BayernLB

18.04.19
Banking & Berater

BayernLB bald ohne Kapitalmarktvorstand?

Die BayernLB und ihr Kapitalmarktvorstand Ralf Woitschig gehen ab September getrennte Wege. Unklar ist, ob der Posten wieder nachbesetzt wird – es kursieren Gerüchte über eine Zusammenlegung mit dem Firmenkundengeschäft.

Die Bayerische Landesbank (BayernLB) wird den zum September auslaufenden Vertrag mit ihrem Kapitalmarktvorstand Ralf Woitschig nicht verlängern. Das bestätigte ein Banksprecher auf Nachfrage. Das Portal „Finanz-Szene“ hatte zuerst darüber berichtet. Was der Grund für sein Ausscheiden ist und wohin es ihn als nächstes zieht, ist nicht bekannt.

Woitschig war im Sommer 2014 von der Commerzbank nach München gewechselt. Bei der Commerzbank arbeitete er viele Jahre als Bereichsvorstand Public Finance, zuvor war er unter anderem bei der WestLB und der Deutschen Bank.

Für Woitschig sind mehrere Nachfolgeszenarien denkbar. Neben einer direkten Nachbesetzung scheint auch ein neuer Ressortzuschnitt im Vorstand möglich. Die „Finanz-Szene“ spekuliert, dass das Kapitalmarktgeschäft (Financial Markets) mit dem vom Michael Bücker geleiteten Firmenkundengeschäft (Corporates & Mittelstand) zusammengelegt werden könnte.

Das ungewöhnliche Kapitalmarktgeschäft der BayernLB

Bereits jetzt werden die Erträge aus Kapitalmarktprodukten in den jeweiligen Segmenten ausgewiesen, davon profitiert auch „Corporates & Markets“. Im Segment „Financial Markets“ befindet sich bisher neben Produkten zum Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement auch das Treasury der Bank. Einen nennenswerten Eigenhandel betreibt die Bank dort nach eigener Aussage jedoch nicht mehr.

Der Vorsteuergewinn des Segments sank im vergangenen Jahr um fast 90 Prozent von 99 auf 12 Millionen Euro – vor allem wegen des schwierigen Marktumfelds, wie die Bank betonte. Firmenkundenvorstand Bücker dürfte daher wenig erpicht darauf sein, das für Banken schwierige Kapitalmarktgeschäft künftig in seinem Ressort mitzuführen.

Bayerischer Finanzminister relativiert Verkaufsgerüchte

Ob es tatsächlich so kommt, ist aber noch völlig offen. Mit dem Antritt des neuen BayernLB-Chefs Stephan Winkelmeier Ende März hatte die Bank angekündigt, ihre Strategie auf den Prüfstand zu stellen. Seitdem kursieren im Markt die wildesten Gerüchte über die Zukunft der Landesbank: Von einer Neuausrichtung der Landesbank mit einer starken DKB als Anker bis zum kompletten Verkauf durch den Mehrheitseigner, das Land Bayern, wird derzeit vieles gemutmaßt.

Der bayerische Finanzminister Albert Füracker (CSU) kommentierte die Verkaufsgerüchte heute in der „Süddeutschen Zeitung“ zurückhaltend: Der Freistaat überlege nicht jeden Tag, ob er die BayernLB braucht oder nicht. Einen Verkaufsauftrag seitens des Freistaats gebe es jedenfalls nicht. Für den Finanzminister sei es derzeit die beste Option, mit Ruhe und Sorgfalt eine neue Strategie für die BayernLB festzulegen.

BayernLB holte neue Firmenkundenköpfe

Bereits im vergangenen Jahr gab es bei der BayernLB personell einige richtungsweisende Wechsel, vor allem im Firmenkundengeschäft. So tauschte die Landesbank ihren Mittelstandschef aus. Nach vier Jahren kehrte Jürgen Machalett der BayernLB den Rücken und wurde zum Jahreswechsel von dem Eigengewächs Stephan Hautkappe ersetzt. Vor rund einem Jahr übernahm zudem Stefan Boden die Leitung des Corporate-Finance-Geschäfts der BayernLB. Boden kam von der Deutschen Bank, der er 33 Jahre lang die Treue gehalten hatte.

Das Firmenkundengeschäft der BayernLB lief zuletzt deutlich besser als das Kapitalmarktgeschäft. Der Vorsteuergewinn war 2018 mit 161 Millionen Euro doppelt so hoch wie im Vorjahr, profitierte jedoch von mehreren Sondereffekten. Der Zinsüberschuss der BayernLB war, obwohl die Bank ihr Kreditvolumen um 4 Milliarden ausgeweitet hatte, dennoch um 5,7 Prozent auf 265 Millionen Euro gesunken.