Offerte des US-Konzerns Silgan ist vom Tisch
Zu einer Übernahme von Gerresheimer durch den US-Wettbewerber Silgan dürfte es nicht kommen. Nach übereinstimmenden Medienberichten hat der angeschlagene Konzern die Offerte von Silgan abgelehnt. Gerresheimer wolle sich vorerst darauf konzentrieren, die Probleme bei der Bilanzierung zu lösen.
Silgan war im März mit einem unverbindlichen Angebot von 41 Euro je Aktie an das Düsseldorfer Unternehmen herangetreten. Das war grob das Doppelte des damaligen Börsenkurses. Dieser war in den Monaten zuvor auf Grund der Bilanzprobleme von über 100 Euro im September 2024 auf unter 20 Euro Anfang 2026 abgestürzt.
Um die Kapital- und Finanzierungsstruktur zu verbessern, plant Gerresheimer, seine US-Tochter Centor zu verkaufen, und mandatierte dafür die Investmentbank Morgan Stanley. Centor ist auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente spezialisiert, darunter Plastikbehälter, Fläschchen und Verschlüsse für die sichere Abgabe von Arzneimitteln im US-Endkundenmarkt. Gerresheimer hatte das Unternehmen 2015 für rund 725 Millionen US-Dollar erworben.
Kreditgeber gewähren Gerresheimer Fristaufschub
Gerresheimer hat eine wichtige Hürde genommen: Die Kreditgeber des Verpackungsspezialisten stimmen einer Fristverlängerung zur Vorlage des testierten Jahres- und Konzernabschlusses 2025 zu, wie das Unternehmen am Mittwochabend bekannt gab. Ursprünglich hätte der Spezialverpackungshersteller diesen bis Ende April vorlegen müssen. Die Schuldschein-Inhaber haben mit einer Quote von 96 Prozent des Gesamtvolumens von 870 Millionen Euro der neuen Frist bis zum 30. September bereits zugestimmt.
Auch die Bankenpartner einigten sich auf eine entsprechende Verlängerung – verbunden mit der Aussetzung wesentlicher Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad bis einschließlich des dritten Quartals 2026. Ausgelöst hatte den Zeitdruck eine Verschiebung des Jahresabschlusses, die auf laufende unternehmensinterne Untersuchungen zu Geschäftsvorgängen aus den Jahren 2024 und 2025 zurückgeht.
Warum es bei Gerresheimer überhaupt zur Krise kam, bleibt fraglich: Risikomanagementexperte Werner Gleißner zufolge könnte Gerresheimer die Anforderungen des StaRUG an ein wirksames Krisenfrühwarnsystem nicht erfüllt haben – obwohl Prüfer KPMG den letzten Jahresabschluss uneingeschränkt testiert hatte. Eine Lücke im Prüfungsstandard IDW PS 340 macht es möglich, dass solche Systemschwächen unentdeckt bleiben.
Parallel treibt Gerresheimer den Verkauf der US-Tochter Centor Inc. voran, um die Finanzierungsstruktur zu stabilisieren. Mit einer zweistelligen Anzahl von Interessenten ist der Prozess planmäßig gestartet – den Abschluss der Transaktion erwarte das Unternehmen noch in diesem Jahr, heißt es von Gerresheimer.
Gerresheimer ist aus dem SDax gefallen
Die Aktie von Gerresheimer ist seit heute nicht mehr im Börsenindex SDax enthalten. Grund für den Ausschluss durch den Indexanbieter Stoxx sind die Bilanzierungsprobleme bei dem Verpackungsspezialisten, durch den das Unternehmen seinen testierten Jahres- und Konzernabschluss nicht rechtzeitig zum 31. März vorlegen konnte. Geplant ist aktuell mit einer Veröffentlichung im Juni, auch die für den 3. Juni avisierte Hauptversammlung soll später stattfinden.
Durch den Ausschluss aus dem SDax dürfte das Interesse von institutionellen Anlegern an dem Papier weiter schwinden. Denn indexbasierte Fonds passen ihre Bestände an und schichten um – raus aus Gerresheimer-Titeln und rein in die nachrückenden Papiere. Dass dem Unternehmen der Rausschmiss aus dem Index droht, war schon seit Mitte März bekannt.
Statt Gerresheimer gehören nun die Aktien des bulgarische Technologiespezialisten Shelly Group dem SDax an. Das Unternehmen ist in Sofia an der Börse und unterhält in Frankfurt ein Zweitlisting.
Silgan hat offenbar Interesse an Gerresheimer
Der US-amerikanischen Verpackungskonzern Silgan Holdings soll Insidern zufolge Interesse an einer Übernahme des deutschen Spezialverpackungsherstellers Gerresheimer signalisiert haben. Wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag mitteilte, soll Silgan gemeinsam mit Beratern ein mögliches Angebot von 41 Euro je Gerresheimer-Aktie vorbereiten. Dies würde mehr als einer Verdoppelung des aktuellen Börsenkurses von rund 20 Euro entsprechen.
