Verkauft Mercedes-Benz einen Teil seines Werks in Berlin-Marienfelde? Wie zunächst die „Wirtschaftswoche“ berichtete, soll der Autobauer den Teilverkauf des dortigen Südwerks ausloten. Der Gesamtbetriebsrat von Mercedes sei entsprechend informiert worden, heißt es.
Mercedes-Benz bestätigte einen möglichen Teilverkauf auf FINANCE-Nachfrage verklausuliert, nannte aber keine weiteren Details zu einem möglichen Deal: „Im Zuge der Transformation prüft das Werk auch Optionen zur Effizienzsteigerung in Form einer Flächenoptimierung ohne Auswirkungen auf die Beschäftigung am Standort.“
E-Mobilität: Mercedes-Benz rüstet Marienfelde um
Mercedes ist nur einer von vielen Autobauern, die angesichts mauer Nachfrage und schmelzender Gewinnmargen zuletzt umfangreiche Sparprogramme aufgelegt haben. So will Mercedes unter anderem seine Fixkosten in den nächsten drei Jahren in Größenordnung von 10 Prozent senken. Auch Produktionskosten und -kapazitäten sollen gesenkt werden.
Der nun in der Diskussion stehende Standort Marienfelde ist der älteste Produktionsstandort von Mercedes-Benz und gehört zum weltweiten Powertrain-Verbund. Vor einigen Jahren sollte das Werk geschlossen werden, aber 2021 einigte sich der Autobauer mit Arbeitnehmern und Gewerkschaften dann doch auf einen Transformationsplan. Dieser sieht unter anderem vor, dass dort ab 2026 Elektromotoren, sogenannte Axial-Fluss-Motoren, in Großserie vom Band laufen.
„Die Produktionsanlagen sind bereits installiert und die Produktion der Entwicklungseinheiten läuft auf Hochtouren“, betonte Mercedes-Benz gegenüber FINANCE. Außerdem gebe es schon heute Montageumfänge bei elektrischen Antriebseinheiten und bei elektrischen Steuergeräten von Batterien.
Ergänzend wurde in Marienfelde bereits 2022 ein Kompetenzzentrum für Digitalisierung in der Produktion angesiedelt. Dieser „Digital Factory Campus“ soll Software entwickeln und ist im weltweiten Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz als Anlauffabrik im Anlagenbereich vorgesehen.
Trotz Millioneninvestitionen: Standort wird wohl schrumpfen
Das finanzielle Bekenntnis zum Standort: Insgesamt lässt sich Mercedes-Benz den Umbau bis 2027 einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass das Werk mit der Transformation schrumpft.
„Die Fertigungstiefe und -volumen konventioneller Antriebe werden im Zuge der Transformation schrittweise reduziert, was entsprechend Auswirkungen auf Beschäftigungsprofile und -umfänge hat“, heißt es dazu vom Autobauer. 2021 habe man in der Betriebsvereinbarung entsprechend „auch eine Reihe personeller Maßnahmen festgeschrieben“.
Ähnlich sieht es auch in Werken anderer Autobauer aus. Im Zuge der E-Mobilität werden deutlich weniger Arbeitskräfte benötigt, denn der Fertigungsaufwand ist bei E-Autos geringer als bei Verbrennern.
Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.
