Die Pensionsverpflichtungen sind wieder massiv angestiegen. Viele Unternehmen mussten Geld nachschießen.

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26.03.15
Finanzabteilung

Pensionsverpflichtungen im Dax so hoch wie nie

Der nochmalige Rückgang der Zinsen hat 2014 ein weiteres Mal die Pensionslasten der Dax-Unternehmen in die Höhe schießen lassen. Mit über 372 Milliarden Euro haben sie einen neuen Höchststand erreicht. Viele Unternehmen ziehen jetzt die Reißleine.

Es war wohl doch nur eine kurze Verschnaufpause: Nachdem die Pensionsverpflichtungen der Dax-Konzerne im Jahr 2013 zum ersten Mal seit langem wieder gesunken sind,  sind sie im Jahr 2014 um satte 25 Prozent auf 372 Milliarden Euro gestiegen. Das ist das Ergebnis der jährlich durchgeführten Towers Watson-Studie, bei der die Unternehmensberatung die Geschäftsberichte von 30 Dax-Unternehmen auswertet.

Dabei macht vor allem der fallende Rechnungszins, der sich an der Rendite laufzeitäquivalenter hochwertiger Unternehmensanleihen orientiert, den Unternehmen zu schaffen. Er ist im vergangenen Jahr auf 2,15 Prozent gefallen, 2013 lag er noch bei 3,65 Prozent.

Gleichzeitig konnten die Dax-Unternehmen aber durch bessere Renditen von 12 Prozent ihre Pensionsvermögen steigern. 2014 lagen sie bei 228 Milliarden Euro, im Vorjahr waren es noch 198 Milliarden Euro gewesen. Ihr Pensionsvermögen haben die Unternehmen ähnlich wie im Jahr zuvor zu 55 Prozent in Anleihen, 21 Prozent in Aktien und 5 Prozent in Immobilien angelegt. Die übrigen 19 Prozent entfallen auf  sonstige Anlagen. Viele Konzerne mussten aber trotz der hohen Wertsteigerung ihrer Pensionsfonds ihre Dotierungen erhöhen, um den Ausfinanzierungsgrad stabil zu halten: Insgesamt haben die Dax-Unternehmen 10,6 Milliarden Euro nachgeschossen, die höchste Dotierung geht auf das Konto von Daimler.

Deutsche Bank hat die kleinste Pensionslücke

Dennoch überwiegt die negative Entwicklung bei den Pensionsverpflichtungen, denn in Summe ist der Ausfinanzierungsgrad im Jahr 2014 von 65 auf 61 Prozent gesunken. Im Dax gibt es allerdings große Unterschiede zwischen den Ausfinanzierungsgraden einzelner Unternehmen: Mit einem Ausfinanzierungsgrad von 98 Prozent führt die Deutsche Bank die Liste der Dax-Unternehmen an, dicht gefolgt von SAP (92 Prozent) und HeidelbergCement (88 Prozent). Diese Konzerne scheinen ihre Pensionslasten gut im Griff zu haben.

Am unteren Ende liegt die Deutsche Telekom mit 23 Prozent. Die Lufthansa beispielsweise, die immer noch keine Einigung über die Betriebsrenten ihrer Piloten erzielt hat, liegt mit 61 Prozent genau im Durchschnitt. International ist die Quote mit 80 Prozent zwar um einiges höher, in vielen Ländern herrscht aber im Gegensatz zu Deutschland Ausfinanzierungspflicht, erklärt Thomas Jasper, Leiter Retirement Solutions bei Towers Watson.

Konzerne wechseln zu kapitalmarktorientierten Zusagen

Auf die seit Jahren schwierige Situation mit den Pensionsverpflichtungen haben viele Unternehmen in den vergangenen Jahren so reagiert, dass sie die Gestaltung ihrer Zusagen verändert haben: Inzwischen haben 54 Prozent der Dax-Unternehmen für neu eingestellte Mitarbeiter auf kapitalmarktorientierte Zusagen umgestellt. Das heißt, sie verpflichten sich, eine feste Summe anzulegen, deren endgültige Höhe beim Erreichen des Pensionsalters aber von der Entwicklung am Kapitalmarkt abhängig ist. Das Risiko trägt also der Arbeitnehmer.

„Der Trend zur kapitalmarktorientierten Zusage geht weiter und ist Ausdruck des Spagats, den die Unternehmen derzeit leisten müssen“, sagt Thomas Jasper. Denn gleichzeitig ist es den Unternehmen auch wichtig, eine attraktive betriebliche Altersversorgung zu bieten, um gute Mitarbeiter zu binden und zu gewinnen, wie eine Arbeitgeberbefragung von Towers Watson aus dem Jahr 2014 zeigt.

julia.becker[at]finance-magazin.de