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Libor und Euribor vor dem Ende

Machte den Anfang: Die britische Großbank musste 290 Millionen Pfund für ihre Libor-Verfehlungen berappen.
Barclays

Im Skandal um manipulierte Referenzzinssätze wie Libor und Euribor kommen fast täglich neue Details ans Licht. Inzwischen mehren sich die Stimmen, die eine nachhaltige Reform der Sätze anzweifeln und offen eine Abschaffung dieser ins Spiel bringen. Bafin-Präsidentin Elke König ließ sich jüngst mit der Aussage zitieren, dass nicht nur an einer „Generalüberholung“ der Zinssätze gearbeitet werden müsse, sondern auch am „Ersatz des Systems“.

Aufsichtsbehörden wie die EZB, die ESMA oder die BIS sowie nationale Kommissionen wie die Wheatley-Gruppe in Großbritannien suchen zurzeit fieberhaft nach Lösungen. Kurzfristig geht es vor allem darum, Vertrauen in den Erhebungsprozess zurückzugewinnen, künftigen Missbrauch zu verhindern und die Aufsicht zu verbessern. Langfristig müssen jedoch Alternativen her, denn die Berechnung der Zinssätze basiert auf von außen kaum nachprüfbaren Angaben der Banken.

Unausgegorene Alternativen

So kann sich die EZB beispielsweise eine transaktionsbasierte Euribor-Erhebung vorstellen. Wie das im Detail umgesetzt werden könnte steht aber noch in den Sternen. Auch die sukzessive Umstellung auf besicherte Referenzzinssätze ist vorstellbar. Das macht Sinn, denn die unbesicherte Kreditvergabe auf dem Interbankenmarkt liegt – selbst bei Übernachtausleihungen – seit der Finanzkrise am Boden. Und wenig spricht dafür, dass diese in Zukunft wieder die Bedeutung haben wird wie vor der Causa Lehman. Den Währungshütern zufolge könnten künftig auch „risikofreie“ Geldmarktindikatoren wie der Overnight Indexed Swap (OIS) herangezogen werden.

In der Praxis haben CFOs schon heute die Möglichkeit, in Kreditverträgen andere Referenzzinssätze als Libor oder Euribor zu vereinbaren. Eine Möglichkeit ist Eonia, der Zins für unbesicherte Übernachtausleihungen auf dem Euro-Interbankenmarkt. Er basiert auf realen Transaktionen und ist nicht wie die beiden Refernzzinssätze Libor und Euribor das Resultat einer Meinungsumfrage unter Banken. Zudem wird Eonia deutlich unter dem 3-Monats-Euribor gepreist – zurzeit rund 15 Basispunkte.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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