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Die Energiewende finanzieren

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Die Energiewende finanzieren - Windräder
Quelle: peterschreiber.media – stock.adobe.com

Die Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft erfordert massive Investitionen. Die Banken stehen dafür als Finanzierungspartner bereit. Zugleich wird es Auswirkungen auf Unternehmen geben, die die Transformation verweigern.

Die Energiewende ist die „vielleicht größte Herausforderung, der sich die Menschheit je gestellt hat“, sagt Fatih Birol von der Internationalen Energieagentur IEA. Um die schwerwiegendsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, braucht es bis zum Jahr 2050 die Umstellung der gesamten Energieerzeugung und -nutzung auf „Netto-Null“: Das heißt, möglichst alle neuen CO₂-Emissionen werden vermieden, die unvermeidbaren kompensiert.

Das wird Auswirkungen nicht nur auf die Unternehmen der Energiewirtschaft haben, sondern auch auf Industrieunternehmen. Schon jetzt stehen die Lieferketten der für viele Technologien notwendigen Mineralien und Materialien unter Druck, sie werden auch hinsichtlich CO₂-Emissionen angepasst werden müssen.

Banken werden bei der Neuausrichtung ihres Kreditportfolios einen großen Fokus auf die Dekarbonisierung legen.

Netto-Null ist ein sehr ambitioniertes Ziel, das nur durch enge internationale Zusammenarbeit, technologische Weiter- und Neuentwicklungen und die Bereitstellung der notwendigen Finanzierungsmittel eine Chance auf Umsetzung hat. Der Bedarf an Kapital für diese Anpassungs- und Minderungsmaßnahmen wird deutlich zunehmen. Um ihn zu befriedigen, müssen bisherige Kapitalströme umgeleitet werden. Regierungen werden einen Teil des Kapitalbedarfs decken, siehe etwa den Inflation Reduction Act (IRA) der US-Regierung. Aber auch die Privatwirtschaft wird gefordert sein. Eine zentrale Rolle bei der notwendigen Reallokation von Kapital wird dabei den Banken zukommen.

Aufsichtsbehörden erhöhen den Druck

Bereits 2020 veröffentlichte die EZB einen Leitfaden, wie Banken klima- und umweltbezogene Risiken steuern und offenlegen sollen. Im November 2022 zeigte eine EZB-Untersuchung, dass fast alle der untersuchten 186 Banken noch Defizite bei der Identifizierung dieser Klima- und Umweltrisiken haben. Es ist zu erwarten, dass die Aufsichtsbehörden den Druck erhöhen werden. Und es wird zunehmend nicht allein um Klimarisiken gehen. Auch der Erhalt der biologischen Artenvielfalt und andere Umwelt- oder Sozialrisiken werden immer relevanter.

Banken werden sich daher noch intensiver mit diesen Risiken befassen. Klima- und Umweltrisiken, heruntergebrochen auf ihr Finanzierungsportfolio, werden in die Kreditrisikoanalyse einfließen. Das wird sich auf die Kreditkonditionen auswirken. „Grüne Vorhaben“ können von günstigeren Bedingungen profitieren, umgekehrt kann es aber auch perspektivisch zu Einschränkungen für Unternehmen kommen, bei denen keine Bereitschaft erkennbar ist, sich zum Beispiel den Dekarbonisierungszielen anzuschließen.

Begleiter der Transformation

Für Unternehmenskunden hat dies verschiedene Auswirkungen: Unternehmen, die ihre Transformation vorantreiben wollen, werden Finanzierungen zur Umsetzung des Übergangs erhalten können. Banken werden bei der Neuausrichtung ihres Kreditportfolios einen großen Fokus auf die Dekarbonisierung legen. Und schließlich bedeutet es auch, dass Geldinstitute ihre Kreditengagements bei Kunden mit eingeschränkter Möglichkeit oder geringem Interesse an Dekarbonisierung perspektivisch reduzieren werden.

Im Vordergrund stehen die Finanzierung sauberer Energietechnologien und die Begleitung von Kunden aus CO2 -intensiven Branchen in ihrer Transformation. Diese Schritte sind nicht immer einfach, aber sie sind unverzichtbar für die Zukunft.

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