Der Verpackungshersteller SIG will über die Börse 1 Milliarde Euro einsammeln, um Schulden abzutragen.

SIG

03.09.18
Finanzierungen

SIG plant milliardenschweres Börsen-Comeback

Der Schweizer Verpackungshersteller SIG strebt an die Börse und will seine Schulden senken. Der Private-Equity-Investor Onex hält sich mit seinen konkreten Exit-Plänen derweil noch bedeckt.

Der Tetra-Pak-Konkurrent SIG steht kurz vor einem Comeback an der Schweizer Börse SIX. Wie die Schweizer am heutigen Montag mitteilten, sollen dem Unternehmen über eine Kapitalerhöhung 1 Milliarde Euro zufließen. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge rechnen Experten im Zuge der Transaktion mit einer Unternehmensbewertung von bis zu 5 Milliarden Euro. Das Unternehmen wollte diese Zahl auf Nachfrage nicht kommentieren.

Der Verpackungshersteller, der sich im Besitz des kanadischen Private-Equity-Investors Onex befindet, will den IPO nutzen, um seinen 2,5-Milliarden-Euro-schweren Schuldenberg abzutragen. Nach dem Börsengang soll der Verschuldungsgrad vom aktuell 5,3fachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf das 3 bis 3,25fache sinken. Bei einem ausgewiesenen bereinigten Ebitda von 480 Millionen Euro entspricht das einer geplanten Nettoverschuldung von 1,4 Milliarden bis 1,5 Milliarden Euro.

PE-Investor Onex bleibt mit 50 Prozent beteiligt

Der Finanzinvestor Onex hatte SIG 2015 von dem Milliardär Graeme Hart für rund 3,8 Milliarden Euro übernommen. Mit dem geplanten IPO beginnen die Kanadier nun mit den Exit-Vorbereitungen. Besonders eilig scheint der Finanzinvestor es mit dem Ausstieg allerdings nicht zu haben: Onex selbst wird laut Unternehmensangaben auch nach dem Börsengang mit mindestens 50 Prozent an den Schweizern beteiligt bleiben.

In welchem Umfang sich der Finanzinvestor letztlich von SIG-Aktien trennen wird, hänge von der Investorennachfrage ab, heißt es von Seiten des Unternehmens. Onex hat sich zudem zwei Sitze im neuen Verwaltungsrat von SIG gesichert, und kontrolliert damit künftig ein Viertel des achtköpfigen Gremiums.

SIG ködert Investoren mit Dividendenversprechen

SIG stellt Lebensmittel- und Getränkeverpackungen her und setzte nach eigenen Angaben mit 5.000 Mitarbeitern zuletzt 1,7 Milliarden Euro um. Das bereinigte Ebitda betrug zuletzt 480 Millionen Euro. Für das Geschäftsjahr 2019 verspricht SIG seinen Aktionären 100 Millionen Euro als Dividende auszuschütten. In den Folgejahren will das Unternehmen 50 bis 60 Prozent seines bereinigten Nettogewinns an die Aktionäre auskehren.

Auch die Wachstumszahlen, mit denen SIG Investoren den IPO schmackhaft machen will, klingen zunächst gut. Zwischen 2007 – damals wurde SIG von der Börse genommen – und 2017 wuchs der Umsatz jährlich im Schnitt um 4 Prozent und das Ebitda um 7 Prozent. Die Ebitda-Marge habe sich in zehn Jahren von 20 Prozent auf 27 Prozent verbessert. Wie sich das Unternehmen während seiner Private-Equity-Regentschaft entwickelt hat, wollte eine Sprecherin zunächst allerdings nicht kommentieren und verwies auf den anstehenden Börsenprospekt.

SIG-Börsengang im schwierigen Kapitalmarktumfeld

SIG rechnet mit einer Kotierung an der Schweizer Börse „in den kommenden Monaten“. Ein Selbstläufer wird der IPO jedoch nicht. Laut Reuters wurden in diesem Jahr bereits drei geplante Transaktionen in Zürich abgesagt. Die Kurse vieler weiterer Neulinge würden zudem unter deren Ausgabekurs notieren.

Die Rückkehr aufs Parkett wird von den Banken Goldman Sachs, Credit Suisse und Bank of Amerika Meryll Lynch organisiert. Unterstützt werden sie von Barclays, Citigroup, Morgan Stanley, UBS, Credit Suisse, Unicredit und Vontobel. Als unabhängiger Berater ist Rothschild mandatiert. Eine deutsche Bank mischt bei dem Milliarden-IPO nicht mit.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de