Die Berliner Hypothekenbank begibt den ersten Pfandbrief mit negativer Rendite - und sorgt damit für ein Novum.

Berlin Hyp

09.03.16
Finanzabteilung

Berlin Hyp begibt ersten Pfandbrief mit negativer Rendite

Die Folgen der Niedrigzinspolitik weiten sich auf immer mehr sichere Anlagen aus: Die Berlin Hyp refinanziert mit einem neuen Pfandbrief ihr Hypothekenportfolio – und verdient damit erstmals Geld. Für CFOs wird der Druck auf die kurzfristige Geldanlage immer größer.

Das negative Zinsumfeld weitet sich aus. Jetzt hat die Hypothekenbank Berlin Hyp in einer öffentlichen Platzierung den ersten Pfandbrief der Geschichte mit negativer Rendite begeben. Die durch Hypothekenkredite gedeckte Anleihe mit einem Volumen von 500 Millionen Euro wird mit 0 Prozent verzinst. Die hohe Nachfrage der Investoren sorgte jetzt für das Novum: Die Emissionsrendite sank am Ende auf minus 0,162 Prozent. Investoren verlieren also Geld, wenn sie das Papier bis zum Ende der Laufzeit halten. Die Emission war nach Angaben der Bank dennoch dreifach überzeichnet.

Bisher hatte es solche negativen Renditen erst im Sekundärmarkt, also nach der Emission, gegeben. Diesmal nehmen Anleger die negative Rendite schon bei der Ausgabe in Kauf. Die sogenannten Covered Bonds bieten den Gläubigern eine doppelte Sicherheit, da sie neben der Haftung durch das Finanzinstitut auch durch einen Bestand an Sicherheiten geschützt sind.

Dass Investoren bereit sind, Anlagen mit negativen Renditen zu zeichnen, zeigt die starken Auswirkungen der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die seit Jahren auch als großer Käufer von Covered Bonds in Erscheinung tritt. Deren Niedrigzinspolitik erhöht den Druck auf die Geldanlage deutlich. Sichere Anlagen mit positiver Verzinsung werden vor allem im kurzfristigen Bereich immer seltener.

Negativzinsen: Die Suche der CFOs nach Alternativen wird schwieriger

Davon sind auch die Finanzchefs deutscher Unternehmen betroffen. Vor allem der negative Einlagenzins der EZB macht den CFOs zu schaffen. Die Zentralbank verlangt 0,3 Prozent Zinsen für das Geld, das Banken bei ihr parken. Die Geldinstitute geben diesen Strafzins verstärkt an Unternehmen weiter. Vor allem Konzerne mit hohen Liquiditätsbeständen sind davon betroffen, zunehmend aber auch der größere Mittelstand.

Durch die Ausweitung der negativen Rendite auf Pfandbriefe von Banken zeichnet sich ab, dass eine weitere als sicher geltende Anlagealternative wegfällt. Viele europäische Staatsanleihen werden schon seit langem mit negativer Rendite gehandelt, das Phänomen breitet sich aus. Auch Geldmarktfonds, bisher eine beliebte Anlagealternative für Unternehmen, bringen meist nur noch eine negative Rendite. Die niedrigen Zinsen machen die Suche nach Alternativen zunehmend schwieriger. CFOs werden deshalb mehr Risiko in Kauf nehmen.

Mit Spannung richten sich deshalb die Blicke auf die anstehende Entscheidung der EZB am morgigen Donnerstag. Einige Marktbeobachter rechnen damit, dass die Bank die Einlagenzinsen für Banken weiter senken könnte. Doch selbst wenn dies ausbleibt: Eine Abkehr von der Niedrigzinspolitik ist bis auf weiteres nicht zu erwarten. Die Probleme der Finanzchefs werden größer.

julian.woehr[at]finance-magazin.de