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Nebenwerte-CFOs suchen sich vermehrt selbst Investoren

iStock / Thinkstock / Getty Images

Immer mehr börsennotierte Unternehmen sprechen institutionelle Investoren bewusst an, um für sich eine adäquate und stabile Aktionärsstruktur zu erreichen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter IR-Managern in Deutschland, die die Beratung Cometis vor kurzem durchgeführt hat. Demnach greifen Unternehmen aller Größenordnungen auf das sogenannte Investor Targeting zurück, wenn sie auf die Jagd nach den richtigen Investoren gehen. Bei den befragten DAX-Unternehmen scheint dieses Verfahren obligatorisch zu sein. Die eine Hälfte der Dax-Unternehmen nutzt es eigenständig im Rahmen der IR-Arbeit, die andere ergänzt diese Direktansprache der Investoren in Eigenregie durch die Kontaktaufnahme über Banken und Broker. Sogar im SDax greift etwa die Hälfte der Firmen unter anderem auf die Direktansprache zurück. Aber auch rund ein Viertel der nicht in einem Index vertretenen Unternehmen sprechen Investoren zielgerichtet an. Diejenigen CFOs, die das Investor Targeting nicht nutzen, haben oftmals nicht die personellen Ressourcen in ihrer Finanz- und IR-Abteilung zur Verfügung, um diese eigenständige Suche zu stemmen.

Dax, MDax und SDax nutzen Datenbanken und Gespräche

Dabei sehen viele der Befragten das Investor Targeting als Kerngeschäft der IR-Arbeit an. Hinzu kommt eine hohe Unzufriedenheit bei der „klassischen“ Variante wie Broker Roadshows und Kapitalmarktkonferenzen. Deshalb verwundert es nicht, dass 53 Prozent der Umfrageteilnehmer die Unabhängigkeit von Banken als Vorteil der eigenständigen Investorenansprache sehen. Dabei greifen alle Unternehmen auf externe Datenbanken wie Thomson Reuters, Bloomberg und IPREO zurück, um die für sie passenden Investoren auszumachen. In den drei großen sektorenübergreifenden Indizes korrespondiere diese Datenbanknutzung Cometis zufolge mit Gesprächen mit Markteilnehmern, darunter etwa Investmentfonds, bei denen die CFOs dann für sich werben.

Gemäß der Umfrage führen drei Anbieter die Liste der Investor-Targeting-Datenbanken an: Die entsprechenden Tools von Thomson Reuters nutzt die Hälfte der befragten IR-Abteilungen. Die IPREO-Datenbank folgt auf Platz zwei (42 Prozent). Ein Drittel der Abteilungen verwendet Bloomberg. Andere Systeme wie die entsprechenden Systeme von S&P und NASDAQ OMX würden nicht genutzt.

Jeder zehnte CFO lehnt direkte Investorenansprache ab

CFOs können die Ergebnisse aus den Investor-Targeting-Datenbanken nutzen, um mögliche künftige Investoren gezielt ansprechen und gleich den persönlichen Kontakt direkt herstellen zu können. Doch noch herrscht Zurückhaltung: Bei mehr als einem Drittel der Teilnehmer werde der erste Kontakt zu institutionellen Investoren generell über Banken und Broker abgewickelt. Nur rund 30 Prozent gehen demnach in einzelnen Fällen proaktiv auf neue Investoren zu. Jedes zehnte Unternehmen spricht potenzielle Investoren sogar grundsätzlich nicht direkt an. Dabei kann sich genau dies lohnen und Dynamik in die Aktienentwicklung bringen. Immerhin 10 Prozent der CFOs wollen das Investor Targeting zukünftig einsetzen, um ihre Investoren gezielt zu identifizieren und anzusprechen.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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