Anne und Stefan Lemcke holen zurück, was sie einst abgaben: Vier Jahre nach dem Verkauf an Nestlé erwerben sie ihr Gewürzunternehmen Ankerkraut, das sie 2013 in Hamburg gründeten, zurück. Beide Seiten verständigten sich einvernehmlich auf die Transaktion, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
PE-Investor EMZ verkaufte Ankerkraut an Nestlé
Der Weg zu diesem Rückkauf führte über einen klassischen Private-Equity-Umweg. 2020 stieg der Investor EMZ Partners mit rund 20 Prozent an Ankerkraut ein. EMZ-Partner Klaus Maurer gab damals noch zu Protokoll, einen Verkauf in den kommenden drei Jahren nicht zu planen.
Doch es kam anders: Die Geschäftsentwicklung der Hamburger übertraf die Erwartungen des Investors so deutlich, dass EMZ bereits 2022 einen schnellen Exit vollzog – gemeinsam mit den Gründern, dem Frühphasen-Investor Frank Thelen und weiteren Gesellschaftern. Käufer war Nestlé. Der Kaufpreis soll damals bei bis zu 200 Millionen Euro gelegen haben. EMZ erzielte dabei nach eigenen Angaben einen internen Zinsfuß (IRR) von über 50 Prozent.
Anders als EMZ blieben Anne und Stefan Lemcke nach dem Nestlé-Deal als Minderheitsaktionäre an Bord und führten das Unternehmen weiter operativ. Diese Kontinuität erweist sich nun als entscheidend: Die Gründer haben die Marke nie losgelassen – und holen sie jetzt vollständig zurück.
Unabhängigkeit als strategisches Ziel
Die Zusammenarbeit mit Nestlé beschreiben beide Seiten als konstruktiv und partnerschaftlich. Den Ausschlag für den Rückkauf gab laut Pressemitteilung eine veränderte Marktlage: Beide Parteien seien überzeugt, dass Ankerkraut als eigenständiges Unternehmen künftig flexibler und schneller agieren kann. Das Ziel sei es, die Marke wieder eng an ihre ursprüngliche Identität zu knüpfen – Leidenschaft für Gewürze, Hands-on-Mentalität und eine enge Verbindung zur Community.
Künftig wird Ankerkraut ohne externe Gesellschafter geführt. Neben den Gründern halten auch die langjährigen Geschäftsführer Timo Haas und Alexander Schwoch Unternehmensanteile und führen das Hamburger Unternehmen weiterhin operativ. Für die rund 160 Mitarbeitenden sowie für Handelspartner und Kunden soll die Transaktion keine Unterbrechung bedeuten.
Ankerkraut hat sich seit der Gründung zu einer der bekanntesten Premium-Gewürzmarken Deutschlands entwickelt, die Produkte sind heute in mehreren europäischen Märkten erhältlich. Der Umsatz liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich – eine solide Grundlage für den Neustart in Eigenregie.