Die Finanzszene trauert. Der Privatbankier Friedrich von Metzler ist am Sonntag im Alter von 81 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben. Das teilte das Bankhaus Metzler mit. Er gehörte zu den bekanntesten Privatbankiers der Bundesrepublik.
Mehr als fünf Jahrzehnte prägte Metzler das gleichnamige, renommierte Geldinstitut Metzler. Mit dem Aufkommen des Kapitalmarktgeschäfts in den 1970er Jahren konnte das Haus unter seiner Führung sein traditionelles Know-how gezielt einsetzen und mit dem Markt wachsen.
„Friedrich von Metzler hinterlässt mit seinem außerordentlichen Engagement, Weitblick und sozialer Verantwortung eine Lücke in der deutschen Banken- und Kulturlandschaft“, so Wolfgang Kirch, Vorsitzender des Aufsichtsrats bei B. Metzler seel. Sohn & Co AG. „Er war Bankier aus Leidenschaft, Bürger aus Überzeugung und von Herzen ein Frankfurter.“
Sein Vermächtnis werde in der Arbeit des Bankhauses weiterleben und sein gesellschaftliches Engagement in der Stadt Frankfurt und darüber hinaus in zahlreichen Initiativen und Institutionen fortbestehen. Denn in Frankfurt war von Metzler bekannt als Unterstützer und Geldgeber für Kunst, Wissenschaft und Kultur. So gründete er etwa die „Albert und Barbara von Metzler-Stiftung“, die Projekte für Kinder und Jugendliche fördert. Und er ist unter anderem Träger des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse und wurde 2004 zum Ehrenbürger von Frankfurt ernannt.
Von Metzler: auch als Philanthrop geschätzt
Von Metzler hat den Finanzplatz Frankfurt und viele Menschen geprägt, das zeigen die zahlreichen Kommentare und Beileidsbekundungen auf den Social-Media-Kanälen des Bankhauses. „Seine visionäre Kraft, seine Werte und sein vorbildliches Engagement haben Maßstäbe gesetzt“, heißt es dort etwa. Und: „Einer der letzten ehrenwerten Bankiers, großer Mäzen und Schutzpatron für Frankfurt tritt ab.“ Aber auch „Sein großes Engagement hat die Stadt Frankfurt geprägt – zum Wohle ihrer Bürgerinnen und Bürger“ und „Mit Friedrich von Metzler verlieren wir einen der größten Bankiers und Philanthropen Europas.“
1969 trat von Metzler in das Bankhaus ein, welches sich damals in elfter Generation ununterbrochen in Familienbesitz befand. Er wurde 1971 persönlich haftender Gesellschafter, gemeinsam mit seinem Vetter Christoph von Metzler. Der Bankier trieb die Modernisierung und Internationalisierung des Bankhauses voran, das heute weltweit 800 Mitarbeitende zählt. Zudem setzte er sich auch für die Modernisierung des Finanzplatzes Frankfurt ein: In den 80er- und 90er-Jahren war von Metzler maßgeblich beteiligt an der Umwandlung der Frankfurter Wertpapierbörse in die Deutsche Börse AG, später saß er lange im Aufsichtsrat des Konzerns.
Das Bankhaus Metzler ist weiterhin in Familienhand
Im Jahr 2018 zog sich Friedrich von Metzler aus der operativen Leitung der Bank zurück. Die Eigentumsverhältnisse blieben jedoch weiterhin in der Hand der Familie Metzler. Die Kinder von Friedrich von Metzler, Elena und Franz, halten jeweils rund 40 Prozent der Aktien, während Christophs Sohn, Leonhard von Metzler, 20 Prozent besitzt. Trotz seines Rückzugs blieb Friedrich von Metzler dem Bankhaus eng verbunden: Er pflegte den Kontakt zu Kunden und setzte sich aktiv für die Aktie als Kapitalanlage ein.
Besonders ein Ereignis sorgte für Entsetzen, auch in zahlreichen Beileidsbekundungen findet dieses einen Platz: 2002 wurde von Metzlers elfjähriger Sohn Jakob entführt und ermordet. Die Familie äußerte sich jahrelang nicht öffentlich zu dem Verbrechen. Ein persönliches Anliegen jedoch war ihr die zum zehnten Jahrestag ausgestrahlte ZDF-Verfilmung „Der Fall Jakob von Metzler“.
Das Bankhaus Metzler nimmt Abschied mit den Worten, dass das Andenken von Friedrich von Metzler „Ehre und Verpflichtung zugleich“ sein sollen.
Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.
