Ambitionierte Ziele hat die französische Großbank BNP Paribas für den deutschen Markt ausgegeben. Hierzulande will die Bank zu den Top-5-Playern für Großunternehmen in Deutschland zählen. „Unsere Strategie ist mittel- und langfristig orientiert“, betonte BNP-Paribas Chef Jean-Laurent Bonnafé heute in einem Pressegespräch. Bis 2018 will er die angestrebte Position erreichen. Das ist ein Signal an die deutschen Firmenkunden, die bei Krisen den schnellen Rückzug von Auslandsbanken fürchten und dies zuletzt nach der Lehman-Pleite 2008 miterleben mussten. Jüngst wurde die Kundenzielgruppe der Franzosen, die traditionell die Konzerne im Fokus haben, auf größere und international orientierte Mittelständler ab Umsätzen von 250 Millionen Euro erweitert. Über sechs Business Center ist die Bank in Deutschland bereits lokal präsent.
Punkten will BNP besonders in Feldern wie der Eigenkapitalbeschaffung (ECM), dem Cash Management oder der Handelsfinanzierung („Trade Finance“). Auch wenn Deutschland als Heimatmarkt der Bank gesehen wird, stehen besonders die international ausgerichteten Unternehmen im Fokus. So habe BNP Paribas besonders in den wachsenden asiatischen Märkten ihre Stärken. „Aber auch bei Geschäften zwischen Deutschland und dem dynamischen türkischen Markt können wir unterstützen“, sagt Bonnafé. Neben den besagten Feldern wollen die Franzosen auch im Leasing und Factoring deutlich wachsen. Im Privatkundengeschäft setzt BNP besonders auf das neue Konzept „Hello Bank!“, das maßgeblich über mobiles Endgeräte genutzt werden kann.
Jean-Laurent Bannafé: „Wir wollen organisch wachsen“
Im Vordergrund der Strategie stehe organisches Wachstum. Kleine, ergänzende M&A-Transaktionen wie zuletzt bei der Übernahme des Depotbankgeschäfts der Commerzbank oder dem Kauf von iii-Investments gesehen, seien aber auch künftig nicht ausgeschlossen. Eine mögliche Übernahme der gesamten Commerzbank, wie in Medienberichten immer wieder spekuliert wurde, verneinte Bonnafé klar: „Das steht nicht zur Diskussion.“
Besondere Herausforderungen sieht der CEO von BNP Paribas in der zersplitterten Regulierung, jede Aufsichtsbehörde „spreche eine andere Sprache“. Deswegen erhofft er sich positive Effekte aus der zentralisierten Aufsicht unter Regie der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Bank hat schon einige Hausaufgaben erlegt: So liegt das Kernkapital bei 68,6 Milliarden Euro – doppelt so hoch wie vor vier Jahren. Mit einer Kapitalquote von 10,4 liegt BNP auch im oberen Spektrum der internationalen Großbanken. BNP Paribas gehört zu den 28 Instituten weltweit, die als systemrelevant eingestuft sind.
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BNP Paribas in Deutschland:
Ein ausführliches Interview mit Deutschlandchef Camille Fohl können Sie in der Oktober-/Novemberausgabe von FINANCE lesen.
Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.
