Restrukturierungs-News: Meyer Burger, Rhenser Mineralbrunnen, Röbbig

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Der US-Investor Swift Solar hat Anlagen und Patente des insolventen Solarunternehmens Meyer Burger erworben. Foto: hayate - stock.adobe.com
Der US-Investor Swift Solar hat Anlagen und Patente des insolventen Solarunternehmens Meyer Burger erworben. Foto: hayate - stock.adobe.com

Investor erwirbt Anlagen und Patente von Meyer Burger

Die Insolvenzverwalter der deutschen Meyer-Burger-Standorte haben wesentliche Vermögenswerte an Swift Solar, einem US-Unternehmen im Bereich der Perowskit-Silizium-Tandemtechnologie, verkauft. Der Deal umfasst eine Solarzellen-Produktionsstraße in Bitterfeld-Wolfen sowie eine Fertigungsanlage in Hohenstein-Ernstthal. Beide Anlagen verfügen über eine Produktionskapazität im Gigawatt-Bereich. Zudem erwarb Swift Solar ein globales Patentportfolio, das für die Herstellung weiterer Produktionssysteme erforderlich ist. Die Gläubigerausschüsse stimmten dem Verkauf zu, dieser wurde bereits vollzogen.

Die deutschen Meyer-Burger-Gesellschaften hatten im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet. Die Insolvenzverwalter Lucas Flöther und Reinhard Klose (beide Flöther & Wissing) suchten weltweit nach Investoren, um die Standorte zu erhalten. Trotz anfänglichem Interesse internationaler Investoren war eine vollständige Fortführung beider Standorte nicht möglich. Mit Swift Solar wurde jedoch ein Käufer gefunden, der die Technologie weiterentwickeln kann. KPMG begleitete die Transaktion als Financial Advisor.

Mineralwasserhersteller sucht Investor

Der insolvente Mineralwasserhersteller Rhenser Mineralbrunnen hat einen Investorenprozess gestartet. Mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters Alexander Jüchser (Lieser) hat Geschäftsführer Holger Sieck die Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner mit der Begleitung des M&A-Prozesses beauftragt. Ziel sei es laut den M&A-Beratern einen Investor zu finden, der den Geschäftsbetrieb der Marken Rhenser, Silvetta und Wasserglück fortführt sowie die Zukunft des Traditionsunternehmens mit derzeit 140 Mitarbeitenden sichert. Erste Interessenten sollen bereits Interesse bekundet haben.

Röbbig-Kunst wird bei Sotheby‘s-Auktionen versteigert

Die Verwertung des umfangreichen Kunstbestands von Röbbig München, ehemals Händler für Meißener Porzellan, nimmt Fahrt auf. Nach Zustimmung der Gläubigerversammlung zum Verwertungskonzept von Insolvenzverwalter Dino Straub (Jaffé) werden die mehr als 700 Kunstgegenstände im Sommer und Herbst bei Sotheby’s in Paris und Köln versteigert. Die Bestandsaufnahme umfasste Objekte an acht Standorten in Europa, darunter Porzellan und Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

Bislang wurden Forderungen von 17 Millionen Euro im Insolvenzverfahren angemeldet, wovon 2,8 Millionen Euro anerkannt sind. Röbbig München, seit 1976 im gehobenen Kunsthandel etabliert, kämpfte seit 2022 mit rückläufigen Umsätzen und hohen Steuerschulden.

60-Prozent-Quote für Töpfer-Gläubiger

Positive Nachrichten für die Gläubiger des Bio-Babynahrungsherstellers Töpfer: Knapp zwei Jahre nach Beginn des Eigenverwaltungsverfahrens erhielten sie eine finale Ausschüttung, 60 Prozent beträgt die Insolvenzquote. Töpfer hatte im April 2024 das Verfahren zur Neuaufstellung beantragt, unterstützt von einem Sanierungsteam von Pluta. Die erste Planzahlung im Sommer 2025 betrug 43 Prozent, ergänzt durch einen Besserungsschein. Die Betriebsfortführung und eine Investorenlösung trugen maßgeblich dazu bei.

Les Lunes geht mit Taylor Wessing an Snocks

Der Basic-Wear-Händler Snocks hat die Vermögensgegenstände der insolventen Bekleidungsmarke Les Lunes erworben. Das gibt die rechtsberatende Kanzlei von Snocks, Taylor Wessing, bekannt. Unter der Leitung von Mark Hoenike unterstützte die Kanzlei den Basic Wear-Händler, der bereits im Mai 2025 bei der Übernahme der insolventen Femtis von der Kanzlei begleitet wurde. Snocks, 2016 in Mannheim gegründet, ist auf  Basisgarderobe spezialisiert und erzielte 2023 einen Umsatz von 70 Millionen Euro. Die 2011 in Berlin gegründete Marke Les Lunes fokussierte sich auf nachhaltige Damenbekleidung und beantragte im Oktober 2025 ein Eigenverwaltungsverfahren.

Carsten Paris wird neuer Partner bei EIP

Die Transformations- und Restrukturierungsberatung Executive Interim Partners in München erweitert ihr Team mit Carsten Paris, einem erfahrenen Turnaround-Manager. Paris bringt mehr als 25 Jahre internationale Erfahrung in Wirtschaftsprüfung, Private Equity und operativer Restrukturierung mit. Er hat in führenden Rollen bei Unternehmen wie der Hauck Gruppe und der Küpper Gruppe gearbeitet. Seine Erfahrung soll besonders in den Bereichen Retail und Automotive einfließen, um Unternehmen in Sondersituationen zu stabilisieren und neu auszurichten.

Partnerschaft von TMP wächst mit Restrukturierungsexperten

Auch Turnaround Management Partners hat sein Partner-Team erweitert. Hans-Christoph Daase und Markus Pöferlein verstärken die Beratung seit Mitte Januar an den Standorten Hamburg und München. Daase bringt umfassende Expertise in den Bereichen Restrukturierung, Transformation und Refinanzierung mit. Er war mehr als zehn Jahre bei PwC im Bereich Business Recovery Services tätig und berät seit 2022 als Interim Manager, insbesondere in der Automobil- und Immobilienbranche. Seine Schwerpunkte liegen in komplexen Restrukturierungsprojekten, einschließlich Schutzschirmverfahren und Sanierungen nach dem Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetz.

Pöferlein verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in Finanzen, Restrukturierung und Distressed M&A. Nach seiner Tätigkeit bei PwC wechselte er zur BMW Group, wo er als Krisenmanager im internationalen Lieferantenrisikomanagement arbeitete. 2020 trat zog es ihn in den Private-Equity-Bereich und er übernahm die Rolle des Interim-CFO bei einem Automobilzulieferer. Seit 2022 berät Pöferlein Unternehmen bei Restrukturierungs- und Turnaround-Initiativen und leitet den Münchener Standort von Turnaround Management Partners.

Info

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.