Bei Unicredit und Commerzbank kehrt keine Ruhe ein. Nachdem Unicredit in der vergangenen Woche rund 9 Prozent der Anteile der zweitgrößten Bank Deutschlands erworben hatte, scheint sich Widerstand gegen eine mögliche Fusion der zwei Banken zu formieren.
Grätscht die Deutsche Bank dazwischen?
Einen Deal torpedieren könnte etwa die Deutsche Bank. Diese soll Insidern zufolge darüber nachdenken, bei einer möglichen Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit den Italienern das Leben schwer zu machen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.
Laut Bloomberg hätten Vorstandschef Christian Sewing und seine Kollegen unter anderem darüber diskutiert, auch bei der Commerzbank einzusteigen. Die Deutsche Bank könnte etwa die restlichen Commerzbank-Anteile von 12 Prozent von der Bundesregierung zum Teil oder komplett erwerben.
Die Deutsche Bank teilte auf Nachfrage von FINANCE mit: „Wir äußern uns nicht zu Wettbewerbern. Wie unser Vorstandschef Christian Sewing bereits vor zwei Wochen erklärt hat, fokussiert sich die Deutsche Bank auf ihre Wachstumsstrategie.“
CEO Knof äußert sich verhalten zu Orcels Aussagen
Widerstand baut sich indes auch innerhalb der Commerzbank auf. Angesprochen auf die Aussagen des Unicredit-CEO, der eine Fusion zwischen Unicredit und Commerzbank anstrebt, äußerte sich Commerzbank-Chef Manfred Knof am gestrigen Montag am Rande einer Veranstaltung des Bankenverbands zurückhaltend: „Ich nehme das alles zur Kenntnis. Aber ich habe einen eigenen Plan“, zitiert ihn das „Handelsblatt“.
Sollte „jemand anderes gute Ideen“ vorlegen, prüfe die Commerzbank diese „im Sinne aller Stakeholder-Gruppen“. Zunächst will sich Knof aber auf die im vergangenen Jahr vorgestellte Strategie, die bis 2027 reicht, fokussieren – und betonte zugleich die Stärke der Bank: „Die Commerzbank hat gezeigt, dass sie wieder stark ist, dass sie liefert“. Wie viel Knof letztlich von den Auswirkungen des Einstiegs der Italiener spüren wird, bleibt abzuwarten. Er wird seinen Ende Dezember 2025 auslaufenden Vertrag nicht verlängern.
Außerdem soll Finanzkreisen zufolge derzeit eine „Defense-Strategie“ von Commerzbank, Goldman Sachs und der Kommunikationsagentur FGS ausgearbeitet werden, berichtet das „Handelsblatt“. Dabei soll es aber nicht nur um die reine Abwehr einer Übernahme gehen, vielmehr sollen verschiedene Handlungsoptionen durchgespielt werden.
Bundesregierung verärgert über Vorgehen von Unicredit
Auch beim Bund gibt es Unmut über den Vorstoß der Unicredit bei der Commerzbank, während Kritiker die These des von den Italienern überrumpelten Bundes hinterfragen. Wie das „Handelsblatt“ aus Regierungskreisen vernommen haben will, ärgere man sich in Berlin darüber, dass Unicredit beim Erwerb der Anteile der Commerzbank nicht transparent vorgegangen sei. „Zu dem Zeitpunkt, als das Bookbuilding-Verfahren unumkehrbar gestartet wurde, war dem Bundesfinanzministerium nicht bekannt, dass Unicredit über weitere Anteile an der Commerzbank verfügt“, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums gegenüber dem „Handelsblatt“.
Hinzu kommt: Unicredit soll den höchsten Kaufpreis geboten und deshalb am Ende auch den Zuschlag bekommen haben – schließlich handelte es sich um ein diskriminierungsfreies Verfahren. Sprich: Der Bund hätte keinen Investor bevorzugen oder benachteiligen dürfen. In Regierungskreisen wird dem Vernehmen nach zudem argumentiert, Unicredit hätte die Anteile auch schlichtweg am freien Markt erwerben können und hätte das Paket des Bundes damit gar nicht zwingend gebraucht, um die aktuelle Position aufzubauen.
Unicredit-CEO Orcel streitet ein intransparentes Vorgehen indes ab. „Als wird die Anteile von der Regierung gekauft haben, wusste diese von unseren bestehenden Anteilen in Höhe von 4,5 Prozent. Die Regierung war also zumindest neutral gegenüber dem Ausbau unserer Anteile“, sagte Orcel in einem Interview mit Bloomberg TV.
Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
