Fragmentiert und fragil: Was fehlende Systemintegration das Treasury kostet

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Das Bild zeigt verschiedene geometrische Formen auf einem dunklen Hintergrund: einen schwarzen Marmorwürfel, eine durchsichtige, wellenartige Glasform, ein goldfarbenes Rechteck und einen silbernen Zylinder. Zwei Kugeln, eine silberne, ergänzen die Szene. Alles steht auf einer runden, schwarzen Basis.
Quelle: Nomentia

Mehr als die Hälfte der Treasury-Teams in Europa sehen Automatisierung aktuell als eine ihrer Top-Prioritäten. Dies zeigt der „Nomentia Treasury Trends Report 2026“, eine Studie in Zusammenarbeit mit Juniper Research, die Einblicke von Treasury- und Finance-Verantwortlichen aus knapp 400 Unternehmen europaweit vereint. Automatisierung wurde damit noch vor Liquidität, Finanzierungsstabilität und Planungsgenauigkeit am häufigsten genannt. Gleichzeitig geben über 70 % der Befragten an, zufrieden mit dem aktuellen Automatisierungsgrad ihrer Treasury-Abläufe zu sein. Woher kommt diese Diskrepanz?

Automatisierung hängt nicht nur davon ab, wie gut Systeme sind – sie ist vor allem ein strukturelles Thema. Eine der größten Hürden ist die Fragmentierung der Systemlandschaft. Laut Studie sind bei der Mehrheit der Befragten im Treasury zwischen zwei und vier Systeme im Einsatz, ein Fünftel nutzt sogar vier bis acht. Hinzu kommen ERPs, Buchhaltungssysteme und verschiedenste E-Banking-Portale.

Obwohl Vorgänge in den Einzelsystemen teilweise automatisiert sind, fehlt es an Integration. Solange Systeme nicht miteinander verbunden sind und Excel-Tabellen genutzt werden, um Lücken zu schließen, kann von einer wirklich automatisierten Treasury-Funktion kaum die Rede sein.

Zwei Drittel der Treasury-Teams bestätigen, dass Datensilos und fragmentierte Systeme moderate bis schwerwiegende Herausforderungen darstellen. In vielen Unternehmen herrscht noch ein 80/20-Verhältnis: 80 % der Zeit fließen in die manuelle Datenaufbereitung, nur 20 % bleiben für strategische Analysen.

Dabei geht es nicht nur um verlorene Effizienz. Fehlende Systemintegration birgt auch Risiken: Manuelle Workarounds wie Formatkonvertierungen, unverschlüsselte Excel-Dateien oder lokal gespeicherte Dateien bieten Einfallstore für Betrug. Bei Prozessen mit mehreren Einheiten und Systemen geht zudem schnell verloren, wo Berechtigungen und Verantwortlichkeiten liegen. Gerade im Zahlungsverkehr ist es ohne einheitliche Sicht auf alle Zahlungen schwierig, den Überblick zu behalten. Es kann Tage oder Wochen dauern, bis betrügerische Zahlungen entdeckt werden.

Fehlt die Nachvollziehbarkeit, sorgen undokumentierte Berechtigungen und Freigabeschritte auch in der Audit-Phase für zusätzlichen Stress – etwa wenn ehemalige Mitarbeitende noch Zugriff auf interne Systeme oder Bankportale haben.

Ein weiterer Nebeneffekt fehlender Integration sind fehlerhafte Daten. Eine falsche Kommastelle, ein Zahlendreher, und die Planung stimmt nicht mehr. Investitionschancen werden verpasst oder Liquiditätsengpässe mit teuren kurzfristigen Darlehen überbrückt, obwohl eine andere Einheit einen Überschuss gehabt hätte.

Die Risiken sind bekannt. Der Wunsch nach mehr Automatisierung ist da. Was fehlt?

Als Hürden für die Modernisierung nennen die Befragten die Komplexität der Implementierung, hohe Systemkosten und Bedenken hinsichtlich der Unterbrechung des Tagesgeschäfts. In kleinen und mittelständischen Unternehmen kommt häufig noch fehlende Unterstützung der Unternehmensleitung hinzu.

Diese Bedenken sind berechtigt. Fragmentierung lässt sich nicht über Nacht lösen, und ein vollständiges Treasury Management System entsteht nicht in wenigen Tagen.

Deshalb hilft, wenn nicht alles auf einmal automatisiert werden muss. Wer auf eine modulare Plattform setzt, kann mit einigen Kernlösungen starten und dieser Schritt für Schritt erweitern. Sinnvoll ist es, bei der Vernetzung zu beginnen. Erst wenn Systeme, Banken und Datenquellen auf einer Plattform verbunden sind, entstehen Transparenz und die Grundlage für echte Automatisierung.

Lesen Sie den Treasury Trends Report 2026 und erfahren Sie mehr über aktuelle Herausforderungen und Trends im Treasury: Treasury Trends Report 2026