20.07.15
Banking & Berater

Alexander Doll wird alleiniger Deutschlandchef von Barclays

Alexander Doll wird FINANCE-Informationen zufolge alleiniger Deutschlandchef von Barclays. Er wird die deutschen Firmenkunden als erstes davon überzeugen müssen, dass der massive Stellenabbau der britischen Bank das hiesige Geschäft nicht schwächen wird.

Bisher hat Alexander Doll sich den Chefposten von Barclays Deutschland mit Ralf Herfurth geteilt. Jetzt übernimmt der Frankfurter Investmentbanker die Führung der Deutschland-Dependance der Bank alleine. Das FINANCE am Montag von der Bank erfahren. Die Bank hatte die Veränderung am Wochenende vor Mitarbeitern verkündet.

Doll war im August 2012 als 42-Jähriger zum Co-Chef von Barclays Deutschland ernannt worden. Jetzt steigt Doll nach nur drei Jahren zum alleinigen CEO auf, das Geschäft in Österreich und der Schweiz leitet er gleich mit. Ralf Herfurth wird unterdessen Chairman für die drei Länder. Die Beförderung unterstreiche „die Bedeutung des Deutschlandgeschäfts für Barclays sowie die Absicht, in diesem Kernmarkt weiter zu wachsen“, teilte ein Sprecher auf FINANCE-Anfrage mit.

Barclays kämpft mit verschärfter Regulierung

Das ist eine weitere Kampfansage einer ausländischen Großbank im deutschen Firmenkundengeschäft. Auch andere Häuser wie BNP Paribas, HSBC oder die ING haben Deutschland zum Zielmarkt erklärt und buhlen intensiv um die Gunst der CFOs deutscher Konzerne.

Doch auch Barclays kämpft wie die gesamte Branche in Europa und den USA mit einer harten Regulierung und Altlasten. Beides zehrt an den Margen und sorgt für Nervosität in der Londoner Zentrale. Erst Anfang Juli hat Barclays sich von dem langjährigen Gruppen-CEO Anthony Jenkins getrennt. „Eine neue Führung ist nötig, um das Tempo der Umsetzung“ der Neuausrichtung zu beschleunigen, begründete das Geldhaus den Chefwechsel. Ein Ersatz steht bisher nicht bereit, interimsweise leitet Verwaltungsratschef John McFarlane die Bank.

Nicht nur Barclays-Bank tauscht Topmanagement aus

Auch Dolls direkte Vorgesetzte wurden im Zuge der Neuausrichtung eingesetzt: Sam Dean und Crispin Osborne leiten seit April das Geschäft in Europa, der arabischen Welt und Asien (EMEA).

Barclays ist nicht die einzige Bank, die ihr Topmanagement durcheinander würfelt: Zuletzt haben die Deutsche Bank und Credit Suisse ihre globalen CEOs ausgetauscht, auch an der Spitze deutscher Dependancen tut sich derzeit einiges: Bei der Investmentbank Nomura löste Walter Heindl den Japaner Koichi Katakawa ab, wenige Wochen zuvor übernahm der frühere Deutsch-Banker Armin von Falkenhayn die Führung der Bank of America in Deutschland.

In Deutschland baut Barclays zunächst keine Stellen ab

Barclays ist in Deutschland vor allem im Firmenkundengeschäft aktiv. 220 Mitarbeiter kümmern sich aus dem Frankfurter Büro vor allem um M&A-Deals, Börsengänge, Anleiheemissionen und andere Dienstleistungen für Geschäftskunden. Daneben betreibt die Bank mit Barclaycard auch in Deutschland eine Kreditkarten-Sparte, die hierzulande 750 Mitarbeiter zählt, vor allem in Call-Centern.

Doch der noch zu bestimmende neue Barclays-Chef muss eine Rosskur durchführen. Die Bank plant, bis Ende des nächsten Jahres weltweit 19.000 Stellen zu streichen, davon 7.000 im Investmentbanking. Die britische Zeitung „The Times“ berichtet am heutigen Montag, die Bank habe die Zahl der Stellenkürzungen sogar auf 30.000 erhöht. Ein Sprecher der Bank wollte diesen Bericht gegenüber FINANCE nicht kommentieren.

Die Unruhe an der Bankspitze und die Gerüchte um einen forcierten Stellenabbau dürften die deutschen Firmenkunden beschäftigen. Doll wird viel tun müssen, um die Unsicherheit zu vertreiben. Noch hat er ein starkes Argument zur Hand: Bei der Bekanntgabe des weltweiten Sparziels von 19.000 Stellen vor gut einem Jahr hatte Barclays erklärt, in Deutschland solle nicht gekürzt werden.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de