Deutsche Börse plant Milliarden Deal
Die Deutsche Börse verhandelt exklusiv über die Übernahme der europäischen Fonds-Handelsplattform Allfunds. Der Frankfurter Börsenbetreiber bietet den Allfunds-Aktionären insgesamt 8,80 Euro pro Aktie, aufgeteilt in 4,30 Euro in bar, 4,30 Euro in eigenen Aktien und einer Dividende von 20 Cent für das laufende Jahr. Die Übernahme ist jedoch noch nicht gesichert. Zu den Großaktionären von Allfunds zählt der US-Technologieinvestor Hellman & Friedman. Vorherige Gespräche zwischen Hellman & Friedman und dem Finanzinvestor CVC scheiterten an Preisunterschieden.
Die Aktie der Deutschen Börse reagierte verhalten negativ auf die Übernahmepläne. Vor Bekanntwerden des Deals lag sie noch mit 4 Prozent im Plus, verringerte sich jedoch auf ein Plus von 3,2 Prozent bei 228,30 Euro. Im Gegensatz dazu stieg die Allfunds-Aktie in Amsterdam zeitweise um mehr als 9 Prozent. Der Börsenwert von Allfunds beträgt rund 4 Milliarden Euro, etwa ein Zehntel der Marktkapitalisierung der Deutschen Börse.
Bastei Lübbe übernimmt Webtoon-Verlag Papertoons
Das Verlagshaus Bastei Lübbe baut seine Präsenz im wachsenden Comic- und Manga-Segment durch die vollständige Übernahme des Spezialverlags Papertoons aus. Die Transaktion wird zum 1. Januar 2026 vollzogen, der Vertrieb des Programms geht ab dem 1. Februar 2026 auf die Kölner Verlagsgruppe über, teilte das Unternehmen mit. Das gesamte Team von Papertoons bleibt an Bord und wird in die Strukturen des Prime-Standard-notierten Unternehmens integriert.
Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Zukauf will Bastei Lübbe seine Position im Community-getriebenen Unterhaltungssegment stärken und das Wachstumspotenzial im Webtoon- und Manhwa-Bereich erschließen.
Papertoons wurde 2022 gegründet und hat sich als erster deutscher Verlag ausschließlich auf Webtoons und Manhwas spezialisiert – vertikal scrollbare digitale Comics, mit Ursprung in Südkorea, die vor allem bei einer jungen Zielgruppe populär sind. Das Unternehmen bringt internationale Erfolgsformate aus Südkorea, China und weiteren Märkten als hochwertige Printausgaben auf den deutschen Markt.
Die Akquisition fügt sich in die von Finanzvorstand Mathis Gerkensmeyer angekündigte M&A-Strategie ein, über die er vor Kurzem bei FINANCE-TV sprach. Bastei Lübbe, das nach einigen Jahren der Krise inzwischen de facto schuldenfrei ist, würde für weitere Zukäufe auch Kapitalmaßnahmen in Betracht ziehen, so der CFO im Gespräch.
Doosan Bobcat strebt Übernahme bei Wacker Neuson an
Der Münchner Baumaschinenhersteller Wacker Neuson steht vor einem möglichen Eigentümerwechsel. Das im SDax notierte Unternehmen bestätigte fortgeschrittene Gespräche mit dem südkoreanischen Konkurrenten Doosan Bobcat über den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung. Nach Angaben von Wacker Neuson erwägt der südkoreanische Baumaschinenhersteller, rund 63 Prozent der Aktien von Großaktionären zu übernehmen. Zusätzlich sei ein öffentliches Barangebot an alle außenstehenden Aktionäre geplant. Ob es tatsächlich zu einem Verkauf der Anteile und einem Übernahmeangebot komme, sei derzeit noch nicht absehbar, teilte das Unternehmen mit.
Die Münchner werden aktuell mit rund 1,6 Milliarden Euro an der Börse bewertet. Die Hauptanteilseigner sind Neuson Forest mit rund 25,8 Prozent und die Familie Wacker mit rund 16,7 Prozent. Etwa 30 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz. An der Börse stieß die Nachricht auf positive Resonanz: Der Aktienkurs von Wacker Neuson legte zeitweise um mehr als 35 Prozent zu und notierte am Donnerstagmorgen bei knapp 26 Euro.
Weitere M&A-Deals
Das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen Biontech hat einen wichtigen Meilenstein bei der Übernahme des Tübinger Konkurrenten Curevac erreicht. Bis zum Ablauf der ersten Angebotsfrist wurden rund 81,74 Prozent der Curevac-Anteile in Biontech-Hinterlegungsscheine getauscht und damit die Mindestannahmeschwelle von 80 Prozent überschritten. Curevac-Aktionäre können ihre Anteile noch bis zum 18. Dezember im Rahmen einer Nachangebotsfrist tauschen. Die von den Vorständen und Aufsichtsräten beider Unternehmen einstimmig genehmigte Transaktion soll voraussichtlich noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Verbliebene Anteile werden laut Biontech automatisch umgetauscht, wofür die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung von Curevac zugestimmt hatten.
