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Nestlé kauft Ankerkraut: Private-Equity-Investor EMZ mit hohem Gewinn

Nestlé kauft das Hamburger Unternehmen Ankerkraut, von der Übernahme profitiert der Private-Equity-Investor EMZ Partners.
Nestlé kauft das Hamburger Unternehmen Ankerkraut, von der Übernahme profitiert der Private-Equity-Investor EMZ Partners. Foto: Dionisvera - stock.adobe.com

Der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé hat das Hamburger Gewürz-Start-up Ankerkraut gekauft. Verkäufer waren neben dem Gründerehepaar Anne und Stefan Lemcke der Private-Equity Investor EMZ Partners und die Investoren Matthias Knälmann und Frank Thelen. Thelen war als Frühphaseninvestor seit dem Auftritt der Ankerkraut-Gründer bei der TV-Show „Höhle der Löwen“ in das Start-up investiert. Die Ankerkraut-Gründer und das Management bleiben auch nach dem Verkauf an Nestlé als Minderheitsaktionäre an dem Unternehmen beteiligt und bilden auch weiter die Führungsriege.

EMZ macht mit Ankerkraut IRR von über 50 Prozent

EMZ hatte sich Mitte 2020 mit rund 20 Prozent an Ankerkraut beteiligt. Klaus Maurer, Partner bei EMZ, hatte damals beim Kauf der Anteile gegenüber FINANCE noch gesagt, EMZ plane nicht, Ankerkraut „in den nächsten drei Jahren zu verkaufen“.

Dass es nun doch zu einem schnellen Exit kam, liege an der überraschend dynamischen Geschäftsentwicklung der Hamburger, die die Erwartungen des Investors deutlich übertroffen habe, erklärte EMZ-Manager Guntram Kieferle im Podcast „What’s up Corporate Finance?”. Ihm zufolge wird Ankerkraut in diesem Jahr voraussichtlich über 50 Millionen Euro Umsatz machen, dieses Ziel war eigentlich erst für 2025 anvisiert worden. Der Preis, zu dem das Start-up nun an Nestlé verkauft wird, dürfte mehr als das Doppelte des Umsatzes betragen und könnte bei bis zu 200 Millionen Euro liegen. Wie Kieferle in dem Podcast erzählte, hat EMZ den Wert seines Investments „deutlich“ mehr als verdoppeln können. Die jährliche Rendite (IRR) liege klar über 50 Prozent.

Auch Private Equity wollte Ankerkraut kaufen

EMZ hat mit dem Verkauf offenbar das Momentum der Marktumstände genutzt: Kurz vor Weihnachten erst wurde der ähnlich große Wettbewerber Just Spices an den US-Konzern Kraft Heinz verkauft – ein M&A-Prozess, der in der Nahrungsmittelbranche auf großes Interesse stieß, weil im Markt für Gewürzmischungen deutlich mehr Dynamik steckt als in den meisten anderen Lebensmittelmärkten. Auch Nestlé soll sich damals für das Target interessiert haben, ging aber leer aus. Offenbar hat EMZ diesen erfolgreich Deal zum Anlass genommen, Ankerkraut am M&A-Markt zu präsentieren.

Auch die Auktion um Ankerkraut war nach Kieferles Darstellung hart umkämpft. „Bis zum Schluss“ seien auch Private-Equity-Häuser an einem Kauf interessiert gewesen. Dass letztendlich mit Nestlé ein strategischer Investor den Zuschlag bekommen hat, liege vor allem an dem großen internationalen Distributionsnetzwerk, das der Lebensmittelgigant mit bringe. Laut Kieferle seien für Ankerkraut zudem die Produktionskapazitäten, über die Nestlé verfügt, und der Zugang zu besseren Lieferkonditionen ausschlaggebend gewesen.

paul.siethoff[at]finance-magazin.de

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Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt über verschiedene CFO- und Corporate-Finance-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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