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28.11.17
Finanzierungen

Finanz-Wirrwarr bei Heckler & Koch

Heckler & Koch hat gerade erst mit einer umfassenden Refinanzierung seinen Schuldenberg gesenkt. Doch nun hat der Waffenhersteller offenbar neues Fremdkapital aufgenommen. Warum und woher stammt das Geld überhaupt?

Heckler & Koch plant nach der umfassenden Entschuldung im Sommer offenbar eine weitere Refinanzierung. Das legen Äußerung von CFO Wolfgang Hesse nahe, der seit August auch als Interims-Chef des verschwiegenen Waffenherstellers  fungiert, nachdem Norbert Scheuch als Vorstandschef geschasst wurde.

CFO Hesse erklärte auf Anfrage von FINANCE schriftlich, Heckler & Koch wolle eine private Darlehensvereinbarung über 60 Millionen Euro in eine öffentlich notierte Anleihe umwandeln, und zwar noch im laufenden vierten Quartal. Was sich das Unternehmen aus Oberndorf im Schwarzwald davon verspricht, ließ der Finanzchef offen.

Der Waffenhersteller hatte sich erst vor wenigen Monaten gegen eine öffentliche Bondemission zur Refinanzierung entschieden. „Wir sind der Überzeugung, dass die gewählten Finanzierungsinstrumente in der gegenwärtigen Situation insgesamt vorteilhafter sind als eine erneute öffentliche Anleihe“, sagt CFO Hesse rückblickend gegenüber FINANCE. Umso überraschender kommt jetzt die Umwandlung in eine Anleihe.

Gerüchte um Eigentümerwechsel bei Heckler & Koch

Das aktuelle Wirrwarr bei Heckler & Koch ist Teil eines schon seit Jahren andauernden Prozesses, den immensen Schuldenberg der Waffenschmiede abzubauen. Der größte Brocken war dabei eine mit 9,5 Prozent extrem hoch verzinste Anleihe, die am Ende noch 220 Millionen Euro schwer war. Sie wäre im Mai 2018 fällig geworden, der Gewehr- und Pistolenhersteller zahlte sie jedoch diesen Sommer vorzeitig zurück. 

Die Mittel dafür kamen aus zwei neuen Darlehen über insgesamt 170 Millionen Euro und einer Kapitalerhöhung über 50 Millionen Euro, die der Großaktionär Andreas Heeschen zeichnete. Der Investor hatte Heckler& Koch bereits 2015 mit einer Finanzspritze über 60 Millionen Euro ausgeholfen.

Unlängst sind Zweifel aufgekommen, ob Andreas Heeschen überhaupt noch Mehrheitsaktionär von Heckler & Koch ist.

Allerdings sind unlängst Zweifel aufgekommen, ob Heeschen überhaupt noch Mehrheitsaktionär der Oberndorfer ist. Das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ berichtete kürzlich, Heeschen habe seine Anteile an den Privatinvestor Nicolas Walewski weitergereicht. Der Franzose ist Inhaber der Vermögensverwaltung Alken Asset Management – und ein Nachfahre Napoleon Bonapartes. 

„Bilanz“ berief auf den ehemaligen Heckler & Koch-Geschäftsführer Nicola Marinelli, der sich mit einer „Change of Control“-Klausel eine Art Abfindung habe zusichern lassen für den Fall, dass ein neuer Mehrheitsgesellschafter ihn entlassen sollte. Heckler & Koch wollte den Bericht gegenüber FINANCE nicht kommentieren. Es ist nicht die einzige Personalquerele für den Waffenhersteller: Ex-Chef Scheuch greift seine Kündigung gerade vor dem Landgericht Rottweil an, wie ein Sprecher des Gerichts gegenüber FINANCE bestätigte.

Hat Heckler & Koch die Finanzierung aufgestockt?

Auch über die Details der 170 Millionen Euro schweren Fremdfinanzierung schweigt sich das Unternehmen aus. Ein Bericht der Ratingagentur Moody’s gibt zumindest etwas Aufschluss: Moody’s zufolge handelt es sich um einen 130-Millionen-Euro Kredit von privaten Geldgebern, der fünf Jahre läuft und einen nicht näher erläuterten finanziellen Covenant enthält. Das restliche Geld stammt aus einer Privatplatzierung im Wert von 40 Millionen Euro. Beide Instrumente kann Heckler & Koch der Ratingagentur zufolge um jeweils 20 Millionen Euro aufstocken.

Von dieser Möglichkeit haben die Oberndorfer bei der Privatplatzierung nun offenbar Gebrauch gemacht und wandeln sie jetzt in eine 60 Millionen Euro schwere Anleihe um. Diese Interpretation lassen die Aussagen von CFO Hesse zu. Ihm zufolge soll der Bond an der Luxemburger Börse im Segment Euro MTF gelistet werden – wie der gerade abgelöste High-Yield-Bond. 

Eine Aufstockung würde auch erklären, weshalb CFO Hesse jetzt von einer Verschuldung in Höhe von 190 Millionen Euro spricht. In der öffentlichen Kommunikation hatte Heckler & Koch zuletzt die Zahl 170 Millionen Euro genannt. Doch nun ergab sich laut Hesse „ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf aus dem operativen Geschäft“.

Moody’s bemängelt schwache Cash-Position

Das zeigt die finanziell immer noch fragile Lage des Waffenherstellers: Die Kapitalerhöhung hat zwar Druck von der Bilanz genommen, das Liquiditätspolster des Waffenherstellers bleibt aber dünn. Gerade einmal 20 Millionen Euro Cash wiesen die Schwarzwälder Ende Juni aus. Moody’s hält dagegen 30 Millionen Euro für den mindestens notwendigen Liquiditätspuffer, da  allein die Zinskosten für die zwei Darlehen jährlich 13 Millionen Euro verschlingen würden. Außerdem erfordern die für Heckler & Koch typischen Großaufträge oft eine nicht unerhebliche Vorfinanzierung.

Allerdings hat CFO Hesse den Druck auf die Cashflows ein wenig gelindert, indem er durch die Refinanzierung die Zinskosten deutlich gesenkt hat: „Unsere Zinsbelastung liegt jetzt rund 2,5 Prozentpunkte niedriger“, sagt der Finanzchef. Durch die Kapitalerhöhung ist zudem der Anteil der Fremdfinanzierung gesunken. Das Verhältnis von Finanzverschuldung zum operativen Gewinn (Ebitda) lag Hesse zufolge Ende des dritten Quartals bei 4,65x – nach zweistelligen Werten in den Vorjahren. Moody’s honorierte diese Anstrengungen mit einem Rating-Upgrade von Caa1 auf B3.

„Unsere Zinsbelastung liegt jetzt rund 2,5 Prozentpunkte niedriger“

Wolfgang Hesse, CFO Heckler & Koch

Heckler & Koch will Investmentgrade-Rating

Vom Fernziel Investmentgrade, das Hesse sich auf die Fahnen geschrieben hat, ist das Unternehmen aber noch weit entfernt. Die schwache Kassenlage und der noch immer hohe Leverage bleiben das größte Hindernis für ein weitere Bonitätsverbesserung. CFO Hesse ist das bewusst, er setzt deshalb auf aktives Working Capital Management, um „die Durchlaufzeiten weiter verkürzen und die notwendige Vorratshaltung weiter senken zu können“, wie er sagt.

Das würde auch helfen, die Verschuldung weiter zu senken. Nächstes Etappenziel ist ein Leverage von 2x Ebitda. Dieses Ziel will der Waffenhersteller Moody’s zufolge bis 2021 erreichen.