Banken sind nur mit sich selbst beschäftigt

Jakob Eich/Frankfurt Business Media

22.06.18
Banking & Berater

Banken sind nur mit sich selbst beschäftigt

Weil Deutschlands Banken zu stark mit sich selbst beschäftigt sind, kommen ertragsfördernde Maßnahmen zu kurz. Das Ergebnis: Deutsche Banken haben weltweit die schlechtesten Cost Income Ratios.

Auch zehn Jahre nach der Finanzkrise sind die deutschen Banken immer noch zu stark mit sich selbst beschäftigt. Das verdeutlicht einmal mehr eine von Ernst & Young (EY) in Auftrag gegebene Umfrage unter 120 Banken in Deutschland. 70 Prozent der Befragten stammten dabei aus dem Lager der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Der Rest verteilt sich auf Regional- und Spezialbanken sowie auf Groß-, Landes- und Auslandsbanken.

Die Themen, mit denen sich Deutschlands Geldhäuser aktuell am stärksten beschäftigen, sind demzufolge das Risikomanagement, die Regulatorik und Kostensenkungen. Ertragssteigernde Maßnahmen wie beispielsweise der Aufbau neuer Geschäftsbereiche oder die Entwicklung beziehungsweise Einführung neuer Produkte habe dagegen nur für 18 beziehungsweise 12 Prozent der Befragten aktuell eine große Bedeutung. 

Unterirdische Cost Income Ratios deutscher Banken

Trotz ihres starken Fokus auf Kostensenkungen erreichen die Häuser damit wenig, schenkt man den aktuellen Daten von S&P Global Market Intelligence Glauben. Demzufolge liegt das Kosten-Ertrags-Verhältnis (Cost Income Ratio) deutscher Banken durchschnittlich bei rund 79 Prozent. Das sei der schlechteste Wert aller 64 untersuchten Länder.

Die Deutsche Bank verfüge mit rund 93 Prozent über einen der höchsten und damit schlechtesten Werte überhaupt, so S&P. Schuld daran seien unter anderem die milliardenschweren Strafzahlungen, zu denen die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren verurteilt wurde, aber auch anhaltende Restrukturierungskosten sowie IT-Investitionen. Gleichzeitig kämpft die Deutsche Bank schon länger mit einem Ertragsschwund im Investmentbanking, das noch immer für die Hälfte ihrer Erträge steht. 

Auch die Cost Income Ratio der Commerzbank ist laut S&P aufgrund von Restrukturierungen im vergangenen Jahr angestiegen. Im Geschäftsbericht weißt die Bank für 2017 eine Cost Income Ratio von 77,3 Prozent aus. Zum Vergleich: Die BNP Paribas kommt laut S&P auf eine Cost Income Ratio von rund 68 Prozent, die ING sogar nur auf 56 Prozent.

Banken hoffen auf Zinswende

„In den USA ist die Zinswende eingeleitet worden, Europa dürfte im kommenden Jahr folgen.“

Claus-Peter Wagner, Ernst & Young

Auch die Ertragslage der deutschen Banken ist seit Jahren angespannt, da der operative Gewinn stark vom Zinsüberschuss dominiert wird. Hier zeigen sich allerdings langsam erste Anzeichen einer Erholung. „In den USA ist die Zinswende eingeleitet worden, Europa dürfte im kommenden Jahr folgen“, glaubt Claus-Peter Wagner, Managing Partner bei EY. 

Die Europäische Zentralbank hatte vor wenigen Tagen angekündigt, ihr Anleihekaufprogramm zum Jahresende auslaufen zu lassen. 67 Prozent der befragten Banken rechnen damit, dass die EZB den Leitzins 2019 anheben wird.

Bankenkonsolidierung scheinbar kein Thema

Es darf jedoch bezweifelt werden, dass ein leicht steigendes Zinsniveau auch an Firmenkunden in Form von teureren Krediten weitergereicht wird. Ob Auslandsbanken, Private-Debt-Anbieter oder die deutschen Banken untereinander: die Konkurrenz um Firmenkundenmandate ist enorm, und von einer unmittelbar bevorstehenden Konsolidierung des Bankensenktors ist nicht auszugehen. 

Zwar rechnen laut der EY-Umfrage 51 Prozent der befragten Banken in den kommenden sechs bis zwölf Monaten mit größeren M&A-Aktivitäten im deutschen Bankensektor. Rund ein Viertel erwartet diese jedoch vor allem innerhalb des Genossenschafts- und Sparkassenlagers. Grenzüberschreitende Fusionen, wie zuletzt häufiger in den Medien spekuliert, erwarten dagegen nur 6 Prozent der Befragten.