Covenants sind nicht erst seit der Finanzkrise ein zentrales Gläubigerschutzinstrument und bieten Banken die Möglichkeit, den Kunden auch nach der Kreditvergabe zu überwachen und das Ausfallrisiko zu minimieren. Eine Erhebung der Beratungsgesellschaft Roland Berger hat die Entwicklung der Covenants in der DACH-Region untersucht und dabei rund 100 Unternehmen zur Verbreitung und dem Umgang mit Covenants befragt (mehr zur Studie siehe Info-Box).
Die Unternehmensberater kommen unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Kreditvergabekriterien in den USA inzwischen erheblich gelockert worden sind. Banken seien dort wieder dazu bereit, Kredite an riskantere Schuldner zu vergeben und trotzdem die Covenants aufzuweichen. Diese sogenannten Covenants Lite (Cov-lites) verzichten oft auf regelmäßige Überprüfungen, ob die Ertrags- und Liquiditätslage noch den gemachten Zusagen entspricht. Laut Roland Berger waren diese abgespeckten Covenants 2013 in 57 Prozent der in US-Dollar denominierten Kredite vorzufinden. Das Volumen dieser Kredite nähert sich zudem dem Niveau von 2007 an.
Die Deutschen zögern bei den Cov-lites
In Deutschland speziell und in Europa generell bleiben die Covenants in ihrer Bedeutung für den Gläubigerschutz hingegen nahezu ungebrochen. Laut Matthias Holzamer, Principal im Competence Center Restructuring & Corporate Finance bei Roland Berger in Deutschland, sind die Cov-lites in Europa lediglich in 11 Prozent der Leveraged-Loan-Kreditverträge verankert.
Dies könne nicht nur mit der höheren Risikoaversion abgetan werden, meint Holzamer. „Die Gründe liegen auch im schärferen gesetzlichen Gläubigerschutz und der Hauptfinanzierungsart “, so Holzamer weiter. 2013 lag in Europa der Anteil der Bankenfinanzierung bei 61 Prozent. Vor allem KMUs können die kapitalmarktbasierte Finanzierung oft nicht in vollem Umfang nutzen und sind somit von Banken abhängiger. Banken würden nach Meinung von Holzamer die Cov-lites in Deutschland schlicht nicht zulassen.
Die Bedeutung der Financial Covenants bleibt ungebrochen
60 Prozent der befragten Unternehmen in der DACH-Region gaben an, dass sie nach wie vor Financial Covenants in ihren Kreditverträgen hätten. Gegenüber der früheren Erhebung aus 2009 (76 Prozent) ist der Verbreitungsgrad damit nur wenig gesunken.
Die wesentlichen Finanzkennzahlen sind dabei „Ebitda Interest Cover“ und die „Leverage Ratio“, wobei erstere eher bei kapitalmarktorientierten Unternehmen festgestellt wurde. Auch positive General Covenants sind nach wie vor ein Thema: Der Fokus liegt hierbei vor allem auf Publizitäts- und Rechnungslegungsnormen.
Doch auch in Deutschland halten Banken die Zügel etwas lockerer: Laut der Erhebung sehen sich Unternehmen durch Covenants weniger eingeschränkt als noch 2009 und freuen sich dadurch über mehr strategischen Handlungsspielraum. Auch der Mehraufwand und die Ressourcenbindung für die Überwachung und das Reporting seien gegenüber 2009 zurückgegangen.
Auch die Strafen bei Covenant-Brüchen haben sich gegenüber 2009 zugunsten der Unternehmen verändert. Lag früher bei 73 Prozent der Befragten die Konditionsanpassung an erster Stelle, ist diese Sanktion 2014 mit 45 Prozent nur noch auf dem dritten Rang zu finden. Das neue Hauptstrafmaß ist bei 82 Prozent der Befragten die Waiver-Fee – eine Strafgebühr, die im Fall eines Covenant-Bruchs an die Bank zu entrichten ist. Von der Ultima Ratio, der Kreditkündigung, blieben 2014 alle befragten Unternehmen verschont. 2009 gaben noch 20 Prozent an, dass ihre Kredite fällig gestellt wurden.
Deutschland am Scheideweg
Die Mehrheit der Befragten sieht diese Traumkonditionen nicht als Dauerzustand. Mittelfristig erwarten die Unternehmen eher höhere Restriktionen bei der Kreditvergabe (39 Prozent), insbesondere bei Neuabschlüssen (53 Prozent). Auch bei den Covenants erwarten 49 Prozent der befragten CFOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz größere Einschränkungen, wodurch die Innenfinanzierung und der Kapitalmarkt als Geldquelle an Bedeutung gewinnen werden.
„Basel III trifft vor allem die KMUs, die aufgrund ihrer Abhängigkeit zu den Banken nicht auf die Kapitalmarktfinanzierung ausweichen können“, meint Holzamer. Um diesem Szenario entgegenzuwirken, empfiehlt er ein strukturiertes Covenant-Management.
Dabei werde zunächst ein Businessplan für drei Jahre ausgearbeitet, wodurch die reguläre Umsatz-, Kosten- und Ergebnisvolatiliät prognostiziert werden soll. Die Bank könne den Unternehmen so gewisse Abweichungskorridore (Headrooms) gewähren, innerhalb derer keine Strafen zu fürchten sind.
Holzamer meint: „Im besten Fall können Unternehmen durch die erhöhte Transparenz und ihre Kontrollbereitschaft gegenüber der Bank ihre Kreditkosten senken.“ Die Ersparnis der Zinskosten müsse dabei Fall für Fall dem administrativen Aufwand gegenübergestellt werden.
Dass es so laufen wird wie aktuell in den USA, darauf sollten deutsche CFOs nicht setzen, warnt Holzamer: „Cov-lites werden sich in Deutschland nicht durchsetzen. Die Covenants bleiben ein zentrales Instrument zum Gläubigerschutz.“
Info
Die Beratungsgesellschaft Roland Berger hat im Rahmen ihrer Erhebung rund 100 Unternehmen des deutschsprachigen Wirtschaftsraums zu der Verbreitung und dem Umgang mit Financial Covenants befragt. Die Grundgesamtheit der Befragten ist bezüglich Unternehmensgröße (von 0,1 bis über 2,5 Milliarden Euro Umsatz) gleichmäßig verteilt. Die Erhebung ist die Fortsetzung einer früheren Umfrage aus dem Jahr 2009 zu selbigem Thema.