Der Kapitalmarkt verlangt von der Deutschen Bank die mit Abstand höchsten Risikoprämien. Gleichzeitig stellt Deutschland auch die Bank mit den niedrigsten CDS-Spreads überhaupt.

Deutsche Bank

23.08.16
Banking & Berater

Ausfallversicherungen für Deutsche Bank sind am teuersten

Für keine andere Bank verlangen Kapitalmarktversicherer so hohe Ausfallprämien (CDS-Spreads) wie für die Deutsche Bank. Im internationalen Vergleich schneiden auch andere deutsche Banken beunruhigend schwach ab.

Um die deutschen Banken steht es schlecht. Das zumindest suggeriert die jüngste Entwicklung der Credit Default Swaps (kurz CDS). CDS-Spreads zeigen das aktuelle Ausfallrisiko eines Emittenten aus Sicht seiner Investoren. Credit Default Swaps sind Derivate, die an der Börse gehandelt werden. Je höher diese Risikoprämie ist, desto wahrscheinlicher halten es die Investoren, dass der Emittent ausfällt.

S&P Capital liefert tagesaktuell CDS-Spreads von insgesamt 30 internationalen Banken. Der Deutschen Bank spricht der Kapitalmarkt länderübergreifend das größte Ausfallrisiko zu. Am 22. August lag der Spread, also die Differenz zwischen einem CDS mit fünfjähriger Laufzeit und einer Unternehmensanleihe, bei 218,30 Punkten. Keine andere Großbank weist einen auch nur annährend so hohen Wert auf. Deutschlands größte Bank knackt sogar als einzige Bank die 200er-Marke.

Auch die zweithöchste Risikoprämie trägt mit der HSH Nordbank (166,38) ein deutsches Institut. Damit wird die Bonität einer Landesbank, der die Abwicklung droht, besser eingeschätzt als die Zahlungsfähigkeit von Deutschlands größtem Geldhaus.

LBBW und HSBC Trinkaus haben sehr geringe CDS-Spreads

Die übrigen deutschen Banken schneiden nur wenig besser ab. Bei der Commerzbank steht derzeit eine Risikoprämie von 122,20 Punkten zu Buche, für die zur italienischen Unicredit gehörende Hypovereinsbank verlangen die Investoren einen Spread von 104,55. Lediglich die Landesbank Baden-Württemberg (51,43 Punkte) und die HSBC Trinkaus Burkhardt (72,11 Punkte) behaupten sich gegen die internationale Konkurrenz. Bei der HSBC zieht S&P allerdings die Spreads der internationalen Konzernmutter heran, der deutsche Arm selbst wird nicht bewertet.

Die niedrigen Spreads der LBBW zeigen, dass sich die Skepsis der Investoren nicht per se gegen deutsche Banken oder Landesbanken richtet, sondern gezielt gegen einzelne Institute. Die LBBW bleibt allerdings eine Ausnahme, denn im Schnitt fallen die Risikoprämien der internationalen Konkurrenz um ein Vielfaches niedriger aus als bei den deutschen Banken. Die CDS-Spreads der holländischen Rabobank beispielsweise liegen mit 52,70 Punkten vier Mal niedriger als bei der Deutschen Bank. Auch die Bonität der ING-Gruppe wird mit 61,56 Punkten sehr solide eingeschätzt. 

CDS-Spreads von BNP Paribas, Barclays, Goldman notieren unter 100

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in der französischen Bankenlandschaft. Trotz politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten sieht der Kapitalmarkt in der Crédit Agricole (71,98), der Société Générale (73,2) und der BNP Paribas (73,47) kaum Ausfallrisiken. Die Risikoprämie von Barclays rangiert trotz Brexit mit 93,58 Punkten immer noch deutlich unter jener der Deutschen Bank und der Commerzbank. Ein Vergleich mit den amerikanischen Branchengrößen Bank of America (75,36), Goldman Sachs (93,57), J.P Morgan (61,23) und Morgan Stanley (91) erübrigt sich damit fast schon.

Die hohen CDS-Spreads für deutsche Banken bestätigten die Skepsis der Investoren, was Investments in deutsche Banken anbelangt. Beim KBV, also dem Kurs-Buch-Verhältnis, fällt das Kapitalmarkturteil ähnlich schlecht aus. Das KBV der Commerzbank hat Distressed-Niveau erreicht, die Deutsche Bank schneidet nur unwesentlich besser ab.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de