Korruptionsverdacht am BER: Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt.

Günter Wicker/Flughafen Berlin Brandenburg

27.02.15
Finanzabteilung

Neue Korruptionsvorwürfe am BER

Schon wieder ein Korruptionsfall am gebeutelten neuen Berliner Flughafen BER? Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt gegen einen früheren Bereichsleiter des BER und vier ehemalige Manager eines Unternehmens. Es könnte um Millionen gehen.

Die schlechten Nachrichten am Flughafen BER reißen nicht ab. Jetzt könnte noch ein schwerer Korruptionsfall hinzukommen: Wie die Staatsanwaltsschaft Neuruppin gegenüber FINANCE bestätigte, ermittelt sie wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall. Der Verdacht richtet sich gegen einen früheren Bereichsleiter des neuen Flughafens und vier frühere leitende Mitarbeiter einer nicht näher genannten weiteren Firma, hieß es. BER unterstütze die Ermittlungen, heißt es in einer Pressemitteilung der Flughafens.

Die Vorwürfe haben es in sich: Medienberichten zufolge soll der frühere Bereichsleiter im Dezember 2012 ungeprüfte Rechnungen eines Unternehmens bezahlt haben. Im Gegenzug habe er von dem betreffenden Rechnungsempfänger eine Zahlung erhalten. Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge könnten zwei Unternehmen in den Vorfall verwickelt sein: Laut der Tageszeitung soll es sich um den niederländischen Baukonzern Imtech sowie eine Arbeitsgemeinschaft aus Imtech und der Gebäudetechnikfirma Caverion handeln, denen der Bereichsleiter Geld überwiesen haben soll.

Auf Anfrage von FINANCE sagte Imtech: „Imtech wird mit der Staatsanwaltschaft und dem Compliance-Team des BER voll kooperieren. Bislang wurden bei den von Imtech durchgeführten internen Untersuchungen aber noch keine Belege für die erhobenen Anschuldigungen gefunden.“ Caverion äußerte sich wie folgt: „Wir nehmen die Vorwürfe gegen unseren ARGE-Partner sehr ernst und haben eine interne Untersuchung eingeleitet. Aufgrund laufender Ermittlungen können wir keine weiteren Informationen zu dem Thema geben.“

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin wollte sich zu konkreten Unternehmensnamen nicht äußern, sagte aber, dass die Ermittlungen sich nur gegen vier Manager eines einzigen Unternehmens richten würden. Laut Medienberichten soll die Flughafengesellschaft bereits Mitte 2013 von den Vorgängen erfahren haben. Die Staatsanwaltschaft wollte dazu keine Stellung abgeben.

Ex-Technikchef Jochen Großmann wegen Bestechlichkeit verurteilt

Auch zur Höhe der möglichen Bestechungszahlungen wollte die Staatsanwaltschaft nicht Stellung nehmen. In Medienberichten kursieren unterschiedliche Zahlen: Laut Handelsblatt seien 50 Millionen Euro an Imtech und 15 Millionen Euro an Caverion geflossen. Dem „Spiegel“ zufolge sollen 25 Millionen Euro überwiesen worden sein. Der Bereichsleiter des BER soll mit einer Summe von 2 Millionen Euro bestochen worden sein, 200.000 seien sofort ausgezahlt worden, schreibt der „Spiegel“ außerdem.

Bestätigt sich der Verdacht, wäre es bereits der zweite Korruptionsfall an dem gebeutelten Flughafen, der seit Jahren immer wieder Schlagzeilen über explodierende Baukosten und geplatzte Eröffnungstermine liefert. Ende Oktober wurde Ex-Technikchef Jochen Großmann wegen Bestechlichkeit und Betrugs zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und einer Zahlung von 200.000 Euro verurteilt.

Daraufhin hatte BER-Chef Hartmut Mehdorn das Compliance-Management verstärkt und einen Compliance-Officer bestellt. „Unsere Linie ist klar: Null-Toleranz bei Korruption oder anderen Verstößen“, sagte er damals. Stimmen die Medienberichte, könnten dem BER-Management aber schon damals Hinweise über den jetzt bekannt gewordenen möglichen neuen Skandal vorgelegen haben.

julia.becker[at]finance-magazin.de