Deutsche Telekom greift nach polnischer Glasfaser
Die Deutsche Telekom übernimmt die polnischen Unternehmen Fiberhost und Inea von dem Vermögensverwalter Macquarie Asset Management zu einem Unternehmenswert von rund einer Milliarde Euro. Fiberhost betreibt ein Glasfasernetz, das rund 1,4 Millionen Haushalte erreicht. Inea bringt als Breitband- und TV-Anbieter mehr als 300.000 Kunden mit. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt polnischer Wettbewerbsgenehmigungen.
Die beiden Unternehmen sollen den geplanten Strategiewechsel von T-Mobile Polska vorantreiben. Die Telekom-Tochter soll dabei vom reinen Mobilfunkanbieter zum vollintegrierten Telekommunikationskonzern mit eigenem Festnetz transformiert werden. Ein eigenes Glasfasernetz soll das Unternehmen künftig unabhängiger von Drittanbietern machen und ein breiteres konvergentes Produktangebot für Privat- und Geschäftskunden ermöglichen.
Münchener Rück kauft Cyber-Versicherer At-Bay
Die Münchener Rückversicherungsgesellschaft schlägt in den USA zu und übernimmt das Insurtech At-Bay. Die Münchener lassen sich den Deal knapp 500 Millionen Euro kosten. Das 2017 gegründete Unternehmen versichert kleine und mittelgroße Firmen gegen Cyberangriffe und erzielte 2025 Brutto-Beitragseinnahmen von 278 Millionen US-Dollar. Nach eigenen Angaben zählt At-Bay damit zu den zehn größten Cyber-Versicherern in den USA. Das Unternehmen beschäftigt 280 Mitarbeiter an Standorten in den USA und Israel. At-Bay bietet seinen Versicherungsnehmern neben dem Schutz auch Sicherheitslösungen zur Abwehr von Angriffen an. Damit unterscheidet sich das Modell von klassischen Cyber-Policen.
Mit dem Zukauf bauen die Münchener das Spezialversicherungsgeschäft aus. Angesichts sinkender Preise in der Rückversicherung setzt der Konzern verstärkt auf das Direktversicherungsgeschäft, in dem eigene Kunden direkt versichert werden, statt Erstversicherern Risiken abzunehmen. At-Bay kooperiert bereits mit der Münchener-Rück-Tochter Hartford Steam Boiler, die das Insurtech künftig steuern soll. Kleine und mittelgroße Unternehmen gelten in der Cyber-Sparte als attraktive Kunden, weil Klumpenrisiken dort in der Regel ausbleiben.
Trumpf kauft Laserspezialisten Cutlite
Trumpf übernimmt die Mehrheit an dem italienischen Laserspezialisten Cutlite. Das Unternehmen aus Prato beschäftigt rund 190 Mitarbeiter und entwickelt seit 34 Jahren maßgeschneiderte Hochleistungs-Laserschneidsysteme, darunter großformatige Anlagen mit Laserleistungen von 30 bis 60 Kilowatt sowie Maschinen für großformatige Rohre. Der Abschluss der Transaktion ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.
Mit dem Zukauf schließt Trumpf laut eigenen Aussagen eine Lücke im Produktportfolio: Der Bereich großformatiger Laserschneidanlagen war bislang nicht abgedeckt. Cutlite soll als eigenständige Marke mit eigenen Fertigungs-, Vertriebs- und Servicestrukturen erhalten bleiben. Zudem plant Trumpf die Kompetenzen von Cutlite weiter auszubauen, um das gesamte Spektrum der Blechbearbeitung abzudecken. Die Kanzlei CMS hat Trumpf bei der Transaktion beraten.
Weitere M&A-Deals
Daimler Truck reduziert seine Beteiligung an dem Lkw-Hersteller Archion von rund 40 auf 25 Prozent und nimmt dabei rund 600 Millionen Euro ein. Archion ist eine gemeinsame Holding von Daimler Truck und Toyota, unter der die Töchter Mitsubishi Fuso und Hino gebündelt sind. Mit dem Schritt erreiche Daimler Truck einen wichtigen strategischen Meilenstein, erklärte Finanzvorständin Eva Scherer.
