Imtech Deutschland ist pleite. Die Bilanz ist schaurig, die Korruptionsvorwürfe zahlreich.

Royal Imtech

07.08.15
Wirtschaft

Imtech Deutschland ist pleite

Nachdem die Banken den Geldhahn zugedreht haben, ist die Brandschutzfirma des neuen Berliner Flughafens (BER), Imtech Deutschland, pleite. Ein Blick in die Bilanz lässt vermuten, warum.

Die seit längerem mit Negativschlagzeilen aufwartende Gebäudetechnikfirma Imtech Deutschland ist pleite. Laut einer öffentlichen Bekanntmachung des Amtsgerichts Hamburg wurde am Donnerstag Abend um 17:15 Uhr gegen die Imtech Deutschland das Insolvenzverfahren eröffnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Gericht den Rechtsanwalt Peter-Alexander Borchardt bestellt, der ankündigte, dass alle Bauvorhaben der Imtech Deutschland fortgeführt werden. Geschäftsführer Felix Colsman wird laut Angaben der holländischen Mutter Royal Imtech in Deutschland im Amt bleiben, jedoch aus dem Vorstand der Mutter ausscheiden.

Den Grund für die Insolvenz nannten Imtech und das Gericht nicht, jedoch befand sich Royal Imtech seit Juli mit der deutschen Tochter und den Geldgebern in zähen Verhandlungen über einen neuen 75 Millionen Euro schweren Liquiditätsspielraum für die Gruppe und ihre Töchter. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden, was möglicherweise den Insolvenzantrag ausgelöst hat.

Bilanz von Imtech Deutschland ist schaurig

Dieser Verdacht erhärtet sich bei einem Blick in die desaströse Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres 2014. Gegenüber dem Vorjahr schmolz die Cash-Position des Unternehmens von 90 auf 2,4 Millionen Euro zusammen – wohl in Folge sehr schwacher Geschäfte: Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von Imtech Deutschland betrug minus 83,5 Millionen Euro.

Der Jahresfehlbetrag summierte sich auf 86,3 Millionen Euro, was gegenüber dem Vorjahreswert von minus 202,5 Millionen Euro aber sogar noch eine Verbesserung darstellte. Um die Finanzierung war es schon zum Jahresende 2014 schlecht bestellt: Bei „verbundenen Unternehmen“ – vermutlich der niederländischen Mutter – stand Imtech Deutschland zu diesem Zeitpunkt mit 114,3 Millionen Euro in der Kreide. Insgesamt summierten sich die Verbindlichkeiten auf über 300 Millionen Euro, und der Bilanzverlust lag über der Eigenkapitaleinlage der Kommanditisten.

Imtech Deutschland in Korruptionsfälle verstrickt

Nicht nur die Bilanz von Imtech Deutschland liest sich schlecht. Das gilt auch für die Schlagzeilen, für die der ehemalige Namensgeber der Hamburger Fußballarena in letzter Zeit gesorgt hat. Zuletzt wurde Imtech mit einem Korruptionsverdacht am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg konfrontiert. Zuvor brachte ein Whistleblower mutmaßliche Preisabsprachen und Bestechungen im Zusammenhang mit zwei Kraftwerksprojekten von RWE ans Licht, wie dem aktuellen Geschäftsbericht von Imtech Deutschland zu entnehmen ist.

Darüber hinaus wurden bereits im Geschäftsbericht 2012 „auf Manipulationen beruhende Unregelmäßigkeiten bei Imtech-Gesellschaften in Deutschland, überwiegend bei der Imtech Deutschland“ beschrieben, die „auf Anweisung der damaligen Geschäftsleitung“ erfolgt sein sollen. Anfang Februar 2013 wurden deshalb drei Mitglieder der Geschäftsleitung sowie der Controlling-Leiter abberufen. Dem Unternehmen zufolge sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, auch verschiedene Staatsanwaltschaften und das Kartellamt gehen den möglichen Verfehlungen nach. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat die Insolvenz aber „keinen Einfluss auf die Ermittlungen“. Reuters bezieht sich dabei auf eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg.

Betroffen von der Imtech-Pleite ist der neue Berliner Flughafen BER. Laut einem Bericht des „Spiegel“ ist der geplante Eröffnungstermin nun wieder stark gefährdet. Der Spiegel bezieht sich dabei auf frühere Aussagen des ehemaligen Flughafenchefs Hartmut Mehdorn, der Imtech als extrem wichtig für das Projekt bezeichnet hatte.

Der Gang der deutschen Tochter in die Insolvenz macht die holländische Imtech-Aktie zum Pennystock. Seit Bekanntwerden der Insolvenz ist der Kurs von 2,50 Euro auf 0,74 Euro eingebrochen. Das trifft auch die Commerzbank, die mit mehr als 11 Prozent an Imtech beteiligt ist, nachdem im Vorjahr eine Kapitalerhöhung von den Banken nicht wie geplant ausplatziert werden konnte. Die Commerzbank dürfte durch den Kursrutsch rund 50 Millionen Euro verloren haben.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de