Newsletter

Abonnements

Restrukturierungs-News: Wellensiek, Anchor, Mayer & Cie.

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Anchor wächst mit Nicole Riedemann und Florian Dausend erweitert Wellensiek. Fotos: Anchor; Wellensiek; Montage: FINANCE
Anchor wächst mit Nicole Riedemann und Florian Dausend erweitert Wellensiek. Fotos: Anchor; Wellensiek; Montage: FINANCE

Florian Dausend wechselt zu Wellensiek

Die Partnerschaft der Sanierungsboutique Wellensiek wächst in Frankfurt mit Florian Dausend. Er wird an der Seite von Alfred Hagebusch als Co-Standortleiter des Frankfurter Teams fungieren. Neben seiner neuen Tätigkeit wird er weiterhin als Partner bei Cornelius Treuhand aktiv sein. Diese Position bekleidet er bereits seit 2014, seit 2022 als Managing Partner.

Dausend ist spezialisiert auf Corporate Finance, M&A und Restrukturierung. Er berät seit mehr als 15 Jahren nationale und internationale Unternehmen und bringt dabei als Betriebswirt langjährige kaufmännische Expertise ein. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in komplexen Restrukturierungsprojekten, insbesondere in Eigenverwaltungen einschließlich Schutzschirmverfahren sowie Sanierungen nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG).

Anchor wächst mit Nicole Riedemann

Zum Oktober erweitert die Restrukturierungseinheit Anchor ihre Partnerschaft. Nicole Riedemann kommt von der Kanzlei Eckert, wo sie über drei Jahre als Partnerin tätig war und den Berliner Standort leitete. Davor war sie über acht Jahre bei BBL Brockdorff & Partner tätig. Sie startete ihre Karriere bei HWW Hermann Wienberg Wilhelm.

Mit ihrer Erfahrung in der Restrukturierung und im Immobilienrecht, insbesondere im Bereich Distressed Real Estate und Spezialimmobilien in der Gesundheitswirtschaft, verstärkt sie das Team um Alexander Reus und Vincenz von Braun.

Strickmaschinenhersteller Mayer & Cie. geht in Eigenverwaltung

Der Strickmaschinenhersteller Mayer & Cie. soll Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet haben. Zuerst berichtete die „Wirtschaftswoche“ darüber. Der schwäbische Rundstrickmaschinenhersteller wird von Martin Mucha (Grub Brugger) als Generalbevollmächtigter unterstützt. Ilkin Bananyarli (Pluta) ist als vorläufiger Sachwalter eingesetzt, wie die Restrukturierungseinheiten gegenüber FINANCE bestätigten.

Mayer & Cie. hat sich auf Herstellung und Verkauf von Rundstrick- und Flechtmaschinen spezialisiert, die nahezu komplett in den Export gehen. Am Stammsitz in Albstadt beschäftigt Mayer & Cie. rund 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Hersteller für Rundstrick- und Flechtmaschinen agiert in einem Markt, der derzeit durch globale Ereignisse in Turbulenzen geraten ist.

So führten der Handelskonflikt zwischen den USA und China und der Krieg in der Ukraine weltweit zu Investitionszurückhaltung. Der wichtige Exportmarkt Türkei kämpft mit hoher Inflation, wodurch die dortigen Textilhersteller nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Gleichzeitig bieten staatlich subventionierte Hersteller aus China ihre Textilmaschinen zu günstigen Preisen auf dem Weltmarkt an. Dies führte zu einem Umsatzeinbruch von annähernd 50 Prozent im vergangenen Jahr – bei gleichzeitig gestiegenen Kosten. 

Ziel des Generalbevollmächtigten Mucha sei es, den Geschäftsbetrieb wie gewohnt fortzusetzen. Er werde sich mit der Geschäftsführung darauf konzentrieren, die Kernkompetenzen des Unternehmens zu erhalten, lässt sich Mucha in einer Mitteilung zitieren.

 

76 Millionen Euro für Arcandor-Insolvenzmasse

Ein bemerkenswerter Erfolg für die Arcandor-Insolvenzverwaltung: Die D&O-Versicherer von sechs ehemaligen Aufsichtsratsmitgliedern haben 76,5 Millionen Euro zur Insolvenzmasse beigetragen. Dies erfolgte nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm aus dem Jahr 2022, das Schadensersatzansprüche im Zusammenhang mit der Veräußerung und der Anmietung von Warenhaus-Immobilien in den Jahren 2004 und 2005 in Höhe von 53,6 Millionen Euro plus Zinsen bestätigte.

Anschließend hatten die Parteien Nichtzulassungsbeschwerden beim Bundesgerichtshof (BGH) eingereicht, um das Urteil des OLG Hamm überprüfen zu lassen. Parallel dazu hatte die Insolvenzverwaltung unter Hans-Gerd Jauch (Jauch Dahl Linnenbrink) mit den D&O-Versicherern einen Vergleich verhandelt. Der gerichtliche Erfolg im April 2022 war bereits der zweite in diesem Komplex, nachdem zuvor 30 Millionen Euro von den Oppenheim Esch Fonds erlangt wurden.