Ob es letztlich zu einem konkreten Angebot oder gar einem Deal komme, sei jedoch noch offen, so der Insider. Ein Unternehmenssprecher wollte die Marktgerüchte auf FINANCE-Anfrage nicht kommentieren.
Gerresheimer spricht mit Geldgebern
Gerresheimer muss die Veröffentlichung des Jahresabschlusses auf voraussichtlich Juni verschieben. Das Unternehmen hat deshalb bereits Gespräche mit den Kreditgebern aufgenommen, um eine Verlängerung der in den Finanzierungsverträgen festgelegten Vorlagepflichten des testierten Jahres- und Konzernabschlusses für das Geschäftsjahr 2025 zu vereinbaren. Was die Verschiebung für Gerresheimer noch bedeutet, lesen Sie hier.
Bafin weitet Bilanzkontrolle aus
Wie von Gerresheimer am 25. Februar angekündigt, wird die Bundesfinanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Bilanzkontrolle bei dem Düsseldorfer SDax-Unternehmen ausweiten. Demnach wird die Bafin die Kontrolle im Jahresabschluss 2024 prüfen,
- ob Leasingverbindlichkeiten mit einem Buchwert von 65,5 Millionen Euro in unzutreffender Höhe ausgewiesen sind,
- ob die Nutzungsdauern der aktivierten Entwicklungskosten mit einem Buchwert von 29,4 Millionen Euro im Anhang falsch angegeben sind und
- ob Vermögenswerte des Segments Advanced Technologies mit einem Buchwert von 196,5 Millionen Euro im Wert gemindert waren, ohne dass der Wertminderungsaufwand wie vorgeschrieben erfasst wurde.
Zusätzlich wird sie auch den Halbjahresbericht 2025 prüfen, weil Gerresheimer möglicherweise
- im Konzernzwischenlagebericht bestimmte Risiken aufgrund der Finanzierung des Erwerbs von Bormioli Pharma nicht mehr zutreffend beurteilt haben soll,
- im Konzernzwischenabschluss Wertminderungen von Vermögenswerten fehlerhaft nicht erfasst haben soll und
- im Konzernzwischenabschluss Umsatzerlöse und Umsatzkosten im Zusammenhang mit Bill-and-hold-Vereinbarungen unzutreffend erfasst haben soll.
Die Bafin hatte ursprünglich am 18. September die Bilanzprüfung bei Gerresheimer angekündigt.
Regelverstöße „teilweise bewusst“ geschehen?
Bei Gerresheimer geht es Schlag auf Schlag: Was vor knapp einem halben Jahr mit einer Bilanzkontrolle durch die Bafin begann, könnte sich zu einem ausgewachsenen Bilanzskandal entwickeln. Wie FINANCE erfahren hat, vermutet Gerresheimer nun selbst, dass die Regelverstöße „teilweise bewusst“ geschehen sein könnten. Bekannt ist nun auch, wer die forensische Prüfung durchführt – es ist überraschenderweise kein Big-Four-Haus.
Wer der Sonderprüfer ist, warum hier ein Bilanzskandal ins Haus stehen könnte und welche Fragen jetzt offen sind, lesen Sie in unserer Analyse.
Neue Vorwürfe: Bilanzaffäre bei Gerresheimer weitet sich aus
Die Bafin nimmt bei Gerresheimer nun auch Leasingverbindlichkeiten, Entwicklungskosten und womöglich ausgebliebene Wertminderungen in den Blick. Die DSW prüft derweil Schadensersatzansprüche. Die Bilanzaffäre weitet sich damit aus.
Gerresheimer holt zweiten Wirtschaftsprüfer rein
Das Ausmaß der Bilanzfehler bei Gerresheimer ist größer als angenommen. Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses wird verschoben. Ein weiterer Wirtschaftsprüfer soll nun KPMG unterstützen. Deshalb muss Gerresheimer die Veröffentlichung des Jahresabschlusses verschieben.
Gerresheimer: Die unfreiwillige Diät des Börsenlieblings
Gerresheimer hat ein katastrophales Jahr hinter sich. Der Pharma-Verpackungshersteller ist selbstverschuldet in eine Krise gerutscht. Doch die Aussichten für ein Comeback stehen gar nicht schlecht. Die große FINANCE-Analyse.
Gerresheimer räumt Bilanzfehler ein und lässt weiter ermitteln
Gerresheimer hat im Zuge der laufenden Bilanzkontrolle der Bafin eingeräumt, dass Bill-and-Hold-Umsätze des Unternehmens wohl tatsächlich zu früh gebucht worden sind. Das Unternehmen habe „erste Erkenntnisse aus einer von der Gesellschaft eingeleiteten externen, unabhängigen Untersuchung“ erlangt, teilte Gerresheimer am Samstagabend per Ad-hoc mit. Es soll sich mindestens um einen Umsatz von 3 Millionen Euro handeln.
