Der zweitgrößte Aktionär PPF schaltet sich in den Machtkampf um ProSiebenSat.1 ein: Die Tschechen haben ein öffentliches Teilerwerbsangebot für Aktien des deutschen Medienkonzerns angekündigt und wollen damit ihre Beteiligung auf bis zu 29,99 Prozent des Grundkapitals aufstocken.
Damit plant PPF, knapp unter der wichtigen Kontrollschwelle von 30 Prozent zu bleiben. Ab dieser schreibt das deutsche Übernahmegesetz (WpÜG) bei einer börsennotierten Aktiengesellschaft ein verpflichtendes Übernahmeangebot vor. PPF ist seit ungefähr zwei Jahren als strategischer Investor bei ProSiebenSat.1 engagiert und hält derzeit insgesamt knapp 15 Prozent direkt sowie über Finanzinstrumente an dem Medienunternehmen.
PPF stellt sich gegen größten ProSieben-Aktionär MFE
Das Pikante an dem Angebot von 7 Euro in bar je Aktie ist, dass PPF damit dem größten ProSieben-Aktionär, der italienischen Media for Europe (MFE), in die Quere kommt. Die Holding der Familie Berlusconi hielt zuletzt bereits 29,99 Prozent an ProSiebenSat.1 und war im März mit einem Übernahmeangebot für die komplette bayrische Sendergruppe um die Ecke gekommen, um ihren Einfluss weiter auszubauen.
MFE will allerdings nur den gesetzlichen Mindestpreis für die angedienten Aktien zahlen, ohne eine sonst marktübliche Aufschlagprämie, die Übernahmeangebote erst interessant macht. Das MFE-Angebot, bei dem die Italiener pro Aktie 4,48 Euro in bar und 0,4 A-Aktien des eigenen Unternehmens anbieten, läuft seit vergangenem Donnerstag und noch bis zum 6. Juni.
PPF überbietet Übernahmeangebot von MFE für ProSieben
PPF bietet nun bessere Konditionen und will seine eigene Angebotsunterlage auch noch während der laufenden Annahmefrist des MFE-Angebots veröffentlichen – um sicherzustellen, dass die eigene Offerte offiziell als konkurrierendes Angebot gilt. Unterstützung dafür hat sich PPF von Jefferies als Finanzberater geholt. Kirkland & Ellis fungiert als Rechtsberater und Brunswick Group als PR-Berater.
Wie viele Aktien im Rahmen des öffentlichen Teilerwerbsangebots insgesamt erworben werden sollen, steht noch nicht fest. Das PPF-Angebot bedeutet eine Prämie von 17 Prozent auf den Xetra-Schlusskurs der ProSieben-Papiere am 9. Mai 2025 und von 22 Prozent auf den volumengewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurs vor Bekanntgabe des MFE-Angebots.
Der Kapitalmarkt reagierte positiv auf die Nachrichten: Zum Handelsstart am Montagmorgen schoss der Kurs der in den vergangenen Jahren gebeutelten ProSieben-Aktie zweistellig nach oben und notierte bei über 7 Euro. Zwar betont PPF, dass der Investor „offen für eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern und Aktionären, einschließlich MFE“ sei, bewirbt sein Angebot zugleich aber als „eine attraktive Alternative zum kürzlich veröffentlichten MFE-Angebot“.
Schmackhaft wird die Offerte hauptsächlich jenen Aktionären gemacht, die ihre Papiere kurzfristig abstoßen wollen und das Risiko durch die langwierige Transformation bei ProSiebenSat.1 scheuen. Die Mediengruppe kämpft mit den rückläufigen TV-Werbemärkten, forciert das Streaming-Geschäft und will sich zudem mittels M&A-Deals sukzessive von ihren Nebengeschäften wie dem Vergleichsportal Verivox trennen.
PPF will sich stärker bei ProSiebenSat.1 einmischen
Der ProSieben-Vorstandsvorsitzende Bert Habets unterstützte in einer Mitteilung den Vorstoß der Tschechen, die als langfristig orientierter Großaktionär den Vorstand bei der Umsetzung seiner Strategie unterstützen. PPF selbst hat angekündigt, künftig aktiver in Unterföhring mitmischen zu wollen und eine Vertretung im Aufsichtsrat anzustreben. Der Investor gehört wie MFE zu den treibenden Kräften, die in der Vergangenheit Druck auf das Management ausgeübt hatten, sich aufs mediale Kerngeschäft zu konzentrieren.
Nun platzieren sich die Tschechen allerdings als Gegengewicht zu MFE: „Das Angebot ermöglicht PPF, seine Beteiligung auf ein ähnliches Niveau wie MFE auszubauen“, heißt es in einer Mitteilung des Investors. Mit der angestrebten Präsenz im Gremium solle zudem „eine neue Fokussierung des Aufsichtsrats gewährleistet werden, die es dem Management von ProSiebenSat.1 erlaubt, seine bestehende Strategie umzusetzen und das operative Geschäft voranzutreiben“.
Fokus auf Medien und Verkauf der Nebengeschäfte
MFE hatte den Vorstand im vergangenen Jahr massiv unter Druck gesetzt und bei der Hauptversammlung über eine Aufspaltung von ProSiebenSat.1 abstimmen lassen. Zwar scheiterten die Italiener mit ihrem Antrag, die für sie unliebsamen E-Commerce- und Dating-Geschäfte des Konzerns vom medialen Kerngeschäft abzuspalten. Allerdings konnten sie die Abberufung von Aufsichtsrat Rolf Nonnenmacher durchsetzen und ihn durch Simone Scettri ersetzen. Der Investor PPF wiederum hatte seinen Kandidaten, den Medienmanager Christoph Mainusch, im Gremium platziert.
Durch das nun ausgebrochene Gezerre der beiden Großinvestoren dürfte es auch in diesem Jahr bei der anstehenden Hauptversammlung von ProSiebenSat.1 Ende Mai wieder turbulent zugehen.
Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.
