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10.07.18
Banking & Berater

Banken leiden im Firmenkundengeschäft

Der Preiskampf im deutschen Firmenkundengeschäft nimmt „ruinöse Züge“ an, warnt die Unternehmensberatung Bain. Mit ihren Firmenkunden verdienen die Banken so schlecht wie seit 2009 nicht mehr.

Der Wettbewerb unter den Banken im hart umkämpften deutschen Firmenkundengeschäft wird immer intensiver. Die Erträge und die Gewinne im Corporate Banking waren im zweiten Halbjahr 2017 so niedrig wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr, warnt die Beratungsgesellschaft Bain.

Deren Partner Christian Graf nimmt kein Blatt vor den Mund: „Fakt ist, dass der Wettbewerb im Corporate-Banking mittlerweile zum Teil ruinöse Züge trägt. Zahlreiche Institute verfolgen aggressive Expansionspläne, einige verzichten sogar komplett auf Margen, um ihr Geschäft auszuweiten.“

Banken vergeben Kredite ohne Marge

Der jetzt aktualisierte „Corporate-Banking-Index“ von Bain fördert besorgniserregende Zahlen zutage, besonders im Kreditgeschäft: Das Kreditvolumen bei den beobachteten Banken steige und steige – zuletzt auf 1,1 Billionen Euro. Jedoch ist die durchschnittliche Kreditmarge auf 1,3 Prozent gefallen, ein historisch niedriges Niveau.

Bain führt das darauf zurück, dass immer noch viele Banken glaubten, so Kunden gewinnen zu können, mit denen sie dann margenträchtiges Provisionsgeschäft machen könnten. „In der Realität bleibt das Cross-Selling aber meist hinter den Erwartungen zurück. Wer kurzfristig auf Marge verzichtet, unterminiert langfristig das eigene Geschäft“,  warnt Bain-Partner Jan-Alexander Huber.

Banken bekommen Kosten nicht in den Griff

Erschwerend kommt hinzu, dass die Kosten der Banken wieder zu steigen begonnen haben, vor allem wegen IT-Projekten, der Digitalisierung und der hohen Regulierungsanforderungen. Auch die Risikovorsorge hat im zweiten Halbjahr 2017, für das Bain jetzt die Bilanz zieht, wieder angezogen.

Die Konsequenz: Die Eigenkapitalrendite der Banken im Firmenkundengeschäft ist Bain zufolge so niedrig wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Vor allem bei deutschen Banken sind die Kosten viel zu hoch, hat erst vor zwei Wochen eine Analyse von EY gezeigt.

Profitabilität der Banken sackt ab

Konkret sank der Bain-Ertragsindex im zweiten Halbjahr 2017 im Vorjahresvergleich um 7 Prozent auf 129 Indexpunkte. Doch während die Erträge im Firmenkundengeschäft damit immer noch deutlich höher liegen als im ersten Halbjahr 2007, dem Referenzzeitraum, sieht es bei den Gewinnen düster aus: Der Profitabilitätsindex sackte im Vorjahresvergleich um 15 Prozent auf einen Indexstand von 87 ab.

Das ist weit entfernt vom ersten Halbjahr 2011, als das Firmenkundengeschäft der Banken am besten lief. Damals erreichte der Profitabilitätsindex den Höchststand von 175 Punkten – das ist doppelt so viel wie aktuell. Als Gegenmaßnahme rät Bain den Banken, ihr Firmenkundengeschäft „von A bis Z zu digitalisieren“ und sich starke Partner zu suchen.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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