Das Management der Commerzbank hat den Widerstand gegen eine Übernahme durch Unicredit aufgegeben. „Wir sind offen, mit Unicredit eine Lösung zu finden“, sagte CEO Bettina Orlopp in einer Telefonkonferenz mit Analysten zu den Ergebnissen des zweiten Quartals 2026: „Wir müssen einen Pfad in die Zukunft ausloten. Deshalb haben wir Gespräche begonnen.“ Gleichzeitig stellte die Commerzbank-CEO klar, dass das Management allen Stakeholdern und auch den Minderheitsaktionären verpflichtet ist.
In die Gespräche mit Mailand geht die Commerzbank mit einem Rekordergebnis, in den ersten sechs Monaten des Jahres verdienten die Frankfurter so gut wie nie zuvor. Im Firmenkundengeschäft hält die Commerzbank Kurs. Die Frankfurter Großbank meldete für das zweite Quartal Erträge von 1,23 Milliarden Euro, ein Plus von 5 Prozent gegenüber April bis Juni 2025. Im ersten Quartal 2026 waren diese Zahlen noch etwas besser ausgefallen. Die Erträge lagen in dem Zeitraum bei 1,25 Milliarden Euro.
Im zweiten Quartal trugen sowohl der Zins- als auch der Provisionsüberschuss wesentlich zu dem Zuwachs bei, unter anderem weil die Bank höhere Einnahmen aus Anleiheemissionen, dem Zahlungsverkehr sowie dem Garantiegeschäft erzielte und Unternehmen mehr Kredite nachfragten. Das durchschnittliche Kreditvolumen lag im zweiten Quartal bei 123 Milliarden Euro, 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Commerzbank bleibt im Tagesgeschäft stabil
Orlopp wertete das als einen Beleg dafür, dass das Übernahmeangebot und sein Ausgang bislang wenig Einfluss auf das operative Geschäft hatten. „Wir haben keine negativen Folgen von der Übernahme auf das Tagesgeschäft verzeichnet“, sagte Orlopp in der Telefonkonferenz.
Das operative Ergebnis des Firmenkundengeschäfts blieb im gesamten ersten Halbjahr 2026 allerdings hinter dem Vorjahreszeitraum zurück. Es belief sich auf 1,06 Milliarden Euro, 3,6 Prozent weniger als von Januar bis Juni 2025.
Insgesamt meldete die Commerzbank Einnahmen von 6,5 Milliarden Euro und blieb bei ihrer Prognose von 13,2 Milliarden Euro für das Gesamtjahr. Beim operativen Ergebnis verbuchte das Geldhaus einen neuen Rekordwert: Es stieg um 14 Prozent und erreichte 2,7 Milliarden Euro, das Nettoergebnis stieg um satte 40 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro.
Beim Verhältnis von Aufwand und Ertrag (CIR) verbesserte sich die Commerzbank ebenfalls leicht und erreichte im zweiten Quartal einen Wert von 52,9 Prozent, 2,9 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Im Vergleich mit der Bieterin Unicredit nimmt sich der Wert dennoch hoch aus. Die Mailänder meldeten für das zweite Quartal im Deutschlandgeschäft eine CIR von 35,9 Prozent.
Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.