Katjes International hat über ihre Tochtergesellschaft Future Snacks einen Vertrag zum Erwerb von 100 Prozent der Geschäftsanteile an dem britischen Snackunternehmen Nature Delivered sowie der Marke Graze von Unilever unterzeichnet. Die Transaktion erfolgt als Carve-out und umfasst neben dem vollständigen Marken- und Produktportfolio auch die Übernahme von rund 200 Mitarbeitern sowie einer Produktionsstätte in London. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Vollzug der Transaktion steht unter dem Vorbehalt des gesetzlichen Mitarbeiter–Konsultationsprozesses im Vereinigten Königreich sowie üblicher Vollzugsbedingungen und wird für das erste Halbjahr 2026 erwartet. Finanziert wird die Übernahme aus dem bestehenden Cash sowie über ein Akquisitionsdarlehen, teilte Katjes mit.
Der chinesische E-Commerce-Konzern JD.com hat sich nach Ablauf der weiteren Annahmefrist erfolgreich 59,8 Prozent der Anteile an der Ceconomy gesichert. In Kombination mit der verbleibenden Beteiligung des zukünftigen Partners Convergenta kommt JD.com nach Vollzug des Angebots auf eine Gesamtbeteiligung von 85,2 Prozent an dem Omnichannel-Einzelhändler. Über den Angebotspreis wurde keine Angabe gemacht. Der Vollzug der Transaktion unterliegt weiterhin den üblichen regulatorischen Freigaben und wird in der ersten Hälfte des Jahres 2026 erwartet.
Der Schweizer Baustoffkonzern Holcim hat eine Mehrheitsbeteiligung am Recyclinggeschäft von A&S Recycling mit Sitz in Hannover erworben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Akquisition ist Teil einer umfassenderen Strategie: Holcim hat parallel auch die Übernahme von Thames Materials in Großbritannien abgeschlossen und eine Vereinbarung zum Erwerb eines Recyclingunternehmens im Nordwesten Frankreichs unterzeichnet. Mit den Übernahmen will Holcim seine Führungsposition im Bereich des zirkulären Bauens ausbauen und zum selbst gesetzten Ziel beitragen, bis 2030 jährlich mehr als 20 Millionen Tonnen Bauschutt zu recyceln.
Die Aareon Group, ein Anbieter von SaaS-Lösungen für die Immobilienwirtschaft, übernimmt das türkischen PropTech-Unternehmen Apsiyon. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mit der Akquisition will die Mainzer Aareon ihre Position in Europa ausbauen und in neue Wachstumsmärkte expandieren. Das Gründungsteam von Apsiyon wird das Unternehmen auch als Teil von Aareon weiterführen. Der Abschluss der Transaktion steht unter dem Vorbehalt üblicher behördlicher Genehmigungen. Apsiyon wurde bei der Transaktion von Odin Financial beraten, Aareon von Core Finance sowie rechtlich von Hogan Lovells unter Leitung des Frankfurter Partners Maximilian Broermann.
SEFE Securing Energy for Europe verkauft 100 Prozent der Geschäftsanteile an SEFE Mobility an die in Münster ansässige Biogeen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. SEFE Mobility mit Sitz in Berlin betreibt mehr als 50 Tankstellen für erneuerbare Biokraftstoffe in Deutschland und Tschechien, beschäftigt acht Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2024 einen Umsatz von rund 12 Millionen Euro. Der Vollzug der Transaktion wird für Ende des Jahres erwartet, sobald alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen. Biogeen wurde von McDermott Will & Schulte beraten, SEFE von Baker McKenzie.
M&A-Berater-News
Die Kanzlei Orrick verstärkt sich mit einem vierköpfigen Team von Norton Rose Fulbright. Michael Prüßner und Benjamin Schikora steigen als Partner ein, während Hannah Frahm als Senior Associate und Helge Meyer als Managing Associate einsteigen. Damit verstärkt die Kanzlei ihr M&A- und Private-Equity-Team am Münchner Standort.
Michael Prüßner ist seit Oktober 2022 für Norton Rose Fulbright tätig gewesen und bekleidete in dieser Zeit als Partner die Rolle des Head of Corporate M&A and Securities Germany. Im Laufe seiner Karriere war der Anwalt unter anderem auch für das Big-Four-Haus EY, Eversheds Sutherland Germany oder das Modeunternehmen Peek & Cloppenburg tätig.
Sein Kollege Benjamin Prüßner war ebenfalls seit Oktober 2022 bei Norton Rose Fulbright angestellt. Außerdem war er zeitgleich mit Prüßner bei Eversheds Sutherland Germany und Pinsent Masons tätig. Insgesamt arbeiten die beiden schon seit 2018 gemeinsam. Jedoch ist Prüßner in dieser Zeit erstmals Partner.
M&A-Gerüchteküche
Der chinesische Sportartikelhersteller Anta Sports prüft eine mögliche Übernahme von Puma, wie Bloomberg berichtet. Anta, zu dessen Markenportfolio Fila, Salomon und Jack Wolfskin gehören, denkt über eine Zusammenarbeit mit einem Finanzinvestor nach, heißt es weiter. Auch Li Ning und Asics zeigen Interesse an Puma. Die Gerüchte ließen den Aktienkurs von Puma zeitweise um mehr als 14 Prozent steigen. Puma kämpft mit hohen Lagerbeständen und einem Rückgang im Markenranking. Die französische Milliardärsfamilie Pinault hält 30 Prozent der Anteile, zeigt jedoch Offenheit für einen Verkauf, wenn der Preis stimmt.
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