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Kippt die Eigenverwaltung bei Signa Prime?

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Ringen um den Sanierungsplan bei Signa Prime Selection: Übernimmt letztlich ein Treuhänder? Foto: driendl - stock.adobe.com
Ringen um den Sanierungsplan bei Signa Prime Selection: Übernimmt letztlich ein Treuhänder? Foto: driendl - stock.adobe.com

Kommt eine Treuhandlösung bei der Signa Prime Selection? Bis zur Gläubigerversammlung am kommenden Montag wird für die insolvente Signa-Gesellschaft noch an einem verbesserten Sanierungsplan gefeilt. Dabei gibt es auch konkrete Überlegungen, das Signa-Prime-Vermögen inklusive Immobilien und sämtlicher Ansprüche an die Gläubiger und eine Treuhand abzugeben, bestätigte der Gläubigerschutzverband KSV1870 gegenüber FINANCE.  

Das würde bei der wertvollsten Signa-Gesellschaft ein Ende der Eigenverwaltung bedeuten. Bei Signa Prime Selection hat René Benkos weit verzweigte Signa-Gruppe zahlreiche Handelsimmobilien gebündelt, unter anderem die der Kadewe-Gruppe und jene, die an die deutsche Warenhauskette Galeria vermietet sind. Auch der Elbtower in Hamburg ist Teil des Portfolios.  

Gläubiger opponieren gegen geplanten Immobilienverkauf  

Im Fokus stand zuletzt aber vor allem Signa Primes 100-Prozent-Beteiligung an der Signa Assets, über die sie die Kontrolle über ein Paket österreichischer Luxusimmobilien hat: Die Wiener Immobilien Park Hyatt, Tuchlauben (Goldenes Quartier) und Renngasse 2 (Verfassungsgerichtshof) sowie in Innsbruck das Kaufhaus Tyrol sollen im Paket verkauft werden. Dadurch wollen das Signa-Prime-Management und Sanierungsverwalter Norbert Abel von der Kanzlei Abel Rechtsanwälte einen Teil der für den Sanierungsplan benötigen Finanzmittel auftreiben.  

Etliche Versicherer, die bei Signa investiert sind, fürchten dagegen, dass die Immobilien dabei unter Wert verkauft würden. Das Paket aus Handels-, Hotel- und Wohnimmobilien sei für viele potentielle Käufer wie Family Offices oder spezialisierte Immobilienfonds wegen seiner Vielfalt uninteressant. Sie forderten daher zuletzt sogar ein Ende der Selbstverwaltung.  

Treuhand: Hoffen auf mehr als 30 Prozent  

Sollte es tatsächlich zu einer Treuhandlösung kommen, können die Gläubiger auf mehr als die bislang in Aussicht gestellte Quote von 30 Prozent in zwei Jahren hoffen. Denn die Treuhand würde nicht nur die Liegenschaften, sondern auch sämtliche Ansprüche übernehmen und diese für sie verwerten. Außerdem würde dies den Zeitdruck verringern, die Immobilien besonders schnell zu verkaufen, weil die Zahlungsfrist unter Umständen verlängert werden kann.  

Die Prime-Gläubiger haben bislang Forderungen in Höhe von insgesamt rund 6,3 Milliarden Euro angemeldet. Am 18. März sollen die Gläubiger über den Sanierungsplan abstimmen.  

Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Benko  

Indes soll Signa-Gründer René Benko im Visier der deutschen Ermittlungsbehörden stehen, berichtet „Bild am Sonntag“: Die Staatsanwaltschaft München I habe im November ein Verfahren wegen Verdachts auf Geldwäsche eingeleitet. Konkret soll es um Gelder für ein Bauprojekt in der Münchner Innenstadt gehen, die ins Ausland abgeflossen sein sollen. Die Staatsanwaltschaft wollte den Bericht gegenüber FINANCE nicht kommentieren.   

Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.