Der Motoradbekleidungshersteller Hein Gericke hat den Zeichnungsstart seiner Mittelstansanleihe kurz vor knapp verschoben. Auch einige andere Emittenten sind aus der Spur geraten.

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11.11.13
Finanzierungen

Platzierungsvolumen bei Mittelstandsanleihen sinkt

Immer seltener gelingt es Unternehmen, ihre Mittelstandsanleihen vollständig zu platzieren. Das dürfte sich nur dann wieder ändern, wenn die Emittenten ihre Investorenkommunikation verbessern und die Anleihen risikoadäquater verzinst werden.

Unternehmen können mit Mittelstandsanleihen aktuell auffallend häufig nicht so viel Geld einsammeln wie geplant. Die Lücke zwischen Emissions- und Platzierungsvolumen bei den Mini-Bonds ist in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich auf gegangen: Während 2010 lediglich 12 Prozent des Emissionsvolumens nicht in der offiziellen Zeichnungsfrist platziert werden konnten, hat sich die Kluft in diesem Jahr auf 30 Prozent vergrößert. Das ergab eine Auswertung der Ratingagentur Scope, die dafür 145 Anleiheemissionen untersucht hat.

Die Studie zeigt auch, dass es Markenbonds – wie zum Beispiel die Anleihen von Underberg, Seidensticker oder Air Berlin – wie erwartet deutlich einfacher haben als herkömmliche Mittelstandsanleihen: Sie konnten mit 96,3 Prozent fast vollständig platziert werden. Emittenten ohne allgemein bekannten Markennamen haben dagegen seit 2010 ein Viertel weniger eingesammelt als avisiert.

Scope erklärt die Diskrepanz vor allem mit den zum Teil zu niedrigen Kupons, die nicht an das Risiko des Emittenten angepasst seien. 2010 hatte dies bei Investoren noch weniger zu Buche geschlagen, doch die zahlreichen Ausfälle seitdem – zuletzt die Pleite von Windreich und die Bond-Restrukturierung von AEG Power Solutions  – haben sie für das Risiko des Segments sensibilisiert. Auch der jüngste Ausfall von FFK Environment – der bereits fünfte in diesem Jahr nach Windreich mit zwei Titeln, Centrosolar und Solen - hat dazu beigetragen.

Desaströse Investorenkommunikation: Hein Gericke und TKS Union

Dass die Investoren höhere Kupons und bessere  Informationen verlangen,  bekam auch die Hein Gericke Group jüngst zu spüren: Der Motoradbekleidungshersteller verschob vor zwei Wochen seine Zeichnungsfrist für die geplante 16-Millionen-Euro-Anleihe einen Tag, bevor sie ursprünglich beginnen sollte. Die Begründung klingt kurios: Die Anleihe treffe auf „reges Interesse“, doch „aufgrund von ferienbedingten Terminengpässen soll allen interessierten Anlegern eine Roadshow-Teilnahme und das Kennenlernen des Managements ermöglicht werden“, teilte das Unternehmen mit.

Seither lässt der Starttermin auf sich warten. Das am Ende tatsächlich platzierte Volumen wird darüber Aufschluss geben, inwieweit die Aussage zum „regen Interesse“ an der Hein Gericke-Anleihe zutraf. In der Zwischenzeit hat das Management neue Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung verkündet. Offenbar gibt es also noch Handlungsbedarf.

Noch kurioser ging es bei dem geplanten 50 Millionen-Bond von TKS Union zu.  Das Agrarunternehmen hatte während der Roadshow mehrmals sein Wertpapierprospekt geändert. Die Investoren blieben weiter skeptisch, weshalb TKS bei den Anleihebedingungen nachbesserte und auch noch die Gesellschaftsstruktur änderte. Doch all das half nichts. Das Unternehmen zog seine Emission schließlich zurück: „Weil die Schweinepreise über Plan“ lägen, könne man den geplanten Ausbau nun doch aus Eigenmitteln und Gesellschafterdarlehen stemmen.

Erst wenn sich Investorenkommunikation professionalisiert und sich die Verzinsung stärker dem Risiko anpasst, dürfte sich auch die Platzierungsquote wieder verbessern. Scope erwartet diese Entwicklung schon für das kommende Jahr: Die Ratingagentur geht davon aus, dass sich die Lücke zwischen Emissions- und Platzierungsvolumen 2014 verkleinern wird – vor allem wegen der höheren Emissionsstandards. Die Deutsche Börse zum Beispiel passt nun das Regelwerk für den Entry Standard an. Es tut sich was an den Zugangstoren zum Markt für Mittelstandsanleihen.

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