Der US-Konzern Madison Air übernimmt den deutschen Ventilations- und Motorenspezialisten EBM-Papst von den Gesellschafterfamilien zu einem Unternehmenswert von 5,1 Milliarden Euro. Mit dem Zukauf verschafft sich Madison Air Zugang zur europäischen Lufttechnologie und baut sein Geschäft außerhalb Nordamerikas aus. EBM-Papst gewinnt einen neuen Eigentümer mit globalem Vertriebsnetz. Der Vollzug ist für den Jahreswechsel geplant, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Hengeler Mueller beriet Madison Air bei dem Deal, Milbank die Verkäuferfamilien.
M&A-Berater-News
Marco Superina übernimmt bei Lazard in Zürich die Leitung des Investment Banking für die Schweiz. Er kommt von UBS, wo er als Head of Global Banking Switzerland tätig war. Zuvor bekleidete er mehrere Führungspositionen bei Credit Suisse, darunter Head of M&A Switzerland und Head of M&A Northern Europe. Superina bringt fast 30 Jahre M&A-Erfahrung mit und stärkt Lazards DACH-Präsenz unter der regionalen Führung von Marcus Schenck.
Deals in Verhandlung
Henkels geplante Übernahme der Klebstoffmarke Liquid Nails ist vorerst gescheitert: Ein US-Bundesgericht gab vergangenen Freitag einer Klage der Kartellbehörde FTC statt und erließ eine dauerhafte Verfügung gegen die Transaktion. Das Gericht sah im geplanten Zusammenschluss einen Verstoß gegen amerikanisches Kartellrecht. Die FTC hatte im Dezember geklagt und argumentiert, eine Fusion der beiden Marken würde den Wettbewerb im US-Markt für Bau- und Montageklebstoffe erheblich einschränken. Henkel besitzt mit Loctite den größten direkten Wettbewerber von Liquid Nails. Das Unternehmen erklärte, die Entscheidung zu prüfen. Ob Henkel Rechtsmittel einlegen will, ließ ein Sprecher offen. Die Feststellungen der zuständigen Richterin bleiben vorerst unter Verschluss, bis beide Parteien weitere Stellungnahmen eingereicht haben. Ein mögliches Berufungsverfahren ist damit nicht ausgeschlossen.
M&A-Gerüchteküche
Porsche plant die Übernahme des Allgäuer Tuningunternehmens RUF Automobile, wie die „Wirtschaftswoche“ berichtete. Die Gespräche mit Eigentümer Alois Ruf sollen demnach weit fortgeschritten sein, ein Abschluss sei nicht mehr fern. Der Zukauf hätte strategische Bedeutung: RUF besitzt eine eigene Zulassung als Automobilhersteller und veredelt Verbrenner-Modelle von Porsche.
Porsche-Chef Michael Leiters will den Konzern zur reinen Sportwagenschmiede umbauen und das Angebot individuell konfigurierter Hochpreisverbrenner ausweiten, nachdem das Elektrogeschäft schwächelt. RUF könnte dabei die Fertigung solcher Fahrzeuge übernehmen. Ursprünglich soll Leiters den kalifornischen Tuner Singer als Übernahmeziel anvisiert haben, dort aber auf Ablehnung gestoßen sein, so das Magazin unter Berufung auf Insider.
Zeitgleich soll Porsche vor einem Verkauf des Beratungsunternehmens MHP stehen. Wie die „Börsen-Zeitung“ berichtete, soll eine Transaktion noch bis Ende August vereinbart werden. Als potentielle Käufer sollen sowohl Private-Equity-Investoren als auch strategische Bieter im Rennen sein. Porsche hatte MHP 2024 vollständig übernommen, die Beteiligung aber schon kurz darauf auf den Prüfstand gestellt.
MHP berät rund 300 Kunden in den Bereichen Automotive, Manufacturing, Aerospace sowie Public und Defense bei Strategie- und IT-Transformationsthemen. Das Unternehmen beschäftigt rund 4.500 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 743 Millionen Euro. Der Verkauf fügt sich in die laufende Portfolioüberprüfung des VW-Konzerns ein, der Beteiligungen verstärkt auf Kapitalbindung und strategische Relevanz prüft.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
