung der Investor Relations-Abteilung steigt. Die Mehrheit vertraut dabei auf Broker – aber längst nicht alle sind mit deren Anlegerauswahl und Organisation zufrieden.
Investor Relations-Abteilungen von DAX-Unternehmen haben derzeit alle Hände voll zu tun: Im Schnitt reisen sie an jedem dritten Arbeitstag zu einer Roadshow, um weltweit potentiellen Investoren ihr Unternehmen zu präsentieren. An etwa 71 solcher Veranstaltungen nahm jeder DAX-Konzern im vergangenen Jahr teil. Das ergab eine Umfrage der auf Investor Relations spezialisierten Beratung Cometis.

CFOs machen 12 und 22 Roadshows pro Jahr

Oft ist der CFO mit an Bord. So war etwa der Finanzvorstand von BASF, Hans-Ulrich Engel, 2011 nach Unternehmensangaben rund 50 Tage im Auftrag der Investorenakquisition unterwegs. Kleinere Unternehmen fallen zwar häufiger durch das Raster großer institutioneller Anleger, aber auch sie sind gefragt: MDAX-Unternehmen besuchten laut der cometis-Studie im Schnitt 22 Roadshows, SDAX-Firmen 12.„Gerade Fonds aus Asien und Australien, die auf viel Geld sitzen, suchen nach Beteiligungsmöglichkeiten in Deutschland“, weiß Ulrich Wiehle, Vorstand bei cometis. Doch für ihr Geld wollen die Anleger erst einmal Informationen und das Unternehmen kennenlernen – das belastet insbesondere Mittelständler. Während die DAX-Konzerne ihre IR-Abteilungen in den vergangenen Jahren aufstockten und nun im Schnitt 12,6 Mitarbeiter beschäftigen, sind im MDAX und SDAX nur zwei bis drei Mitarbeiter für Investor Relations zuständig. „Mit dieser Größe ist es schwierig, den Informationsbedürfnissen der weltweiten Investoren gerecht zu werden“, meint Wiehle. Das wiederum bürdet den CFOs mehr Arbeit auf.

Unzufriedenheit mit Brokern

Dieser Aufwand hält die Mehrheit der Unternehmen auch davon ab, die Organisation von Investorentreffen selbst in die Hand zu nehmen. Nur 40 Prozent der Befragten machen das, alle verlassen sich dagegen auf Broker, die sich am Kapitalmarkt auskennen und im ständigen Kontakt zu Anlegern stehen. Trotzdem sind laut der Umfrage weniger als zwei Drittel mit der Arbeit der Broker zufrieden. Die Hälfte bemängelt, dass sie ihnen immer die gleichen Investoren vermitteln. Gegenüber FINANCE begründeten zwei MDAX-Unternehmen dies mit den Honoraren, die die Broker von den Anlegern erhalten. „Sie führen uns mit den Investoren zusammen, die am meisten zahlen, und nicht mit denen, die sich wirklich für unsere Branche interessieren“, sagt der Leiter der IR-Abteilung eines MDAX-Unternehmens. „Wenn wir es selbst machen, ist es effektiver und effizienter, aber eben wesentlich teurer und aufwändiger.“
Anstelle von Roadshows gewinnen daher one-on-ones und Werksbesuche der Investoren an Bedeutung. „Hier können wir viel detaillierter auf die einzelnen Investoren eingehen“, sagt der IR-Verantwortliche. Das spart Zeit und erhöht die Erfolgschancen.

redaktion[at]finance-magazin.de