Michael Baur (Alix Partners) leitet seit September vergangenen Jahres als CRO die Restrukturierung von Baywa. Baur ist bekannt in der Branche und bringt viel Erfahrung aus vormaligen Stationen wie Arthur Anderson oder Roland Berger mit. Neben der Beratung ist er aber auch immer wieder operativ als CRO aktiv und hat unter anderem den Autozulieferer Benteler saniert.
Trotz aller Kompetenz und Erfahrung: Bei der Restrukturierung des Agrarunternehmens Baywa lief bisher nicht alles rund, erst kürzlich kam es zu einer krassen Kehrtwende. So ist die Weitergabe der Baywa Re, die Wind- und Solarkraftprojekte entwickelt, vorerst gescheitert. Ursprünglich wollte der Miteigentümer Energy Infrastructure Partners (EIP) seine Beteiligung von 49 auf 65 Prozent aufstocken.
Unstimmigkeiten über Leitung der Baywa-Re-Sanierung?
Nun ist dieser Plan vom Tisch. Wie Baywa Anfang der Woche mitteilte, konnte eine finale Einigung auf die Details des Finanzierungskonzepts „aus wirtschaftlichen Gründen nicht erzielt werden“. Aus Insiderkreisen hat FINANCE erfahren, dass die Banken dem Investor EIP die Sanierung nicht zugetraut hätten, sondern eher der Baywa AG selbst.
Stattdessen haben sich die Gläubiger zur Deckung des Kapital- und Avalbedarfs auf eine Kapitalspritze von 435 Millionen Euro geeinigt. Die jetzt beschlossene Transaktion soll nach aktuellem Stand im zweiten Quartal vollzogen werden, sie steht noch unter den üblichen Vorbehalten der Gremien und Finanzierer.
Baywa: Anpassungen im Gutachten
Schon beim ersten Lösungsansatz, dem Verkauf von Baywa Re, teilte der Konzern mit, dass das Sanierungsgutachten aktualisiert und die Sanierungsvereinbarung mit den wesentlichen Finanzierungspartnern angepasst werden muss. Auch eine Anpassung des Restrukturierungsplans innerhalb des Starug-Verfahrens sollte geprüft werden.
Zudem soll es auch Anpassungsbedarf beim Baywa Re Sanierungsgutachten gegeben haben, was wiederum auch für Veränderungen beim Gutachten von der AG sorgte, die laut einem Insider aber keinen operativen Zusammenhang haben sollen. Baywa AG antwortete dazu: „Die Baywa AG kommentiert keine Gerüchte aus anonymen Quellen und weist zudem darauf hin, dass Analysen und Bewertungen, die dem Sanierungsgutachten und dem Restrukturierungskonzept zugrunde liegen, schon aus Vertraulichkeitsgründen öffentlich ebenso nicht kommentiert werden.“ Auch Baywa Re wollte die möglichen Nachbesserungen nicht kommentieren.
Für die Anpassungen soll es laut dem Insider einen Grund geben, der Hans-Joachim Ziems heißt. Im Februar hat die Baywa-Tochter den erfahrenen Sanierer Ziems als CRO in den Vorstand berufen, er soll vor allem die Umsetzung des Restrukturierungsprogramms sowie die finanzielle Sanierung verantworten. Ziems gilt als Mann für die ganz schweren Fälle. „Als Herr Ziems im Februar zum Unternehmen kam, hat er im Gutachten entdeckt, dass es Punkte in Sachen Risikobewertung und Szenarioanalyse gibt, die nachgebessert werden müssen“, gibt der Insider gegenüber FINANCE zu Protokoll. Ziems wollte das zunächst nicht kommentieren.
Ziems soll laut dem Insider auch derjenige gewesen sein, dem aufgefallen ist, dass Baywa Re 435 Millionen Euro zur Sanierung fehlen. Am 23. Februar veröffentlichte Baywa eine Ad-hoc-Meldung, dass „im Rahmen der Aktualisierung des Sanierungsgutachtens“ zusätzlicher Kapital- und Aval-Bedarf der Baywa Re in Höhe von etwa 435 Millionen Euro bis 2028 identifiziert wurde. Konkret soll es laut dem Insider um die Bewertung laufender Projekte gehen. Baywa Re wollte das nicht kommentieren.
Sanierungsgutachten von Roland Berger und BCG erstellt
Seit 2024 ist zudem Felix Colsman als CRO bei der Baywa-Tochter tätig, er hatte vorher leitende Positionen bei der Boston Consulting Group (BCG), Minimax und Johnson Controls inne. Das Sanierungsgutachten von Baywa AG hat Roland Berger erstellt, das Gutachten der Tochter Baywa Re hat BCG übernommen.
Die Tatsache, den Plan nochmal anzupassen und mit den Kapitalgebern neu zu verhandeln, führte zu einer kritischen Diskussion unter den Beteiligten. „Es wurde hinterfragt, ob alle erforderlichen Szenarien in der ursprünglichen Bewertung hinreichend berücksichtigt wurden“, berichten mit dem Vorgang vertraute Kreise. Die Notwendigkeit, das Sanierungsgutachten erneut zu überarbeiten, sei eine in der Branche seltene Maßnahme und sorge für Diskussionen über die Herangehensweise an den Restrukturierungsprozess.
Laut mit dem Unternehmen vertrauten Kreisen stelle sich deshalb nun die Frage, ob Baur die richtige Person für die Restrukturierung ist? „Als CRO der Gruppe hätte er spätestens nach Vorlage des ersten Entwurfs kritisch hinterfragen müssen“, meint ein Branchenkenner gegenüber FINANCE. In einer Sanierung dieser Größenordnung könne er sich nicht auf eine formale Abgrenzung berufen, sondern müsste sicherstellen, dass die strategische Richtung des Gutachtens den realen Herausforderungen gerecht werde.
Auch finden mit dem Unternehmen vertraute Kreise die zeitliche Abfolge bemerkenswert: „Roland Berger wurde Mitte Juli 2024 auf Drängen der kreditgebenden Banken mit der Erstellung eines IDW-S6 beauftragt. Bereits im ersten Entwurf vom 23. September 2024 bescheinigen die Sanierungsexperten von Roland Berger, dass Baywa ,unter bestimmten Voraussetzungen saniert und mittelfristig ihre operative Wettbewerbs- und Renditefähigkeit wiederhergestellt werden kann`; eine derartige Formulierung hätte bereits zu diesem frühen Zeitpunkt alle Alarmglocken schrillen lassen müssen.“ Dass das Gutachten dennoch zunächst in dieser Form stehen blieb, ließe Zweifel an der Tiefe der Analyse und an der Kontrolle durch das Restrukturierungsteam aufkommen.
Wer soll in der ersten Reihe stehen?
Mit Baur und Ziems hat der Baywa-Konzern und die Tochter Baywa Re jedenfalls Top-Männer an Bord – beide bringen sehr viel Expertise und Erfahrung mit. Wie die mit dem Unternehmen vertrauten Kreise sagen, soll auch gemunkelt werden, ob Ziems die gesamte Restrukturierung leiten könnte. Das würde jedenfalls auch zu Ziems’ Profil passen. „Gerade, weil Ziems ein hartgesottener Restrukturierer ist, der ungern in der zweiten Reihe sitzt.“ Doch bei Baywa will man davon auf FINANCE-Anfrage nichts wissen. Zu einem Wechsel des Chefsanierers der Münchener solle es nicht kommen.
Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Backhaus ist spezialisiert auf die Themen Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalistin für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.
