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Bafin erlaubt Finanzinvestoren eigene Kreditvergabe

Lassen sich Schattenbanken aus der Deckung locken? Die Bafin ködert Hedge- und Private-Equity-Fonds mit einem Banken-Privileg, gleichzeitig kündigt sie eine stärkere Regulierung an.
Wavebreakmedia / Thinkstock / GettyImages

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat auf Maßnahmen der europäischen Wertpapier- und Marktaufsicht (ESMA) reagiert und alternativen Investmentfonds (AIF) erlaubt, Kredite auf eigene Rechnung zu vergeben. Dazu zählen allen voran Hedge- und Private-Equity-Fonds. Zwar vergeben diese Player de facto auch jetzt schon Kredite an Industrieunternehmen, jedoch mussten sie dazu bisher den Umweg über eine so genannte „Fronting-Bank“ nehmen, die den Kredit beim Publikum platziert und anschließend eventuell das Monitoring und die Bearbeitung des Kredites übernommen hat. Die neue Verwaltungspraxis der Bafin eröffnet den AIFs nun eine Abkürzung, der ihnen die Provisionszahlung an die „Fronting-Bank“ erspart.

Der Vorteil für Firmenkunden: Sie könnten dadurch günstiger an Darlehen kommen. Die neue Regelung erlaubt es AIFs grundsätzlich außerdem auch, Kredite zu restrukturieren und zu prolongieren. Die Grundlage für die Kreditvergabe ist nicht wie bei Banken das Kreditwesengesetz (KWG), sondern das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB), das in dieser Hinsicht laut Bafin „in naher Zukunft“ überarbeitet werden soll.

Hedge- und Private-Equity-Fonds nähern sich der Bankenregulierung

Die Bafin macht den AIFs aber nicht nur den Weg in die Unternehmensfinanzierung frei. Sie hebt auch mahnend den Zeigefinger und kündigt im Hinblick auf die Schattenbankenproblematik umfassendere Regulierungsmaßnahmen an. Und die Neuregelung trägt mit Sicherheit dazu bei, die grauen Kapitalmarktteilnehmer aus der Deckung zu locken.

In welche Richtung sich die Regulierung voraussichtlich entwickeln wird, lässt die Bafin bereits durchscheinen, indem sie den AIF mehrere „Empfehlungen“ macht. Sollten sich AIF dazu entschließen, eigene Kredite zu vergeben, sollte dies nicht an Verbraucher geschehen. Zudem steht die Bafin dem Einsatz von Leverage extrem kritisch gegenüber und rät dazu, diesen – wenn überhaupt – in „sehr begrenztem Umfang“ einzusetzen.

Darüber hinaus müssen AIFs aufpassen, im Zuge ihrer Kreditvergabe nicht unter die Definition des Einlagenkreditinstituts zu fallen – dann nämlich würde den AIF die geballte Bankenregulierung samt Kapitalvorschriften treffen. Die Bafin warnt davor, dass ein AIF, der beim Publikum gleichzeitig Kapital aufnimmt und verleiht, sowohl als AIF als auch Kreditinstitut eingestuft werden könnte. Zudem sollen die AIF keine Fristentransformation betreiben, mahnt die Bafin.  Langfristig vergebene Kredite sollen demnach nicht durch die Aufnahme kurzfristiger Gelder finanziert werden. Mittelfristig ist zu erwarten, dass aus den Empfehlungen konkrete gesetzliche Auflagen werden.

Regulierungsrisiken fressen Vorteile der eigenen Kreditvergabe auf

Wenn ein Finanzinvestor künftig ohne „Fronting-Bank“ Finanzierungen ausreicht,  würde die Kreditvergabe in jedem Fall spezielle Anforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) mit sich bringen: Neben höheren Anforderungen an allgemeine Prozesse im Kreditgeschäft (Gewährung, Bearbeitung) betrifft dies unter anderem auch die Kontrolle, die Intensivbetreuung und die Behandlung von Problemkrediten.

Auch müssten AIFs analog zu Banken Risikovorsorge betreiben. Dazu müssen sie geeignete Verfahren zur Früherkennung und Klassifizierung von Risiken nachweisen  und zudem Risikoberichte erstellen. Die Bafin rät außerdem, das Risiko zu limitieren und das Exposure pro Kreditnehmer zu begrenzen und eine nicht genauer definierte Mindestliquidität an Krediten vorzuhalten, um kurzfristig fällige Kreditverbindlichkeiten des AIF bedienen zu können.

Die lange Liste an Empfehlungen entwertet das grüne Licht für die alternativen Finanzierer also erheblich: Der Kostenersparnis durch den Shortcut stehen potentiell hohe Aufwendungen und regulatorische Risiken gegenüber. Dies dürfte viele Hedge- und Private-Equity-Fonds davon abhalten, ihre Kredite direkt zu vergeben. Den Banken dürfte dies gefallen, fordern sie doch bereits seit längerem die strengere Regulierung der Schattenbanken, die ihnen im Kampf um Firmenkunden zu einer echten Bedrohung geworden sind.

philipp.habdank[at]finance-magazin

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