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Selecta: Banken ziehen sich bei Refinanzierung zurück

Bei der Refinanzierung von Selecta ziehen sich die Banken zurück.
Selecta

Der Schweizer Automatenbetreiber Selecta, das letzte verbliebene direkte Portfoliounternehmen des PE-Investors Allianz Capital Partners (ACP), hat seine Finanzierungsprobleme gelöst. Selecta verlagert seine Finanzierung weitgehend an den Kapitalmarkt. Die neue Struktur besteht aus einem High-Yield Bond mit einem Volumen von 550 Millionen Euro bei einer Verzinsung von 6,5 Prozent, der vorrangig besichert ist und bis 2020 läuft. Die Zinsen werden zweimal jährlich bezahlt. Hinzu kommt eine unbesicherte, nachrangige PIK-Anleihe über 220 Millionen Euro. Diese, wie es hieß, „langfristige“ und endfällige Finanzierung stellt KKR Asset Management, der Private-Debt-Arm des Private-Equity-Hauses Kohlberg Kravis Roberts (KKR), zur Verfügung.

Die Verhandlungen zogen sich nach FINANCE-Informationen schon länger hin. Schon im vergangenen Oktober drohten die Banken Selecta mit einem Rückzug, da der hoch verschuldete Automatenbetreiber Probleme mit der Einhaltung seiner Covenants hatte. In der neuen Finanzierung sind keine herkömmlichen Bankdarlehen mehr enthalten.

Nun sieht sich Selecta gut aufgestellt, seinen neuen Kurs bis zum Exit voranzutreiben. Die neue Finanzierungsstruktur im Volumen von 770 Millionen Euro löst die alte Finanzierung komplett ab. Der Bankkredit und die nachrangige Mezzaninefinanzierung werden mit den neu aufgenommenen Mitteln vollständig zurückgezahlt.

Selecta: Zinskosten nicht bekannt

Mit der restrukturierten Passivseite sieht sich Selecta gestärkt, seine Neuausrichtung unter dem ACP-Dach fortzusetzen, nachdem Verkaufsprozesse in der Vergangenheit 2012 an unterschiedlichen Preiserwartungen gescheitert sein sollen. Die Stabilität der neuen Finanzierung soll Selecta dabei helfen, den 2013 ergriffenen Sparkurs fortzusetzen und unter dem neuen CEO Remo Brunschwiler auch zu profitablem Wachstum zu kommen. Mit den neuen Mitteln will Selecta den Ausbau der Starbucks Corner Cafés vorantreiben und neue Verkaufsautomaten verstärkt in den Markt bringen.

Zu den Zinskosten der neuen Finanzierungsstruktur im Vergleich zur alten äußerte sich ACP auf FINANCE-Anfrage nicht. Weder zur Umsatzentwicklung der Vergangenheit noch zur Ergebnisentwicklung nahm Selecta, das sich mit rund 140.000 Automaten in 21 Ländern als größten europäischen Automatenbetreiber sieht und zuletzt einen Konzernumsatz von 740 Millionen Euro erzielte, nicht Stellung. ACP hatte Selecta im Vorkrisenjahr 2007 für rund 1,1 Milliarden Euro erworben.

ACP: Zukünftig nur noch LP

Allianz Capital Partners (ACP), die Investitionsplattform der Allianz, verwaltet rund 9,4 Milliarden Euro an Kundenbeiträgen aus dem Sach- und Lebensversicherungsbereich. 2013 hatte ACP mit der Reederei Scandlines sein letztes deutsches Investment an das Private Equity-Haus 3 i abgegeben. Im Private Equity-Bereich fokussiert sich ACP zukünftig auf die LP-Rolle in Dachfonds, bei denen sich ACP zu den Top 50 LPs zählt. Rund zwei Drittel der Mittel sind darin investiert, ein gutes Drittel investiert ACP in den Bereich Infrastruktur (2 Milliarden Euro) und Erneuerbare Energien (1,5 Milliarden Euro).

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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