Der Hintergrund: Im Jahr 2010 wurden Schadensersatzansprüche gegen elf frühere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder geltend gemacht, die mit der unrentablen Übernahme von Hertie-Warenhäusern verbunden waren. Diese Immobilien wurden unter Marktwert verkauft und überteuert zurückgemietet, was zu einem bilanzierten Verlust von 175 Millionen Euro führte. 

Kupfer-Gruppe übernimmt Allgäu Fresh Foods

Das Sanierungsverfahren des Fleischwarenherstellers Allgäu Fresh Foods wurde zum August 2025 eröffnet, wie aus einer Mitteilung des Generalbevollmächtigten hervorgeht. Bereits im Mai begann ein Investorenprozess, der nun mit dem deutschen Lebensmittelproduzenten Kupfer-Gruppe als neuem Mehrheitseigner abgeschlossen wurde. Die Feneberg Gruppe bleibt mit 49 Prozent beteiligt und ist weiterhin der größte Kunde. Der Insolvenzplan, der die Entschuldung vorsieht, wurde eingereicht. Wichtige Gläubiger unterstützen den Plan.

Die Kupfer-Gruppe, ein Lebensmittelproduzent, sieht Synergiepotenziale und plant, die Beschäftigung weitgehend zu sichern. Grub Brugger begleitet Allgäu Fresh Foods bei dem Verfahren, Jochen Sedlitz (Grub Brugger) ist als Generalbevollmächtigter im Verfahren eingesetzt.

Pella Sietas-Werftgelände kommt unter den Hammer

Das Gelände der insolventen Hamburger Schiffswerft Pella Sietas wird zwangsversteigert, wie der Insolvenzverwalter Achim Ahrendt (HWW Hermann Wienberg Wilhelm) mitteilte. Ein herkömmlicher Investorenprozess scheiterte aufgrund eines Grundpfandrechts der sanktionierten russischen Sberbank.

Das Gericht legte den 13. November 2025 als Versteigerungstermin fest. Die Zwangsversteigerung ist laut Insolvenzverwalter der einzige Weg, das Grundstück trotz der Sanktionen zu verwerten. Zum Verkauf steht das 14 Hektar große Werftgrundstück an der Elbe mit einem Verkehrswert von 25,8 Millionen Euro. Der unter Denkmalschutz stehende Jucho Kran auf dem Gelände gehört einer Leasinggesellschaft und ist nicht Teil der Versteigerung.

Der neue Eigentümer muss mit dem Denkmalamt und dem Kranbesitzer über die Zukunft des Krans verhandeln. Auch die auf dem Gelände tätigen Umschlagsunternehmen müssen ihre Tätigkeit mit dem neuen Eigentümer klären. Die Sberbank als einer der größten Gläubiger kann aufgrund der Sanktionen keinen Anteil am Verkaufserlös erhalten.

Beteiligungen des Brillenherstellers Menrad verkauft

Im Insolvenzverfahren des Brillenherstellers Menrad gibt es erste Erfolge: Nach dem Verkauf der Markenrechte hat Insolvenzverwalter Florian Zistler (Pluta) zwei internationale Beteiligungen veräußert: Die brasilianische Menrad do Brasil ging an den Geschäftsführer, während Mondottica Limited den 50-prozentigen Anteil an Mondottica Deutschland übernahm. Beide Transaktionen wurden von SGP Corporate Finance begleitet. Zistler betont, dass diese Schritte das bestmögliche Ergebnis für die Gläubiger sichern. Das Insolvenzverfahren der Menrad-Gruppe läuft seit Mai 2025.

Duisburger Chemieunternehmen Venator ist insolvent

Das Duisburger Chemieunternehmen Venator Germany hat Insolvenz beantragt. Das Gericht bestellte Sarah Wolf (Anchor) zur vorläufigen Insolvenzverwalterin. Bereits Ende August wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren für die Venator Uerdingen eröffnet mit Jan-Philipp Hoos (White & Case) als Verwalter.

Die Krise resultiert aus gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten sowie einem Umsatzrückgang, wie aus einer Mitteilung der Insolvenzverwaltung hervorgeht. Die Konzernmutter stelle keine weiteren Mittel bereit, und in Großbritannien würden bereits Insolvenzverfahren laufen. 

Die Venator-Gruppe führt weltweit 25 Produktionsstätten mit insgesamt rund 2.300 Mitarbeitenden in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien. Die Duisburger Gesellschaft, deren Ursprünge bis 1878 zurückreichen, konzentriert sich seit der Verlagerung der Titandioxidproduktion auf funktionelle Additive und Nano-Fine-Produkte.

Niederländer übernehmen Automobilzulieferer UBC Composites

Im Eigenverwaltungsverfahren des auf Verbundfaserstoffe spezialisierten Unternehmens UBC Composites gibt es positive Entwicklungen. Der Automobilzulieferer hat nach intensiven Verhandlungen einen neuen Investor gefunden. Die niederländische AM Group, spezialisiert auf die Bereiche Premium-Automobiltechnik, Personalisierung und fortschrittliche Verbundwerkstoffe, übernimmt den Geschäftsbetrieb und will alle 166 Arbeitsplätze in Deutschland und der Slowakei sichern. Unterstützt wurde der Prozess von Philip Konen und Ludwig Stern (Pluta) sowie dem Sachwalter Sebastian Krapohl (Görg). Der Betriebsübergang erfolgte zum September.

Info

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.