Gerresheimer

26.02.18
Finanzierungen

Gerresheimer-CFO setzt halbe Million auf sein Unternehmen

Rainer Beaujean, CFO und aktuell Interims-CEO von Gerresheimer, hat sich Aktien im Wert von über 500.000 Euro am Unternehmen gesichert. Mit dem Zukauf bekennt er sich zum Verpackungsspezialisten, dessen Kurs zuletzt unter Druck geraten war.

Rund 570.000 Euro hat Rainer Beaujean, der Finanzchef und aktueller Interims-CEO von Gerresheimer, investiert, um Aktien seines Arbeitgebers zu kaufen. Das geht aus einer am Freitag Abend veröffentlichten Mitteilung des Verpackungsspezialisten hervor. Unternehmen müssen die Geschäfte von Führungspersonen (Directors‘ Dealings) innerhalb von fünf Tagen melden.

Der Aktienkauf sei nicht an eine vertragliche Vereinbarung zwischen Beaujean und dem Unternehmen gebunden, wie ein Gerresheimer-Sprecher auf eine FINANCE-Anfrage mitteilte. Vielmehr sei der Kauf der Anteile als ein „Commitment gegenüber dem Unternehmen“ zu werten.

Neben CFO Beaujean hat kürzlich ein weiteres Vorstandsmitglied Gerresheimer-Aktien erworben. Lukas Burkhardt, verantwortlich für den Geschäftsbereich Primary Packaging Glass, hat ein rund 400.000 Euro schweres Aktienpaket gekauft.

Gerresheimer erreicht Prognose nicht

Beaujean hat die Aktien zu einem Preis von je 61,15 Euro gekauft und sich damit einen Zeitpunkt ausgesucht, zu dem der Aktienkurs so niedrig wie schon lange nicht mehr war. Aktuell steht er bei rund 62 Euro. Seinen höchsten Stand hatte der Kurs im Mai vergangenen Jahres bei rund 78 Euro erreicht. Vor allem zwei Entwicklungen haben bei dem Verpackungsspezialisten zuletzt für viel Unruhe gesorgt und den Kurs gedrückt.

Rainer Beaujean, Gerresheimer

1995 beginnt Rainer Beaujean seine Karriere bei der Deutschen Telekom und durchläuft verschiedene Stationen, unter anderem als Leiter des Vorstandsstabs Finanzen und Leiter Controlling für alle Auslandsbeteiligungen. Von 2000 bis 2004 ist er als CFO bei T-Online verantwortlich für die Ressorts Finanzen und Controlling. Ab 2004 bis zur Verschmelzung mit der Deutschen Telekom im Jahr 2006 ist er CEO von T-Online. Während seiner Zeit bei T-Online treibt Beaujean die Internationalisierung des Internetunternehmens und umfangreiche M&A-Aktivitäten sowie den Ausbau des Content-Geschäfts voran. T-Online ist in dieser Zeit der mit Abstand größte Wert im TecDax.

Im Juni 2007 wechselt Beaujean zum Kranhersteller Demag Cranes und verantwortet dort bis Ende 2011 als Vorstandsmitglied das Finanzressort. Zudem ist er für den weltweiten Einkauf verantwortlich. In dieser Zeit steigt Demag Cranes vom SDax in den MDax auf und wird umfangreich neu finanziert. Nach der Übernahme durch den US-Konzern Terex verlässt Beaujean das Unternehmen. Er wechselt zu einem der weltweit größten Mess- und Regeltechnikhersteller der Welt, der an der NYSE notierten Elster Group, wo er von Februar 2012 bis August des gleichen Jahres Managing Director und Finanzchef ist. Nachdem Elster vom börsennotierten britischen Unternehmen Melrose übernommen wird, verlässt er das Unternehmen.

Seit Dezember 2012 ist Rainer Beaujean Mitglied des Vorstands bei Gerresheimer und seit Februar 2013 für das Finanzressort verantwortlich. Ab Dezember 2013 übernimmt Rainer Beaujean zusätzlich zu seiner Funktion als CFO den Geschäftsbereich Life Science Research, bis dieser 2016 verkauft wird. Im Februar 2018 wird Beaujean Interimschef des Gerresheimer-Konzerns, nachdem sich CEO Christian Fischer überraschend zurückzog.

zum Profil

Zum einen enttäuschte Gerresheimer die Aktionäre mit den vor wenigen Tagen veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2017. Das Unternehmen konnte seine Prognosen nicht bestätigen. Die Erlöse betrugen rund 1,35 Milliarden Euro, angestrebt hatte der Konzern ursprünglich 1,4 Milliarden Euro. Auch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) entsprach nicht der Vorhersage. 310 Millionen Euro statt 320 Millionen Euro standen am Ende zu Buche.

Dementsprechend bleibt Gerreseheimer auch für das kommende Jahr zurückhaltend. Der Verpackungsspezialist prognostiziert für 2018 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro. Etwas besänftigen dürfte die Aktionöre, dass Gerreshemer die Dividende um fünf Cent auf 1,10 Euro angehoben hat.

Gerresheimer-Aktie mit Achterbahnfahrt

Gerresheimer Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Gerresheimer-CEO-Abgang belastete Aktienkurs

Ebenfalls belastet hat den Aktienkurs der überraschende Abgang des ehemaligen CEOs Christian Fischer Anfang Februar. Fischer hatte den Posten erst zum ersten September übernommen. Die Investmentbank JP Morgan sprach damals von „einer Phase der Ungewissheit“, auf die Gerresheimer nun zusteuere. Das Bankhaus Hauck & Aufhäuser sah die Personalie sogar als „Warnsignal“.

Gerresheimer unterstrich damals, dass der Abgang Fischers nicht auf eine schwache Geschäftsentwicklung noch auf einen Strategiezwist zurückzuführen sei. Beaujean hatte den Posten des Interims-CEO daraufhin übernommen. Mit dem Kauf des großen Aktienpakets signalisiert er nun, dass er an eine Erholung der Aktie glaubt.

Seit 2013 ist der 49-Jährige Finanzchef von Gerresheimer. Zuvor war er für Demag Cranes, dem Messtechnikspezialisten Elster sowie bei T-Online tätig, ebenfalls als CFO. Bei der Telekom-Tochter war knapp zwei Jahre lang Unternehmenschef.

andreas.mehring[finance]magazin.de

Mehr Infos zu Werdegang, Karriere-Highlights und Privatem finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Rainer Beaujean.