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Deutsche Forfait: Restrukturierung stark gefährdet

Die Restrukturierung des Exportfinanzierers Deutsche Forfait ist wieder ins Wanken geraten.
Serbek/iStock/Thinkstock/Getty Images

In den vergangenen Monaten sah es so aus, als sei die Deutsche Forfait über den Berg. Doch jetzt ist der Rettungsplan ins Wanken geraten, die dringend notwendige Kapitalerhöhung ist enttäuschend verlaufen. Insgesamt sollten bis zu 6,8 Millionen Aktien ausgegeben werden, um das von hohen Verlusten aufgezehrte Eigenkapitalpolster wieder aufzubessern. Platziert werden konnten aber nur 3,1 Millionen Aktien, das ist eine Zeichnungsquote von 45 Prozent. Der Bezugspreis lag bei 1,30 Euro. Somit spült die Kapitalerhöhung nur 4 Millionen Euro in die leere Kasse des Exportfinanzierers.

Ursprünglich sollte die Kapitalerhöhung sogar 10 Millionen Euro einbringen, doch sie musste bereits abgesenkt werden, weil abzusehen war, dass ein so hoher Bezugspreis nicht erreicht werden kann. Demnach fehlen jetzt insgesamt 6 Millionen Euro für die Stärkung des Eigenkapitals, die das Unternehmen eigentlich dringend braucht: Zum 31. März wies die Deutsche Forfait ein negatives Eigenkapital von 7,3 Millionen Euro aus. Dabei war die Frist für das Bezugsangebot sogar um eine Woche verlängert worden, denn zum Ende der ursprünglichen Frist waren nur 884.722 Aktien nachgefragt worden. Auch die beiden Vorstandsmitglieder Frank Hock und Mark West hatten sich an der Kapitalerhöhung beteiligt.

Deutsche Forfait erwägt, Mittelstandsanleihe zurückzukaufen

Für die jetzt eingetretene Situation findet die Deutsche Forfait deutliche Worte:  Der Abschluss der finanziellen Restrukturierung ist jetzt „stark gefährdet“, vermeldet das Unternehmen. Um die Eigenkapitallücke doch noch schließen zu können, sei das Management bereits in Gesprächen mit kreditgebenden Banken, Investoren und Wirtschaftsprüfern.

Eine Option wird bereits diskutiert, doch diese dürfte den Investoren nicht gefallen: Um die Eigenkapitallücke zu schließen, könnte die Deutsche Forfait einen Teilbetrag der Anleihe, die im Jahr 2020 ausläuft, „mit Hilfe von Investoren zu einem noch festzulegenden Preis“ zurückerwerben und den Differenzbetrag zum Nennwert als außerordentlichen Ertrag verbuchen, heißt es. Aktuell notiert die 30 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe bei 54 Prozent. Um die durch die missglückte Kapitalerhöhung entstandene Lücke zu füllen, müsste die Deutsche Forfait wohl mehr als ein Drittel der ausstehenden Anleihe zurückkaufen und dafür inklusive eines kleinen Aufschlags, um das Angebot zu versüßen, gut 5 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Fest steht: Nur wenn die Lücke geschlossen werden kann, „ist ein Fortbestand der Deutschen Forfait gesichert“, wie das Unternehmen schreibt. So lange ist auch noch nicht klar, wann die in der Kapitalerhöhung gezeichneten neuen Aktien geliefert werden können. Der Aktienkurs, der gestern noch bei 1,30 Euro geschlossen hatte, stürzt heute auf 1,02 Euro ab.

Deutsche Forfait schien bereits gerettet

Dabei sah es vor einigen Monaten noch so aus, als hätte der angeschlagene Exportfinanzierer das Ruder rumgerissen: Ende Februar hatten die Gläubiger der Mittelstandsanleihe im zweiten Anlauf einer Restrukturierung zugestimmt  und den Weg für die Sanierung frei gemacht. Sie haben dem Management aber einige Eingeständnisse abgerungen, beispielsweise einen höheren Zinssatz ab 2017. Auch die Banken hatten ihre Unterstützung zugesagt und eine Senkung der Kreditzinsen für unbesicherte Darlehen in Höhe von etwa 40 Millionen Euro auf 1 Prozent bis Ende 2016 akzeptiert.

Teil des Plans waren auch zwei Kapitalerhöhungen. Die erste war eine Sachkapitalerhöhung im Rahmen eines Debt-to-Equity-Swaps, die bereits im Juni durchgeführt wurde. Sie kann allerdings nicht ins Handelsregister eingetragen werden, solange die Mindeststärkung des Eigenkapitals nicht durch die Barkapitalerhöhung durchgeführt ist.

In ihre missliche Lage kam die Deutsche Forfait, weil die US-Behörde OFAC den Exportfinanzierer wegen angeblicher Verstöße gegen das Iran-Embargo auf ihre Sanktionsliste gesetzt hatte. Erst im Oktober vergangenen Jahres strich die Behörde das Unternehmen wieder von der Liste.

julia.becker[at]finance-magazin.de