Das steckt hinter der Bafin-Prüfung bei Gerresheimer
Gerresheimer soll zu hohe „Bill-and-Hold“-Umsätze ausgewiesen haben. Das Unternehmen widerspricht. Doch die FINANCE-Analyse zeigt: Ohne die Umsätze wäre die Prognose womöglich erneut gerissen worden. Hier finden Sie die Analyse.
Apas ermittelt gegen KPMG wegen Gerresheimer
Im Fall Gerresheimer kehrt keine Ruhe ein: Nach der Bafin nimmt nun auch Abschlussprüferaufsichtsstelle (Apas) Ermittlungen auf und hat ein berufsaufsichtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet, wie FINANCE vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle erfahren hat. Darum geht es in der Untersuchung der Apas.
AOC steigt bei Gerresheimer zum größten Aktionär auf
Wie aus einer Pflichtmitteilung hervorgeht, ist der aktivistische Investor Active Ownership Capital (AOC) über die Schwelle von 10 Prozent gerückt – damit ist er nun größter Aktionär. Der tatsächliche Anteil an Gerresheimer liegt bei 10,63 Prozent. Davon entfielen 8,75 Prozent auf Anteile und 1,88 Prozent auf Finanzinstrumente.
Bafin prüft Gerresheimer-Abschluss
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat ein Bilanzkontrollverfahren gegen die Gerresheimer Aktiengesellschaft eingeleitet. Die Düsseldorfer stehen in Verdacht, gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen zu haben, weshalb der Konzernabschluss vom 30. November 2024 und der zugehörige Lagebericht geprüft werden sollen. Abschlussprüfer bei dem börsennotierten Verpackungshersteller ist KPMG. Gerresheimer weist die Vorwürfe zurück und ist unverändert der Auffassung, dass Umsätze und Gewinne im Einklang mit den einschlägigen Rechnungslegungsvorschriften periodengerecht im Geschäftsjahr 2024 bilanziert wurden, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. So begründet die Bafin die Bilanzkontrolle.
Kann CFO Lehmann das Ruder bei Gerresheimer herumreißen?
Gerresheimers neuer CFO Wolf Lehmann soll bei dem kriselnden Verpackungshersteller das Ruder herumreißen. Keine leichte Aufgabe, denn das Lastenheft ist prall gefüllt. Vor diesen Herausforderungen steht Lehmann.
Nach AOC-Attacke: CFO Metzner geht
Bernd Metzner verlässt Gerresheimer. Zuvor war der CFO immer stärker unter Druck geraten. War der Druck am Ende zu groß? Sein Nachfolger Wolf Lehmann soll das Unternehmen nun in ruhige Fahrwasser führen.
AOC nimmt Gerresheimer-CFO Metzner ins Visier
Es herrscht Druck auf dem Kessel. Der börsennotierte Verpackungshersteller aus Düsseldorf sieht sich mit einem neuen aktivistischen Großinvestor konfrontiert. Active Ownership Capital (AOC), eine in Luxemburg ansässige Beteiligungsgesellschaft, ist mit 5,3 Prozent bei dem MDax-Unternehmen eingestiegen und hat sich über Kauf- und Verkaufsoptionen bereits Zugriff auf weitere 1,88 Prozent gesichert. Das geht aus einem Statement von AOC hervor, das FINANCE vorliegt.
AOC sieht ein „beträchtliches Wertsteigerungspotential“ bei dem Unternehmen und nimmt CFO Bernd Metzner ins Visier: „Vor dem Hintergrund der anhaltenden Underperformance und des Vertrauensverlustes im Kapitalmarkt sieht Active Ownership zudem die Notwendigkeit eines Management-Reviews, insbesondere im Hinblick auf die Position des Finanzvorstands und das mittlere Management“, heißt es in dem Statement von AOC.
Gerresheimer kauft Bormioli Pharma
Gerresheimer kauft in Italien zu. Das Düsseldorfer Unternehmen erwirbt über seine Tochtergesellschaft Gerresheimer Glas GmbH die Bormioli Pharma Group beziehungsweise deren Dach-Holding Blitz Luxco von Triton, wie beide am Donnerstagmorgen bekannt gaben. Der Private-Equity-Investor Triton hatte Bormioli Pharma bei einem Carve-out im Jahr 2017 übernommen.
Bormioli Pharma erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von rund 370 Millionen Euro und eine Adjusted-Ebitda-Marge von rund 21 Prozent. Dem Kaufpreis liege ein ermittelter Unternehmenswert von rund 800 Millionen Euro zugrunde, teilt Gerresheimer mit. Dies entspreche einem Adjusted-Ebitda-Multiple von rund 10. Die Transaktion werde vollständig in bar bezahlt und durch einen Bridge Loan mit zweijähriger Laufzeit finanziert, teilte Gerresheimer-CFO Bernd Metzner mit. Die ganze Meldung finden Sie hier.