Märkte & Wirtschaft
16.03.17

Britischer Finanzmarkt schottet sich ab

Brexit: Diese Regulierungen sollten CFOs kennen

Von Desirée Backhaus

Die Kapitalmärkte zwischen Großbritannien und der EU sind eng verwoben. Doch mit einem harten Brexit entfällt die gemeinsame Rechtsgrundlage. Das hat Folgen für M&A, Hedging und Finanzierung.

Tomas Sereda/Thinkstock/Getty Images

Welche Rolle die Londoner City nach dem Brexit spielen wird, hängt entscheidend vom künftigen Umgang mit EU-Kapitalmarktregulierungen ab.

In dieser Woche hat das Brexit-Gesetz die letzte Hürde im britischen Parlament genommen. Damit kann Premierministerin Theresa May noch in diesem Monat den Austritt Großbritanniens aus der EU einleiten. Sie strebt einen harten Brexit an. Citi, HSBC, Barclays, JP Morgan und diverse Banken in der Londoner City schmieden deshalb gerade Umzugspläne. Denn sie werden ihr EU-Geschäft künftig nicht länger von der Themse aus betreiben können.

Doch für welche Geschäfte gilt der sogenannte EU-Pass überhaupt? Bei welchen der zahlreichen Kapitalmarktregulierungen könnte der Brexit-Effekt durch ein sogenanntes Äquivalenzregime abgemildert werden? Und worauf müssen sich CFOs im Hinblick auf M&A, Bondplatzierungen am britischen Kapitalmarkt und Steuerrecht einstellen?

Mit diesen Fragen befasst sich ein jetzt veröffentlichtes Positionspapier des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Der vollständige Report steht für registrierte FINANCE-Leser in unserer White Paper Library kostenlos zum Download zur Verfügung.

Der Verband, in dem sich börsennotierte Unternehmen zusammengeschlossen haben, will den Verhandlungsführern in London und Brüssel aufzeigen, wo aus seiner Sicht besonders heikle Fragestellungen lauern. Das Papier dient aber ebenso als Nachschlagewerk für Finanzchefs. Denn es analysiert im Detail, welche Folgen der Brexit für Kapitalmarktregulierungen haben könnte – und damit für Finanzierung, Bankbeziehungen, Hedging und Liquiditätsmanagement. 

Brauchen CFOs neue Banken fürs Hedging?

Beispiel Hedging: Laut DAI wird derzeit ein Großteil des deutschen Derivatevolumens von britischen Marktteilnehmern gehandelt. Das ist kein Problem, schließlich ist es gemäß der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II möglich, innerhalb der EU grenzüberschreitend Wertpapiere und Derivate anzubieten, ohne dafür eine nationale Erlaubnis zu benötigen.

Bei einem harten Brexit würde Großbritannien allerdings zu einem Drittstaat im Sinne des EU-Rechts. Zwar lässt Mifid II in einigen Fällen ein sogenanntes Äquivalenzregime zu. Das hieße, britische Banken könnten ihren EU-Pass behalten. Die Krux: Das gilt nur für Investmentdienstleistungen für professionelle Kunden. Laut DAI-Interpretation gehört das Firmenkundengeschäft nicht dazu. Die Folge: „Für die Treasury-Abteilungen wichtige Bankdienstleistungen rund um Risiko- und Liquiditätsmanagement könnten nicht mehr aus London heraus erfolgen“, sagt Michaela Hohlmeier, Leiterin Kapitalmarkttrends und Innovation beim DAI.

Wird der Zugang zum britischen Kapitalmarkt erschwert?

Beispiel Kapitalmarkt: Zwar spielen Pfund-Anleihen bei deutschen Unternehmen eher eine untergeordnete Rolle. Doch einige große Dax-Konzerne wie beispielsweise RWE, BASF und BMW emittieren regelmäßig Sterling-Bonds. Zudem sprechen deutsche Unternehmen auch für Euro-Anleihen auf britische Investoren an. Bislang haben die Emittenten einfachen Zugang zum Kapitalmarkt auf der Insel. Laut DAI wählen sie dabei häufig Privatplatzierungen, um Prospekterfordernissen zu entgehen.

Wie es damit nach einem Brexit weitergehen wird, ist allerdings noch völlig unklar. Die EU-Drittstaatenregelung regelt lediglich den Zugang von ausländischen Emittenten zum EU-Kapitalmarkt. Wie Großbritannien seinen Finanzmarkt aufstellt, ob die lokalen Behörden Ausnahmeregelungen für institutionelle Platzierungen beibehalten oder alternativ wenigstens von der deutschen Finanzaufsicht Bafin gebilligte Prospekte anerkennen, ist noch unklar. Emissionsbanken und CFOs werden die weitere Entwicklung genau beobachten müssen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Der gesamte Report des DAI steht registrierten FINANCE-Nutzern in der White Paper Library zur Verfügung.

Mehr über die Folgen des britischen Votums für einen Austritt aus der EU lesen Sie auf unserer Themenseite zum Brexit.